Ersetzt künstliche Intelligenz die Fotografie?

Ersetzt künstliche Intelligenz die Fotografie?

Computergenerierte Fotos können künftig auf Abruf erstellt werden


30/09/2019By Karsten Risseeuw

Die Website generated.photos bietet 100’000 Porträts zum kostenlosen Download an. Sie dürfen auch verwendet werden und es benötigt keine Modelreleases. Der Trick dabei: Die Bilder wurden computergeneriert. Es handelt sich nicht um Fotos existierender Personen.

Wenn Bilder aus dem Computer kommen

Sind computergenerierte Fotos und Videos als «echt» zu betrachten? Wir haben uns schon lange daran gewöhnt, dass Fotos nachbearbeitet werden. Fotokompositionen können Dinge zeigen, die es in der Realität nicht gibt. Die Zukunft könnte uns noch weitere «unechte» Bilder bereithalten.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Fotos am Computer neu zusammengestellt werden können. Das Compositing kann man am einfachsten mit einer digitalen Collage vergleichen. Mehrere Fotos werden zu einem neuen Bild montiert. Dabei entstehen nicht-vorhandene Eindrücke. Für Kunst oder für die Werbung sind das alltägliche Gedanken.

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz wird fast jeden Lebensbereich beeinflussen. Selbstfahrende Autos, Virtuelle Assistenten, Texterkennung, Gesichtserkennung, die Vorhersage von Kundenverhalten und viele Dinge mehr sind nicht mehr Zukunft, sondern bereits heute Realität. In der westlichen Welt hat wohl jeder damit (indirekt) zu tun.

Mit «Deep Fakes» werden falsche Videos bezeichnet, also Videos, die so nicht gefilmt wurden. Während bei einer Fotomontage von stehenden Bildern ausgegangen wird, entstehen Deep Fakes durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Bestehende Videos und Fotos werden analysiert. Die Merkmale werden abstrahiert. Anschliessend lassen sich neue Videos generieren, die es so nie gab. Aussagen von Präsidenten, Celebreties oder anderen Personen werden so vorgegaukelt. Problematisch ist die rasche Verbreitung im Internet und in Social Media. Es wird immer schwieriger, in unseren Medien die reale Welt von einer «fake» Welt zu unterscheiden.

Künstliche Intelliganz (KI, oder auf Englisch Artificial Intelligence, AI) hält auch in visuellen Medien Einzug. Deep Fakes sind davon ein aktuelles Beispiel.

Computergenerierte Fotos

Nun steht auch die Fotografie an der Schwelle einer neuen Zeit. Fotos lassen sich mit Hilfe künstlicher Intelligenz nach Vorgaben generieren. Je besser die Software dazu wird, umso besser werden die Resultate. Besser heisst hier: Vollständiger, realistischer.

Die Website generated.photos stellt 100’000 Porträts zur Verfügung, die alle mit Hilfe künstliche Intelligenz erstellt wurden. Es gibt alle Altersgruppen, vielerlei ethnischer Zugehörigkeit, Männer wie Frauen. Keines dieser Bilder entstand als Fotografie. Alle Bilder wurden durch Parameter in einer Software gesteuert.

Wenn man alle Archive herunterlädt, beanspruchen sie etwas mehr als 38GB auf der Festplatte. Es ist eine wahre Fundgrube. Die Bilder sind nicht in höchster Auflösung berechnet und nicht jedes Bild hat dieselbe Qualität.

Ähnliche Bilder werden gezeigt auf der Website thispersondoesnotexist.com («diese Person existiert nicht»). Bei jedem Neuladen der Website wird ein neues Bild gezeigt.

Gutes Beispiel.

Diverse Fehler: Bei den Haaren, beim Übergang zwischen Hals und Kleidung, usw.

Es ist erstaunlich, dass sich 100’000 verschiedene Porträts auf Knopfdruck generieren lassen. Fehlerhafte Darstellungen gibt es noch, aber zweifellos ist das nur eine Frage der Zeit, bis diese Fehler ausgemerzt werden. Einige Fotos lassen sich schon jetzt hervorragend nutzen, etwa zu Produktbeschreibungen, oder als Symbolbilder auf Websites. Heute kann man die Bilder nach Qualität aussortieren.

Menschen, die es gar nicht gibt. Celebrities oder politische Personen, die es nicht gibt. Familien, die es nicht gibt. Man ist auf einen Schlag von den Anforderungen von Modelreleases befreit. Es ist vorauszusehen, dass beispielsweise die Stockfotografie einst viele Bilder in dieser Art bereitstellen wird. Es ist günstiger, einfacher und schneller als die entsprechenden Models zu suchen und zu fotografieren.

Gelungene Beispiele

Offensichtliche Berechnungsfehler

Künstliche Welten

Damit ein Porträt als vertrauenswürdig und natürlich erscheint, braucht es bereits sehr viel. Lange Lernprozesse sind die Voraussetzung. Je mehr Vergleichsmaterial vorhanden ist, desto besser werden die Bilder. Nächste Schritte werden wohl mehr vom Körper zeigen, und auch realistisch erscheinende Hintergründe einbeziehen.

Heute sind viele Kinofilme ohne CGI (Computer Generated Images) nicht mehr denkbar. Es ist völlig normal, dass nicht-reale Welten in hoher Auflösung erscheinen. Schauspieler werden in nicht-existente Situationen hineinprojiziert. Zwischen realer Welt und Fake-Welt lässt sich immer schwieriger unterscheiden. Dies ist nun Teil unserer Realität. Was vor 50 Jahren undenkbar war, ist heute alltag. Was heute vielleicht undenkbar ist, gehört in 40-50 Jahren zum guten Ton.

2002 erschein der Film S1mOne, mit Al Pacino in einer Hauptrolle. Er spielt einen Regisseur, der Zugriff auf ein spezielles Computerprogramm enthält, womit eine virtuelle Person erschaffen werden kann. Dies ist die «erste Simulation» («S1mOne»). Er erschafft damit die virtuelle Schauspielerin «Simone», die er vor der Öffentlichkeit verbirgt, die ihm aber ungeahnte Höhenflüge erlaubt. Die Schauspielerin ist lebensecht.

Man kann damit rechnen, dass künftig viele Fotos computergeneriert werden. Künstliche Intelligenz wird vermehrt in der Fotografie Einzug halten. Erinnert man sich daran zurück, wie die ersten QuickTime-Filmchen von Apple belächelt wurde, oder die Qualität der ersten Digitalkameras verhöhnt wurde, so könnte man auch auf die mangelnde Qualität der computergenerierte Fotos hinweisen. Es ist wahrscheinlicher, dass diese Art der Bilder einst einen wichtigen Platz in den Medien einnehmen.


Kostenlose Bilder in Affinity Publisher

Kostenlose Bilder in Affinity Publisher

Von der Verführung der Gratisbilder


12/09/2019By Karsten Risseeuw5 Minutes

Der Adobe-Herausforderer

Affinity Publisher ist der aktuelle Herausforderer von Adobe InDesign. Zusammen mit Affinity Photo und Affinity Designer gibt es eine echte Alternative zu InDesign, Photoshop und Illustrator. Die Programme sind schnell, vielseitig, auf den aktuellen Stand und kosten pro Stück nicht einmal CHF 50 – ganz ohne Abogebühren.

Verständlich, dass mit dieser Strategie Millionen von Anwendern bereits umgestiegen sind oder sich die aktuellen Versionen genauestens anschauen. Gut und günstig, wer will das nicht?

Kostenlose Bilder

Im neuen Affinity Publisher kann der Gestalter direkt nach Stockfotos suchen. Das funktioniert ähnlich wie bei den Adobe-Produkten. Adobe hat ein kostenpflichtiges Stockangebot (Fotolia) gekauft und integriert. Bei Affinity Publisher handelt es sich kostenlose Angebote: Unsplash, Pexels und Pixabay.

Sind diese Angebote wirklich kostenlos? Und geht es dabei nur um den Preis? Nun, kostenlos ist bekanntlich nichts. Irgendjemand bezahlt immer. Bei Social Media Konten bezahlt der Anwender mit seinen privaten Daten. Bei sogenannt «kostenlosen» Bildkollektionen haben viele Menschen bereits investiert, nämlich der Fotograf zuerst, dann aber auch die Website Betreiber, die eine Infrastruktur und ein «kostenloses» Angebot aufrecht erhalten müssen und natürlich Partner, die irgendwo an diesem Ökosystem angehängt sind. Das geht nicht ohne grosse Investitionen. «There is no such a thing as a free lunch», pflegt der Amerikaner zu sagen. Das stimmt.

Probleme mit Unsplash wurden bereits in einem anderen Beitrag dargelegt. Dieselben Überlegungen gelten für jede andere «kostenlose» Kollektion. Als Ausnahme gelten vielleicht Websites wie Wikimedia Commons oder Bildsammlungen, die von Museen freigegeben wurden. Es geht nämlich nicht nur um den Preis. Es sind fast immer mehr Rechte als die vom Fotografen im Spiel. Bildagenturen beispielsweise verkaufen Lizenzrechte, und klären damit auch gleich ab, ob eventuelle Rechte Dritter (wie Model Releases oder Property Releases) abgegolten sind. Diese Sicherheiten scheint es bei kostenlosen Kollektionen nicht zu geben. Oft haben nicht einmal die Fotografen eine Ahnung der Rechten und Pflichten (!), die sie selbst einhalten müssen.

«Gratis» ist keine Garantie

Ein Gestalter, der Aufträge für Kunden erstellt, kann nicht ohne weiteres Bilder herunterladen und verwenden, wenn er damit nicht sich selbst und seinen Kunden Risiken aussetzen will. Besonders heikel dabei sind Darstellungen von Menschen (gerade Fotos mit Menschen sind die beliebtesten Sujets) und Abbildungen von Marken, Logos, Signete usw. Diese haben häufig eingeschränkte Nutzungsrechte oder dürfen gar nicht gebraucht werden.

Es gilt also Bilder von Unsplash, Pexels und Pixabay mit Vorsicht zu geniessen und stets zu klären, ob die Website die betroffenen Rechte und Pflichte transparent und zuverlässig dokumentiert, aufführt und garantiert. Garantiert? Ja, denn nur garantierte Verwendungsrechte und geklärte Model Releases sichern eine Kampagne, die Verwendung für ein Inserat oder eine andere Gestaltung.

Die Verantwortung liegt heute bei allen Beteiligten: Fotograf, Bildvermittler (auch: Unsplash & Co.), Gestalter und Kunde. Bei den Gratiskollektionen gibt es diese Kultur (noch) nicht. Fotografen und Gratisanbieter geben keine Sicherheit. Das ist der Regel. Deshalb liegt die Verantwortung beim Gestalter und beim Kunde selbst. Gratis ist keine Garantie.

Möglichkeiten sinnvoll einsetzen

Wenn Layoutprogramme direkten Zugriff auf Stockfotos ermöglichen, dann ist das besonders bequem. Gestalter schätzen der bequeme und schnelle Zugriff. Kunden schätzen häufig das «kostenlos». Beide benötigen jedoch ein Wissen um die Einschränkungen und rechtlichen Stolpersteine. Nicht jedes Bild ist problematisch, aber manche sind es. Wenn es zu rechtlichen Problemen kommt, dann können Kläger häufig auf alle Beteiligten losgehen. Wer das vermeiden will, soll sich vorher informieren und eine Strategie für Bildeinkäufe aufstellen.

«Nachhaltigkeit» tönt nicht so sexy wie «kostenlos», aber es ist vielleicht sexier als man denkt.

Wenn Bilder etwas kosten und bei guten Quellen eingekauft werden, werden damit nicht nur Fotografen entlöhnt, sondern ebenfalls Nutzungsrechte geklärt. Die Lizenz soll eine Vergütung für die Aufwände, aber auch eine Absicherung für den Bildnutzer darstellen. «Nachhaltigkeit» tönt nicht so sexy wie «kostenlos», aber es ist vielleicht sexier als man denkt.


ProfiFoto: Tipps zur Panoramafreiheit

ProfiFoto: Tipps zur Panoramafreiheit

Juraforum


08/08/2019By Karsten Risseeuw1 Minutes

Wo darf man fotografieren und was darf man Fotografieren? ProfiFoto, das Magazin für Fotokultur und -technik, hat einen ausführlichen Beitrag mit Tipps zur Panoramafreiheit erstellt. Es werden viele rechtliche Aspekte für das Fotografieren und Vermarkten von Bildern erwähnt. Worauf soll man achten? Der Beitrag klärt viele Fragen.

Obwohl der Artikel vorwiegend auf die Situation in Deutschland verweist, gibt es auch Hinweise für andere europäische Länder und ebenso für die Schweiz.

Zum Beitrag

SAB bringt Preisempfehlungen 2019 heraus

SAB bringt Preisempfehlungen 2019 heraus

Aktuelle Lizenzgebühren für Bilder: die neue SAB Preisliste


Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Bildagenturen und -Archive (SAB) hat gerade eine neue Preisliste herausgebracht. Die «SAB Preisempfehlungen 2019» bieten auf 40 Seiten viele Informationen zu empfohlenen Lizenzgebühren für Rights Managed Bilder. Richtpreise für kommerzielle und redaktionelle Anwendungen lassen sich schnell ermitteln und sind nach Anwendungsbereichen aufgegliedert.

Die SAB Preisempfehlungen werden immer wieder auch als Referenz bei Rechtsstreitigkeiten über Lizenzgebühren in der Schweiz genutzt. Preise für Stockfotografie sind in jedem Land etwas anders und die Schweiz ist keine Ausnahme. Als Richtpreise sind diese Empfehlungen nicht verbindlich, sondern sie bieten eine reale Verhandlungsbasis zwischen Bildagentur und Bildeinkäufer.

Die Preisliste ist erhältlich in drei Sprachen (Deutsch, Französisch und Englisch) und kann direkt auf der SAB Website erworben werden.

sab-photo.ch


Dasselbe Bild, ein anderer Preis

Dasselbe Bild, ein anderer Preis

Es geht schon lange nicht mehr um die Fotografie


Auf der Suche nach einem geeigneten Bild für das Cover eines Magazins wurde ich unter anderem bei Getty fündig. Das Foto war für die anvisierte Verwendung perfekt. Für eine hochaufgelöste Datei und eine lizenzfreie Verwendung waren 500 Schweizer Franken angesetzt. Im Zeitalter von Microstock und Gratisbildern erscheint das viel Geld. Die Qualität jedoch überzeugt. Ein besseres Bild darf mehr kosten als ein Microstock-Angebot. Die bedeutendste Bildagentur weltweit versteht etwas von Fotos.

Wenn möglich kaufe ich jedoch nicht bei Getty ein. Sinnvoller erscheint, das Bild bei kleineren Bildagenturen einzukaufen, die häufig auch Zulieferer von Getty sind. So haben die Produzenten deutlich mehr vom Ertrag und sind weniger vom Giganten im Markt abhängig. Ausserdem interessiert es mich, ob der gleiche Fotograf oder die gleiche Agentur noch weitere interessante Bilder im Angebot hat, die es bei Getty nicht gibt. Wie findet man andere Bildquellen für ein Bild?

Reverse Image Search

Es gibt viele Wege alternative Bildquellen auf die Spur zu kommen. Eine davon ist die «umgekehrte Bildsuche» (englisch: Reverse Image Search). Das funktioniert wie folgt: Bei einigen Websites kann man nicht nur mit Suchbegriffen, sondern auch mit Bildern suchen. Man lädt ein Foto (Thumbnail, Screenshot, ein ähnliches Bild) hoch und mit den Merkmalen dieses Fotos wird eine Suche nach ähnlichen Bildern gestartet. Google bietet eine solche Option an (images.google.com) und auch die kanadische Firma TinEye (tineye.com) hat dafür eine sehr gute Suchmaschine.

Die Websites analysieren das hochgeladene Bild, erstellen einen kleinen digitalen «Fussabdruck» und vergleichen diesen mit bereits gespeicherten «Fussabdrücken» aus den eigenen Datenbanken. Es funktioniert sehr ähnlich wie eine Stichwortsuche, mit dem Unterschied, dass ein «Stichwort» oder «Fussabdruck» erst aus einem hochgeladenen Bild erstellt wird. Anschliessend werden Treffer gezeigt. Die Trefferlisten einer umgekehrten Bildsuche enthüllen wie und wo das Sujet genutzt wird. Eine solche Suche nach Bildverwendungen kann sehr hilfreich sein. Verstehe ich beispielsweise wie ein Bild oder eine Bildidee bereits genutzt wird, dann hilft mir diesen Einblick die eigenen Ideen abzugrenzen.

Das Resultat einer «umgekehrten Bildsuche» ist im Idealfall eine Liste mit Treffern desselben Bildes.

Getty verkauft dasselbe Bild zu unterschiedlichen Preisen

Geradezu schockiert war ich jedoch, als dasselbe Bild bei einer anderen Kollektion von Getty auftauchte. In der einen Kollektion verlangt Getty für das hochaufgelöste Bild CHF 500, auf der anderen Website kostet dasselbe Bild lediglich CHF 33.

Hemmungslos werden dieselben Werte teuer verkauft oder billig verhökert. Das hochpreisige Bild stammt von der Getty Website (Link). Die günstige Alternative stammt von iStockPhoto, einer anderen Kollektion von Getty (Link). Das Foto steht dort in der «Signature Collection». Die Bildgrösse ist identisch, ebenso sind es die Verwendungsrechte. Gleiches Produkt – aber ein unterschiedlicher Preis. Hier werden Kunden gnadenlos für dumm verkauft und über den Tisch gezogen. Es betrifft keine Einzelbilder, sondern ganze Serien.

Vom Wert eines Bildes

Firmen, die von Finanzmärkten und Investoren getragen werden, folgen ganz eigene Strategien. Das gilt auch für Getty Images. Dabei ist der Fotograf oder der Kunde nur Mittel zum Zweck. Geld steht zentral. Die Fotografie oder die Fairness den beteiligten Partnern oder Kunden gegenüber sind zweitrangig. Es wird nicht mit Ethik gehandelt, sondern mit harten Bandagen um Vorherrschaft und Gewinne gekämpft. Dasselbe geschieht nicht nur bei Getty – es ist ein verbindes Merkmal vieler Firmen, die von Fremdkapital getragen sind.

Der Wert eines Bildes ist bei diesen Firmen nicht so wichtig wie die möglichen Einnahmen in verschiedenen Kundensegmenten. Eine Kundschaft, die für gute Bilder bereit ist auch gutes Geld auszulegen, hofft man auf der Hauptseite von Getty anzutreffen. Es gibt jedoch auch andere Käufer. Längstens haben die Anzahl Bildverkäufe via Microstock-Agenturen die der Getty Hauptseite überflügelt. Für viele Kunden ist nicht das bessere Bild, sondern das billigere Bild ausschlaggebend. Ein ganz eigener Kundenstamm folgt dieser Maxime.

Marketing versucht auf die Bedürfnisse der verschiedenen Kundensegmente entsprechend einzugehen. Billige Bilder hier, teuere Bilder dort. Der qualitative Unterschied macht es oft aus. Es macht durchaus Sinn für verschiedene Kundensegmente unterschiedliche Produkte im Sortiment zu haben.

Mit der «Signature Series» für iStockPhoto wurde diese Differenzierung weiter ausgebaut. Die Bilder sind besser und auch etwas teurer. Sie sind nicht so teuer wie bei Getty auf der Hauptseite, aber sie sind trotzdem teurer als die Bilder der Standardkollektion. Mit einem solchen Angebot kann man bei Billigkunden «fischen» gehen. Man will die Leute abholen, die zwar bessere Bilder wünschen, aber nicht (mehr) auf der «teuren» Website einkaufen. Marketing-technisch ist das kein schlechter Schachzug, denn hier kann man die etwas grösseren Budgets wieder abholen. Zweifellos entspricht es auch einem Kundenbedürfnis.

Den Kunden verschaukeln

Wo führt das jetzt hin? Es wäre alles kein Problem, wenn man Bilder eigens für eine bestimmte Vermarktung reserviert. Weitgehend wird das auch so gehandhabt. Lizenzpflichtige Bilder werden nicht gleichzeitig mit einer lizenzfreien Lizenz angeboten. Das eine schliesst das andere aus. Gute Fotografien verdienen eine eigene Kundschaft, die auch bereit ist, für Qualität mehr Geld auf den Tisch zu legen. Dasselbe Bild aber hier für CHF 500 zu verkaufen und dort für nur CHF 33 anzubieten, das sehe ich als problematisch. Hier wird der Kunde verschaukelt.

Gleiches passiert auch auf andere Art. Bei Getty und anderen Firmen wird der Preis pro Markt festgelegt. Das ist nichts Neues. Wer in der Schweiz oder in England lebt und arbeitet, zahlt für dasselbe Produkt meist mehr als ein Kunde in USA oder Polen. Digitale Produkte haben keine Einfuhrzölle oder Transportkosten. Sie könnten überall gleich teuer oder günstig sein. Sie sind es aber nicht. Die zentrale Frage betrifft erneut die Gewinnmaximierung und lautet wie folgt: Wieviel ist ein Kunde in diesem oder jenem Markt bereit zu zahlen? Danach werden Preise eingestellt. Nicht mehr der Wert eines Bildes ist Ausgangspunkt, sondern das mögliche Budget des Kunden. Es wird ausserdem technisch alles daran gesetzt, dass man nicht in billigeren Märkten einkaufen kann (auf derselben Website bei der Bestellung beispielsweise ein anderes Land auswählt).

Ethik und Nachhaltigkeit in Kundenbeziehungen

Gibt es so etwas wie ein «nachhaltiger Bildeinkauf»? Oder ist billiger besser und gratis am besten? Hinter allen «günstigen» Konzepten stehen grosse Firmen und viel Geld. Für diese Firmen sind die Downloader das Produkt, genau wie bei den Social Media Plattformen. Die Realität ist nämlich diese: Es gibt keine gute Fotos, Websites oder Angebote, ohne, dass jemand darin investiert. Das ist die Grundlage. Preise und Verdienst müssen sinnvoll gestaltet werden.

Wie man als Agentur seine Bilder vermarktet steht jedem frei. Auf derselben Grundlage aufbauend, kann die eine Firma sich für dieses, eine andere Firma für jenes Vertriebsmodell entscheiden. Beide können zu den Gewinnern gehören. Dieselben Bilder jedoch gleichzeitig für CHF 33 oder für ein 15-facher Preis anzubieten aber diese Unterschiede für den Kunden nicht transparent darzulegen, das hat mit Fotografie oder Angebot wenig mehr zu tun. Da geht es um Geschäftsethik.


Nationalrat bestätigt neues Urheberrechtsgesetz

Nationalrat bestätigt neues Urheberrechtsgesetz

Laut einer Medienmitteilung von der Arbeitsgruppe Lichtbildschutz hat der Nationalrat am 13. Dezember 2018 einstimmig beschlossen (196 zu 0 Stimmen), ein neues Urheberrechtsgesetz für die Schweiz zuzustimmen. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einem besseren Schutz von Fotos. Bislang galt ein Schutz nur für solche Fotos mit Werk-Charakter, also mit einer Einmaligkeit der Interpretation und der Abbildung. Nun sind alle Fotos, auch Schnappschüsse, urheberrechtlich geschützt. Als Nächstes muss der Entscheid vom Ständerat bestätigt werden.

Die Schweiz hinkt seit langer Zeit im Schutz von Fotos hinter der Gesetzgebung anderen europäischen Ländern hinterher. Das neue Urheberrecht will verschiedene Lücken in der Gesetzgebung beseitigen und eine Anpassung an das digitale Zeitalter vorantreiben. Fotografen, Bildagenturen und andere Dienstleister in der Branche hatten es schwer eine Entschädigung für eine Nutzung einzufordern. Das dürfte sich mit einer Revision des Urheberrechtsgesetzes nun ändern.

Weitere Informationen:

 


CEPIC: Dachverband europäischer Bildagenturen

CEPIC, der Dachverband europäischer Bildagenturen

Coordination of European Picture Agencies Stock, Press and Heritage.

Die CEPIC ist eine Dachorganisation für Bildagenturen in Europa und darüber hinaus. Ende der Neunziger Jahren entstand die CEPIC als gemeinsame Initiative verschiedener nationaler Dachverbände aus Europa. Es war die erste gesamteuropäische Plattform.

CEPIC Kongress

Der jährliche CEPIC Kongress ist wichtigste Ereignis in der europäischen Bildindustrie. Hier treffen sich Bildanbieter und Bildagenturen, zeichnen Kontrakte, besprechen Marketing-Massnahmen und man pflegt die bestehenden Kontakte. Die CEPIC ist dafür eine sehr gute Plattform. In den besten Jahren waren über 1000 Teilnehmer am CEPIC Kongress gegenwärtig. Entsprechend den Entwicklungen in der Bildindustrie ist die Teilnehmerzahl mittlerweile auf weniger als die Hälfte geschrumpft. Immer noch ist der CEPIC Kongress jedoch die grösste Veranstaltung seiner Art weltweit und zieht Besucher von allen Kontinenten an.

Weitere Partnerschaften

Bildagenturen benötigen nicht nur Bilder und Partnerschaften für Content, sondern auch Know How über andere businessrelevante Themen. Dabei kann man an rechtliche Themen denken, und auch an technisches Know How. Bald stiessen entsprechende Partner dazu, wie das IPTC Konsortium (iptc.org), welches globale Standards für die Metadatenbeschreibung festlegt, oder die WIPO (wipo.int), die World Intellectual Property Organization.

Ausweitung der Tätigkeiten

Nicht nur das direkte Business ist wichtig. Parallelveranstaltungen zu weiteren Themen entstanden, die Kongressbesucher zusätzlich buchen können. Der CEPIC Kongress ist vielseitiger als in den Anfangsjahren und Fachveranstaltungen ziehen ein eigenes Publikum an.

Lobbying

Die technische Entwicklung im Internet schreitet schneller voran als die Gesetzgebung. Daraus entstehen prekäre Situationen für Content-Anbieter wie beispielsweise Fotografen und Bildagenturen. Man muss seine Fotos im Internet zeigen. Sobald man das aber macht, entstehen viele rechtliche Fragen: Darf ein Website-Besucher Bilder herunterladen und kostenlos nutzen? Darf eine Suchmaschine wie Google auf Bilder verweisen und indirekt mit Werbung daran verdienen? Dürfen Bilder über Suchmaschinen heruntergeladen werden?

Unsere digitale Welt ermöglicht vieles, wofür es noch keine Regelungen gibt. Grosse Firmen wie Google versuchen ihre eigene Regulungen zum eigenen Vorteil durchzusetzen. Einzelne Bildagenturen oder Fotografen können da nicht viel ausrichten. Ein unabhängiger europäischer Verband kann dagegen in der europäischen Union lobbying für besseren Schutz beantragen. Diese Funktion hat die CEPIC nun seit Jahren übernommen. Dadurch konnten europäische Gesetze zur Eindämmung der Einflüsse von Google & Co. enstehen. Die CEPIC kann das, weil es keine Firma ist und von vielen Mitglieder getragen wird.

So wie sich die Zeiten ändern, hat sich auch CEPIC geändert. Nebst dem jährlichen CEPIC Kongress findet kontinuierlich auch eine Evaluation und ein Lobbying für die Fotografen und Agenturen in einem grösseren europäischen Kontext statt.


Bundesverband Professioneller Bildanbieter (BVPA)

BVPA

Bundesverband Professioneller Bildanbieter


In Deutschland haben sich die professionelle Bildanbieter in dem Verband BVPA 1970 zusammengeschlossen. Der Verband ist erste Anlaufstelle für Bildanbieter und Bildkäufer in Deutschland und darüber hinaus.

Wer sich über den deutschen Bildmarkt informieren will, findet hier den richtigen Einstieg:

BVPA


Kostenlose Bilder als ultimativer Kick?

Kostenlose Bilder als ultimativer Kick?


Gratisbilder verdrängen sogar günstige Angebote. Websites wie Unsplash und andere bieten hochwertige Fotos zum Nulltarif an. Kann das gutgehen?

Vorbei sind die Zeiten, da es nur wenige digitale Bilder gab. Noch in der zweiten Hälfte der neunziger Jahren waren digitale Bilder Mangelware. Die meisten Fotografen arbeiteten analog und die Qualität der ersten Digitalkameras war für professionelle Ansprüche ungenügend. Seitdem hat sich vieles geändert.

Stockfotografie und Bildarchive

Wer Bilder benötigt, kann selbst fotografieren. Das ist jedoch nicht immer praktisch. Stockfotografie versprach von jeher eine einfachere Bildbeschaffung. Man musste weder selbst fotografieren noch einen Fotografen losschicken, sondern man konnte auf eine Auswahl bereits erstellter Fotos zurückgreifen. Bildarchive sind ausserordentlich praktisch. Die spezialisierten Bildarchive wurden zu Bildagenturen, die sich um die Klärung von Bildrechten und um die Abwicklung der Lizenzgebühren kümmerten, während der Fotograf weiterhin einfach um seine Fotografie besorgt war. In diesem System wurden die Anforderungen aller Beteiligten abgedeckt: Der Fotograf hat verlässliche Partner, die Bildagentur hat das Know-How und die Kontakte für eine einfache und zuverlässige Bildbeschaffung und Verkaufskanäle für den Fotografen und der Bildeinkäufer konnte von einer riesigen Auswahl geeigneter Bilder sowie von einer kompetenten Beratung profitieren.

Neue Lizenzmodelle

Während einst alle Nutzungsrechte in Abhängigkeit der Nutzung berechnet wurden (eine projektgebundene Lizenz, RM oder lizenzpflichtige Bilder), erschienen mit der Digitalisierung und einem immer schnelleren Internet ganz neue Vertriebsmodelle.

Sogenannte «lizenzfreie» oder «royalty-free» Bilder erhielten eine stark vereinfachte Lizenz, wonach man für ein Bild nur einmal zahlen müsste, dann aber das Bild für beliebig viele Projekte benutzen konnte. Die ganze Administration mit Projekten, Auflagen, Neuauflagen und dieser Dinge mehr fiel nun weg. Das war für viele Bildabnehmer eine Erleichterung. Diese Erleichterung wurde jedoch mit gewissen Einschränkungen erkauft. Es war eine Demokratisierung der Bildbezüge und eine Exklusivität konnte nicht mehr gewährleistet werden.

Der Aufbruch sogenannter Microstock-Bilder war eine Weiterentwicklung der Royalty-Free Idee. Spottbillig wurden Bilder als Massenware angeboten. Die Agenturen investierten nicht mehr in die Fotoshoots, sondern jeder Bildlieferant/Fotograf musste sich selbst darum kümmern. Crowdsourcing ist das Stichwort und es hat auf einen Schlag die Produktionskosten «eliminiert». Selbstverständlich waren die Produktionskosten immer noch da, aber das Risiko ging fast vollständig auf den (privaten) Fotografen über.

Gleichzeitig mit dieser Massenware änderte sich auch das Bewusstsein bei den Verbrauchern. Bilder waren plötzlich extrem billig zu haben. Über den Preis wurden bisherige Wertvorstellungen über den Haufen geworden. Die Bilderflut und die Überdistribution vieler Kollektionen hat zu Preiskämpfen geführt. Eine Abwärtsspirale der Preise und des Verdienstes hat den Bildermarkt nachhaltig geändert.

Gratisbilder

Es ging zuletzt noch eine Stufe tiefer. Bilder wurden und werden gratis angeboten. So wie das Bessere der Feind des Guten ist, so scheint auch gratis der Feind vom günstigen zu sein. Websites wie unsplash.com bieten hochwertige Fotos von Fotografen an, welche diese kostenlos zur Verfügung stellen. Auch unsplash.com bietet den Download gratis an.

Selbstverständlich gibt es nichts gratis. Wer arbeitet schon gratis für jemand anders? Und woher werden Technologie und Administration bezahlt? Welches Konzept macht dies möglich? Wir scheinen hier am unteren Ende der Verwertungsskala angekommen zu sein. Wer hier nicht weiter als der Preis denkt, meint das Nirwana erreicht zu haben.

Warum lassen sich Fotografen mit einer solchen Plattform ein? Die Fotos sind allesamt hervorragend. Man staunt wie vielseitig das Angebot ist. Fotografen erhoffen sich vermutlich mehrheitlich davon, dass ihr Name bekannt wird und dass sie so zu Aufträgen kommen. Ob das für die Mehrheit der Fotografen so zutrifft darf bezweifelt werden.

Es treten noch ganz andere Probleme auf. Die Fotografen selbst sind für die Klärung aller Rechte verantwortlich, aber sie haben davon selten eine Ahnung. Wer als Grafiker also ein Bild verwendet kann nicht (wie bei einer professionellen Bildagentur) davon ausgehen, dass die Rechte geklärt sind. Das kann zu handfesten Problemen führen.

Gedanken über Unsplash

Im folgenden Video hat sich ein Fotograf dem Thema ausführlich angenommen und berichtet aus erster Hand von den Erfahrungen mit Unsplash-Fotografen. Wer nach diesem Video noch Bilder von Unsplash nutzt, so könnte man denken, ist selber Schuld. Dazu gibt es noch mehr zu sagen, aber zuerst das Video von Zack Arias des YouTube Kanals DEDPIXL.

Was wird mit diesen Angeboten geschehen?

Die katastrophale Lage dieser Art des Vertriebs wird nach Betrachten des Videos deutlich sein. Es gibt sogar Leute, die Bilder von Unsplash herunterladen und bei Fotowettbewerben hochladen (und gewinnen). Es gibt Fotos mit Menschen, wofür es keine gezeichnete Modelreleases gibt. Es braucht wirklich nur einen einzigen richtigen Gerichtsfall und das Kartenhaus fällt zusammen. So hat es Zack Arias geschildert.

Allerdings erinnere ich mich ebenfalls an ähnlichen Situationen bei Lizenzfreien Bildern (RF) und später bei Microstock-Bildern. Sie wurden belächelt, die technische und rechtliche Aspekte wurden kritisiert und letztendlich haben diese Sparten sich trotz allen Unkenrufe weitgehend professionalisiert. Könnte das mit mit dem Konzept von Gratisbildern auch gelingen?

Die aktuelle Lage ist alles andere als rosig. Eine professionalisierung ist möglich, aber das wird kaum ohne entsprechende Einnahmen zu realisieren sein. Bis dahin kann man nur empfehlen, selbst alle rechtliche Abklärungen vorzunehmen, oder doch lieber auf die Dienste einer professionellen Bildagentur zurückzugreifen.


Lichtbildschutz in der Schweiz

Lichtbildschutz in der Schweiz

Urheberrecht in der Schweiz ist ein Thema


Das Recht am Bild lässt sich nicht in einem Satz formulieren. Oft können verschiedene natürliche oder juristische Personen Rechte geltend machen. Nicht immer jedoch ist es der Fotograf, der von diesen Rechten profitieren kann. In der Schweiz ist das Urheberrecht so ausgelegt, dass Bilder nur schützenswert sind wenn sie «individuell gestaltet» und dadurch sogenannte «Werke» sind. Gerade das schafft vielseitige Probleme.

Wenn ein professioneller Fotograf Bilder publiziert oder zur Publikation weiterleitet, dann sind die nicht automatisch geschützt. Sie sind nur dann geschützt, wenn diesen Bildern etwas «einmaliges» auszeichnet. Dadurch entstehen absurde Situationen, wie etwa, dass Fotografen zwar gearbeitet haben, aber nicht unbedingt für ihre Arbeit bezahlt werden müssen. Das ist gerade für Stockfotografie und für freischaffende Fotografen von Bedeutung, sowie für jede Veröffentlichung von Bildern im Internet. Ist ein Bild einmal «in freier Wildbahn», kann es mitunter schwer sein, dafür eine entsprechende Entlöhnung zu erhalten.

Die Problematik hat sich mit Einzug des Internets und der digitalen Verwaltung von Bildern noch verschärft. Die Gesetzgebung hinkt hinterher. Das gilt im Hinblick auf die Schweiz und der Schweizer Gesetzgebung ebenso wie für die Situation im europäischen Raum. Firmen wie Google, FaceBook, Twitter und andere verbreiten Bilder rasendschnell und nutzen diese Werte ohne den Urhebern je dafür zu entschädigen. Über diese Situation nachzudenken und entsprechende Lösung zu erarbeiten ist eine politische Aufgabe.

Die Situation in der Schweiz ist in Europa ein Sonderfall. Überall sonst ist der Schutz von Fotografien besser geregelt. Deshalb sollte es dringend auch in der Schweiz angepasst werden. Mehr dazu findet sich auf der Website fotografie-urheberrecht.com.

Lichtbildschutz

Weitere Informationen erscheinen auch hin und wieder direkt auf der Website der SAB, wie beispielsweise hier: