Google Open Images

Google Open Images

Bildklassifizierung und künstliche Intelligenz


21/10/2021In Bildsuche, SoftwareBy Karsten Risseeuw1 Minutes

Unter dem Titel «Open Images» hat Google eine Bilddatenbank mit knapp 60 Millionen Bildern zusammengestellt, die alle klassifiziert und indexiert sind. Projekte wie diese bieten Einblick für wissenschaftliche Arbeiten und darin, wie man mit grossen Bildmengen umgeht.

Täglich werden Milliarden Bilder auf soziale Netzwerke hochgeladen. Die Bilderflut nimmt nicht ab, sondern zu, scheint es. Apple nutzt schon lange künstliche Intelligenz für eine automatische Verschlagwortung von Fotos im App «Fotos», sowohl auf dem Mac wie auch auf dem iPhone. Damit sollen auf privatem Niveau die Bildmengen etwas zugänglicher werden. Benutzer sollten Ihre Fotos wieder finden können, auch wenn sie selbst keine Suchbegriffe zugeordnet haben.

Bei öffentlichen Netzwerken, in grossen Bilddatenbanken und bei der Auswertung von Informationen über Produkte, Menschen, Orte, sind intelligente Systeme nötig, die solche Auskünfte geben können. Künstliche Intelligenz ist auch hier das Stichwort. Für die künstliche Intelligenz benötigt es jedoch Lernsysteme.

Open Images von Google

Google hat ein Projekt mit dem Namen «Open Images», das bereits in der Version 6 vorliegt. Das Open Images Projekt umfasst knapp 60 Millionen Bilder, die alle bereits analysiert und klassifiziert wurden. Die Analyse ist nur ein erster Schritt. Aus der Menge der Information dann funktionierende Modelle zu erstellen ist der nächste Schritt. Die Klassifizierung soll die Menge verständlich machen. Die Informationen und Modelle müssen geprüft werden. Die Website dient der wissenschaftlichen Nutzung.

Google Open Images

CLink will Zahlungsmethoden einbinden

CLink will Zahlungsmethoden einbinden

Registrierung, Lizenzvergabe und bald auch Zahlungen?


16/06/2021In SoftwareBy Karsten Risseeuw1 Minutes

In einer Pressemitteilung gibt CLink bekannt, dass sie ein «Flagship Grant Awardee» von «Grant for the Web» geworden sind, ein Interledger Foundation Programm. Interledger hat ein Protokoll für Online Zahlungen entwickelt (ILP), wodurch eine Kooperation in diesen Bereichen absehbar ist.

CLink kann aktuell Bilder und HTML-Seiten registrieren. Dies ist eine Voraussetzung dafür, dass auch eine Verwendung lizenziert werden kann. Als nächster Schritt nach der Lizenzvergabe wäre dann eine Zahlung neuer Lizenzen wünschenswert, damit Fotografen, Autoren und andere für ihre Arbeit entsprechend entschädigt werden können.

Diese Entwicklung ist besonders interessant, denn hier findet eine Demokratisierung von Lizenzierung und Verkauf statt, die bislang meist über spezialisierte Partner abliefen. Setzt sich diese Entwicklung durch, wird das einerseits Fotografen und Autoren stärken, andererseits aber auch den Markt weiter fragmentieren. Gleichzeitig wird die Lizenzierung besser geregelt, weil vereinheitlicht, und eine Anbindung an andere Systeme wird durch die breite Akzeptanz und Kooperationen möglich.

CLink bewegt sich auf einen sehr interessanten Weg, der – soweit mir bekannt – bislang von keiner Technologie-Firma in dieser Art durchgezogen ist. Konkrete Bedürfnisse werden gelöst und auf einer einheitlichen Plattform realisiert. Verknüpfungen über beispielsweise einem WordPress Plug-in macht die Lösung auch für Kleinstfirmen und Freelancer interessant.

Weiteres liest sich in der Pressenachricht.

Zum Pressebericht

Mehr zu CLink findet sich > hier.


3 Alternativen zu Lightroom

3 Alternativen zu Lightroom

Bildverarbeitungen speziell für den Workflows von Fotografen


15/06/2021In SoftwareBy Karsten Risseeuw4 Minutes

Fotografen haben spezielle Anforderungen an einer Software. Viele arbeiten mit grossen Bildmengen, beispielsweise von Fotoshoots, Hochzeiten und Reportagen. Photoshop war dafür nicht immer die beste Lösung, da Photoshop und ähnliche Lösungen primär auf die Verarbeitung einzelner Bilder fokussiert sind. Mit der Zeit gab es natürlich Anpassungen. Bahnbrechend neu war jedoch die Software «Aperture» von Apple. Diese Software läutete eine neue Generation von Softwarelösungen speziell für Fotografen ein.

2005 lancierte Apple die eigene Software «Aperture». Sie sollte bis 2015 bestehen. Aperture bot neue Workflows für Fotografen, die viele Bilder verarbeiteten. «Non-destructive Editing» (Zerstörungsfreie Bearbeitung) wurde ein Schlagwort. Aperture war das erste Programm für den Massenmarkt, welches eine Bildverarbeitung bot, die das Bild nicht definitiv veränderte, sondern Änderungen als Anweisungen speicherte. So liessen sich Änderungen rückgängig machen und es konnten vom gleichen Bild problemlos mehrere Varianten erstellt werden.

Erst zwei Jahre nach dem Launch von Aperture, im Jahr 2007, veröffentlichte Adobe eine ähnliche Software, mit Namen «Lightroom». Lightroom hat den Markt im Sturm genommen, wohl deshalb, weil es im Software-Portfolio von Adobe grosse Verbreitung fand.

Aperture gibt es nicht mehr. Lightroom ist nicht für jeden von Interesse. Gibt es Alternativen zu Lightroom? In diesem Beitrag stelle ich kurz drei Produkte vor, die für Fotografen exzellente Workflows zur Verfügung stellen.

  • CaptureOne
  • ON1 Photo Raw
  • Exposure

Es wird keine ausführliche Beschreibung der Produkte geben. Dafür sind die eigenen Websites der Hersteller wesentlich besser. Wer die Produkte noch nicht kennt, kann sich direkt auf die Hersteller-Websites informieren. Trotzdem habe ich persönliche Bezüge zu den Lösungen: CaptureONE verwende ich selbst und die Hersteller der beiden anderen Produkte kenne ich aus früheren Jahren, da ich einmal ihre (Vorgänger-) Produkte vertrieben habe. Es sind hervorragende Lösungen, mit leicht unterschiedlichen Arbeitsweisen und Möglichkeiten.

Allen Produkten gemeinsam ist die Optimierung für grössere Bildmengen, die Verarbeitung von RAW-Dateien und kreative Anwendungsmöglichkeiten. Die Katalog-Funktionen sind unterschiedlich realisiert, erlauben jedoch zügiges Arbeiten.

CaptureOne

Website: https://www.captureone.com/de
Hersteller: Phase One, Dänemark (phaseone.com)

CaptureONE hat sich einen hervorragenden Ruf für Highend-Bildverarbeitung erworben. Die Verarbeitung von RAW-Bildern ist legendär. Das Produkt war eine wichtige Erweiterung der Phase One Kameras. Mittlerweile erhielt CaptureONE eine eigene Website.

Exposure X6

Website: https://exposure.software/
Hersteller: Exposure Software, USA

Exposure Software ist das vormalige Alien Skin Software. 1994 introduzierten sie das erste Schattenfilter für Photoshop. Nachdem mehrere Plug-ins erstellt wurden, entstand Exposure X6 als die Allround-Lösung für anspruchsvolle Fotografen.

ON1 Photo Raw

Website: https://www.on1.com/products/photo-raw/
Hersteller: ON1 Inc.

Die ehemalige Firma Extensis lancierte die Fontverwaltung Suitcase, die Katalogisierungslösung Portfolio sowie eine Reihe Plug-ins für Photoshop. Die Firma wurde geteilt und Extensis vertreibt weiterhin Produktivitätslösungen für die Druckvorstufe (extensis.com), während ON1 die Bildverarbeitung weiterpflegte. ON1 Photo Raw ist die optimierte Lösung für schnelle und einfache Bildverarbeitung.

Auch für mobile Geräte?

Die genannten Produkte laufen alle auf Desktop Computern. Es gibt jedoch bereits erste Lösungen für mobile Geräte. Zumindest Apple arbeitet auf eine bessere Integration verschiedener Geräte hin. Für Fotografen kann es sehr interessant sein, die gleichen Tools auf mehrere Plattformen nutzen können. Auf den Herstellerseiten finden sich weitere Informationen zum aktuellen Angebot.


Getty Images erwirbt Unsplash – ist das eine gute Entwicklung?

Getty Images erwirbt Unsplash – ist das eine gute Entwicklung?

Was von Getty erworben wird, ist bereits überholt


Am 30. März 2021 machte Getty Images die Absicht bekannt, Unsplash zu erwerben. Wie kann man diesen Schritt verstehen?

Getty Images ist die weltweit grösste Bildagentur. Gross und gut. Der letzte Vorstoss, die Plattform für Gratis-Bilder «Unsplash» zu erwerben, hat jedoch nichts mit Fotografie zu tun, sondern mit Markt-Macht. Unsplash verzeichnet bereits über 100 Millionen Downloads pro Monat (!) und das ist ebenso ein Problem wie vormals iStockPhoto mit Billigbildern Getty zahlenmässig einholte.

Selbstverständlich wird die Akquisition mit Vorteilen für Kreative verkauft. Aber – Hand aufs Herz – würde das nicht auch ohne die Akquisition funktionieren? Es gibt doch für den Benutzer keinen Vorteil, wenn ein Monopol weiter gefestigt wird? Hier geht es um Geld, nicht etwa um bessere Fotografie. Geld, dass die Benutzer zahlen müssen – ob via Bildpreisen oder durch Werbung, damit ein Shareholder-Value generiert werden kann. Man soll sich hier nichts vormachen.

Vorteile für Getty Images

Getty geht es um Marktdominanz. In dem Moment, wo ein neues Konzept erfolgreicher erscheint als die eigenen Konzepte, wird gekauft und eingegliedert. Unsplash ist nur die letzte Kollektion in einer langen Reihe. Getty erhält nun verschiedene Dinge:

  • Traffic und Einblicke
  • Möglichkeit zur Anpassung der Downloads (Registrationen?)
  • Abwanderung von Kunden verhindern
  • Alles aus einer Hand anbieten können
  • Direkte Integrationen mit Softwarelösungen vorantreiben
  • Neukunden gewinnen
  • Querverkäufe

In einem anderen Beitrag habe ich bereits darauf hingewiesen, dass Getty dieselben Bilder zu extrem unterschiedlichen Preisen verkauft. Es geht also nicht darum, den Wert eines Bildes festzulegen, sondern darum, eine Menge an Bildern für verschiedene Szenarien und Kundengruppen unterschiedlich einzusetzen. Wer bereit ist viel zu bezahlen, der darf das. Aber auch derjenige, der ein kleineres Budget hat, soll erreicht werden. Das Thema ist Marktdurchdringung.

Mithilfe von Unsplash findet erneut eine weitere Marktdurchdringung statt, nämlich in die wachsende Gruppe Anwender, die für Bilder nicht mehr bezahlen (wollen).

Vorteile für Bildanwender

Selbstverständlich gibt es auch Vorteile für Bildanwender. Getty Images hat bislang alle Akquisitionen professionalisiert. Bei iStockPhoto und der Entwicklung eines Microstock-Angebots wurden beispielsweise die Modellfreigaben vereinheitlicht und klar deklariert. Unsplash weicht diese bislang aus, was für eine professionelle Nutzung katastrophale Folgen haben kann (Beitrag). Getty kann es sich m.E. nicht erlauben, folgende Lücken bestehen zu lassen:

  • Modellfreigaben sind nicht gelöst auf Unsplash
  • Freigaben Dritter sind nicht gelöst auf Unsplash
  • Es gibt problematische Bilder.

Werden diese Probleme beseitigt, gewinnt die Kollektion deutlich an Attraktivität.

Ein weiterer Vorteil kann für Anwender darin bestehen, dass alternative Lizenzen oder Bilder aus anderen Kollektionen angeboten werden können. Wer echte Lösungen für grafische Anwendungen sucht, ist nicht immer mit «kostenlos» gedient. Diese Differenzierung kann Getty vermutlich elegant lösen.

Vorteile für Fotografen

Fotografen sind erst einmal die Arbeitnehmer, die auf eigenes Risiko und ohne Entgelt arbeiten. Es gibt keine Verträge, keine Altersvorsorge, keine kostendeckenden Ausgaben. Für Getty Images ist das natürlich eine Goldgrube, wenn sie weder die Produktion noch irgendwelche Abgaben bezahlen müssen. Es ist die sprudelnde Ölquelle, die nur angezapft werden muss.

Fotografen, die sich damit abgeben, dass sie nichts verdienen, verdienen Ihre Brötchen bereits auf andere Weise. Vielleicht hoffen einige auf bessere Kunden, wenn sie ihre Bilder in einer weltweit genutzten Bildsammlung einspeisen. Tatsächlich kann das passieren, aber ich kenne keine Untersuchung, die das systematisch erfasst hat.

Allerdings kann Getty Images nun viel einfacher auf diese Fotografen zugreifen. Downloadzahlen verraten, welche Bilder und Bildstile beliebt sind. Suchbegriffe zeigen, welche neue Themen benötigt werden. Getty kann nun direkt auf bestimmte Fotografen zugehen, die tatsächlich zu lukrativen Aufträgen kommen können. Auch wenn das ein kleiner Prozentsatz der Fotografen betreffen wird, so wird es für diese kleine Gruppe interessant sein.

Unsplash ist auch ein weltweites Netzwerk von Fotografen. Als solches kann es Getty dabei helfen, zu bestimmten Themen gute Fotografen direkt vor Ort zu finden. Das ist eine Chance für sowohl Fotografen als auch für Getty.

Zeit für neue Ideen

Bei dieser Hype rund Unsplash und Getty Images ist eines klar: Es gibt wieder Platz für neue Ideen. Getty hinkt mit Akquisitionen immer hinten drin. Unsplash fing 2013 an. Wir sind jetzt 8 Jahre später, in denen ein kleiner Blog zur fast wichtigsten Bildquelle für unzählige Kreative wurde. Getty Images ist mit Akquisitionen immer spät dran. Sie rechnen mit funktionierenden Marktgrössen, spielen auf Sicherheit und investieren strategisch für die nächsten paar Jahre. Möglich macht es das Geld vieler Investoren, die nicht an Bildern, sondern vor allem an noch mehr Geld interessiert sind.

Deutlich interessanter sind Kollektionen wie beispielsweise Westend61, die eine andere Ethik, wirklich gute Fotos und die beteiligten Fotografen ins Zentrum stellen. Das ist ein anderes Konzept als bei Unsplash oder Getty images. Gute Bilder haben seinen Preis. Jeder soll gewinnen und nicht nur die Shareholder.

Platz gibt es also für bessere Ideen. Was von Getty erworben wird, ist bereits überholt. Die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten war rasant. Es gab viele Umwälzungen und es gibt bestimmt weitere. Von welcher Entwicklung willst Du Teil sein?

Bildverweis: © Georgia de Lotz auf Unsplash


Same Energy – eine visuelle Bildsuche

Same Energy – eine visuelle Bildsuche


17/02/2021In BildsucheBy Karsten Risseeuw2 Minutes


Bildsuche ist anspruchsvoll. Während 20 Jahren hatte ich eine Bildagentur und wurde täglich mit Bildsuchen konfrontiert. Bildsuche ist anspruchsvoll, nicht etwa nur technisch, sondern es braucht auch ein Verständnis für die Kollektionen, die man vertritt. Jede Kollektion hat die eigene «Ausstrahlung». Eine Bildagentur muss nicht nur wissen, wie man zu Bildern kommt, sondern auch wo man die gewünschte Bildsprache findet.

Künstliche Intelligenz oder «Machine Learning» kann ein Teil dieser Aufgabe abdecken. Wenn die Bildauswahl gross genug ist, lassen sich Bildmerkmale vergleichen. Die neue Website «Same Energy» tut genau dies und findet ähnliche Bilder besonders schnell und mit hervorragenden Resultaten.

Das ist natürlich kein Einzelfall. Machine Learning wird bereits für verschiedenste Aufgaben genutzt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis fast jeder Lebensbereich davon durchdrungen ist. Wer kennt den «Reverse Image Search» nicht? Man lädt ein Bild hoch und die Suchmaschine findet gleiche und zum Verwechseln ähnliche Bilder im Handumdrehen. So lässt sich beispielsweise sehen, wo bestimmte Fotos verwendet werden, oder wo sie herkommen. Bewährte Websites für eine solche Suche sind Google und TinEye.

Die Website von Same Energy zielt jedoch darauf ab, «ähnliche Bilder» zu finden. Das ist etwas anderes als eine Reverse Image Search. Hier geht es darum, weitere ähnliche Bilder zu finden, also ein Spektrum von Bildern aufzuzeigen. Ein solches Suchresultat kann dafür genutzt werden, Bilder einer bestimmten Stimmung oder allenfalls ähnliche Objekte zu finden.

Die Website differenziert ausgezeichnet, was beispielsweise bei der Suche nach Menschen in bestimmten Situationen sehr hilfreich ist. Die Stimmung vom Bild, die Anzahl Personen oder auch die Hautfarbe wird berücksichtigt. So können ruckzuck alternative Bilder gefunden werden.

Wer einige Zeit auf der Website unterwegs ist, findet eine «für Dich» Auswahl, zusammengestellt aus Bildthemen, wonach gesucht wurde.

Same Energy ist noch im Betastadium und das persönliche Projekt von Jacob Jackson. Eine kommerzielle Lösung über eine API-Anbindung wird eruiert.

same.energy


Wie teuer sind Fotos zum Einkaufen?

Wie teuer sind Fotos zum Einkaufen?

Finde die richtigen Bilder für die eigene Website


04/01/2021In Bildagentur, StockfotografieBy Karsten Risseeuw12 Minutes

Fragt man jemand, was er für seine Website-Bilder bezahlt, wird häufig geantwortet: «Nichts!». Gratisbilder sind allgegenwärtig. Nun sind Gratisbilder jedoch nicht immer die beste Wahl. In diesem Beitrag geht es um eine Differenzierung der Wahrnehmung. Gratisbilder können ganz schön teuer werden.

Bildbeschaffung um die Jahrtausendwende

Um das Jahr 2000 fotografierten die meisten Fotografen noch analog. Das ist kaum 20 Jahren her. Bildagenturen hatten Schränke voller Negative und Dia-Positive, oftmals auch in Kopien, die bei Bedarf den Grafikern und Redaktionen geliefert werden konnten. Hat man nun bei einer Bildagentur das Projekt beschrieben, wurde eine Auswahl an Negativen geliefert – in Städten gerne auch per Fahrradkurier. Internet war nicht schnell genug. Die Bilder lagen oft noch nicht digital vor.

Die gelieferte Bildauswahl bestand aus Negativen oder Positiven, die in einer Plastikhülle eingeschweisst waren. Damit man aus dem analogen Material eine digitale Version erstellt werden konnte, musste man die Schutzhülle aufgemacht werden. Nur so konnte man das Bild scannen.

War nun die Schutzhülle aufgemacht, wurde von Schweizer Bildagenturen eine Layoutgebühr von CHF 200 verrechnet. Ein qualitativ hochwertiger Scan kostete schnell zwischen CHF 150–250 pro Bild. Möchte ein Grafiker also dem Kunden ein fertiges Layout mit echten Bildern präsentieren, lagen die Kosten pro Bild bereits bei mindestens CHF 350. Dies war noch keine Lizenz. Der Fotograf war beispielsweise noch nicht berücksichtigt. Dies waren nur die Kosten für die Aufwände der Bildagentur und für die Digitalisierung. Kam es zum Druck, wurden die tatsächlichen Lizenzkosten hinzugerechnet, in Abhängigkeit der Auflage, das Medium, die Sprachen, die Dauer der Verwendung und weitere Kriterien. Bilder wurden grundsätzlich projektgebunden lizenziert.

Die Bildbeschaffung war ganz anders als heute. Es gab kein Highspeed Internet. Bildagenturen hatten den Vorteil, dass man auch zu ungewöhnlichen Themen oder aus anderen Ländern rasch und unkompliziert Fotos bestellen konnte. Die Bildagentur ist die lokale Repräsentation eines Fotografen-Netzwerkes. Das war auf jeden Fall günstiger und einfacher als einen Fotografen per Flugzeug auf die Reise zu schicken, mit dem Auftrag bestimmte Bilder zu fotografieren. Ausserdem konnten Bildagenturen zuverlässig über vorhandene Benutzungsrechte informieren und allenfalls bei der Beschaffung bestimmter Freigaben behilflich sein.

Wer Bilder selbst produziert, beispielsweise mit einem Fotografen, der benötigt nicht nur den Fotografen, sondern oft auch die Visagistin, die Kosten für den Ort (Location), die Anreise, Bildbearbeitung und vieles mehr. Werden zusätzlich professionelle Models benötigt, steigen die Kosten für einen Tag schnell in den vierstelligen Bereich. Das ist auch heute noch so.

Digitalisierung und neue Lizenzen

Bis etwa 2006 hatten wir als Bildagentur über 100 gedruckte Bildkataloge in die Schweiz verschickt. Dann aber machte das aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und einem immer schnelleren Internet keinen Sinn mehr. Sogar die Bildlieferung auf CD und DVD war ein Auslaufmodell. 2006 haben wir alle Lagerbestände in Absprache mit den Lieferanten entweder entsorgt oder zurückgeschickt. Ab diesem Jahr wurden nur noch digitale Bilder über das Internet vertrieben.

Das sogenannte «lizenzfreie» Lizenzierungsmodell hat breite Akzeptanz gefunden. Bilder wurden nicht mehr projektgebunden, sondern Benutzer-gebunden lizenziert. Das funktioniert bis heute noch so. Es ist vergleichbar mit einer Softwarelizenz. «Lizenzfrei» war die unglückliche Bezeichnung für eine Lizenz mit einfachen umfassenden Rechten. Hier nun wurden die Bilder einmal gekauft, und durften dann unbegrenzt vom Käufer verwendet werden. Heute ist das für viele Bereiche mittlerweile Standard.

Immer einfacher wurde der Vertrieb. Die Bildlieferanten haben versucht so viele Absatzkanäle zu finden wie nur irgendwie möglich. Damit hat man nicht nur den Markt mit Distributionskanälen gesättigt, sondern auch die Differenzierung durch eigene Bildwelten fast unmöglich gemacht.

Der nächste Schritt war die Einführung des Microstock-Angebots. Bilder wurden (und sind) extrem günstig. Der Aufwand zur Bilderstellung wurde nicht durch wenige Lizenzen, sondern durch eine breite Masse abgedeckt. Einzelne Bilder wurden viele Zehntausende Male verkauft. Billigbilder wurden dadurch Massenware. Heute kennt kaum jemand mehr den Preis eines Bildes, weil Bilder nichts mehr kosten dürfen. Natürlich hat das mit dem realen Aufwand nichts mehr zu tun, sondern es ist die Folge einer Marktentwicklung.

Preis ist kein Kriterium mehr

Kaum jemand kennt noch den Wert eines guten Bildes. Weil Gratisbilder weit verbreitet sind, jeder mit dem Smartphone Schnappschüsse erstellen kann, folgern – vor allem unkundige Menschen – dass Bilder gratis sein sollten. Nicht wenige Grafiker sind gleicher Meinung. Man vergisst: «There is no such a thing as a free lunch.» (Es gibt nicht so etwas wie ein kostenloses Mittagessen – es gibt immer jemand, der dafür bezahlt.) Selbstverständlich ist das ein riesiges Problem für ganze Berufssparten. Es ist auch eines der Gründe, dass es die Bildagentur Kursiv nicht mehr gibt, wie auch viele weitere Agenturen nicht mehr.

Wenn der Preis gegen null sinkt, ist der Preis kein Thema mehr. Es lässt sich zwar noch um Marktvorherrschaft kämpfen. Grosse Bildagenturen wie Getty Images haben mit Fremdkapital lange Preise nach unten gedrückt. Man hat an den Partnern vorbei dieselben Rabatte auch an grösseren Kunden gegeben. Es wurde mit harten Bandagen gekämpft. Fotos waren keinen Wert mehr an sich, sondern wurden «Assets», die Werte für «Shareholders» generierten. Die Massen haben dabei brav eingekauft und das Spiel mitgespielt.

Nun gibt es einen immer kleiner werdende Differenz zwischen gute und entsprechend teure Bilder einerseits und gute und gratis Bilder andererseits. Unsplash und viele Stockagenturen machen vor, wie man die Fotografen kostenlos arbeiten lässt, um Bilder zu verschenken, womit man dann selbst Geld verdient.

Welche Bilder soll ich für meine Firma oder mein Projekt wählen?

Heute braucht es Mündigkeit in Sachen Bildbeschaffung. Gratis ist zwar für viele Anwendungen noch ein Zauberwort, aber das kann teuer werden. Auf welche Art?

  • Bei Websites wie Unsplash oder Pexels sind die Nutzungsrechte oft nicht geklärt. Es wird auf diesen Websites ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man nur distribuiert, nicht jedoch die einwandfreie rechtliche Verwendung garantiert. Gratis zur Verfügung gestellt heisst eben nicht, dass beispielsweise die Personenrechte geklärt sind (dass Modellreleases vorhanden sind). Das kann teuer werden, wenn plötzlich Rechte geltend gemacht werden.
  • Gratisbilder und solche von Microstock-Agenturen werden so häufig genutzt, dass der Bildwert inflationär herabgesetzt wird. Solche Bilder können nicht mehr dazu genutzt werden, ein eigenständiges Firmenprofil oder eine unverwechselbare visuelle Identität zu kreieren. Auch dies ist teuer, nämlich durch Verlust von Identität.

Hier nun liegt die Herausforderung: Immer mehr müssen Firmen und Grafiker abwägen, ob ein Projekt durch Gratisbilder oder Billigfotos gebührend dargestellt wird. Wird das Bild für meine Kanzlei parallel auch noch für eine Viagra-Werbung genutzt? Erscheint dasselbe Gesicht auch auf der Website meiner Konkurrenz? Solche Fragen zeigen auf, dass es nicht nur um den Preis des Bild geht, sondern auch um den Wert, den man haben will.

Problemlos dürfte die Nahaufnahme eines Zwiebels auch mal aus einer Billig-Quelle genommen werden. Ein solches Bild passt vielleicht gerade zum Blog-Beitrag. Anders sieht es jedoch aus, wenn man mit Bildern von Personen eine Emotionalität vermitteln will. Dort ist es nicht egal, welche Bilder man verwendet.

Einkaufen oder eigene Fotos erstellen?

Wird man sich den Wert von guten Fotos bewusst, stellt sich die Frage, wie man diese erhält? Dafür gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten. Man kann bessere unabhängige Bildagenturen wie beispielsweise Westend61, PhotoAlto, Sodapix oder auch Alamy in Betracht ziehen. Lokale Verbände für Stockfotografie, wie beispielsweise die SAB in der Schweiz oder die BVPA in Deutschland können weiterhelfen.

Eine echte Alternative wäre jedoch die Produktion eigener Fotos. Dann hat man gleich mehrere Vorteile auf einen Schlag: Die Bilder sind einmalig und können perfekt das eigene Projekt oder die eigene Firmenkultur abbilden. Zweitens lässt sich die Freigabe für Werbezwecke von vorneherein klären. Dafür kann ein eigener Fotograf eingesetzt werden, der nebenbei auch noch andere Geschäftsabläufe, Räumlichkeiten, Geräte und Werkzeuge, spezielle Situationen und weitere abbilden kann. In dieser Kombination ist der Aufwand finanziell zwar deutlich grösser als beim Bezug von Gratis Bildern, jedoch ist der Wert unvergleichlich und meist deutlich günstiger und nachhaltiger als der Bildbezug via Bildagenturen. Ausserdem lassen sich Bildserien erstellen, die eine konsistente Bildsprache fördern.

Entscheidend für die Art wie man Bilder einkauft ist die Vision, die man hat. Was möchte man erreichen? Möchte man eine eigene Bildsprache pflegen? Will man an den Bildern erkennbar sein? Sollen Kunden sich beispielsweise mit der Darstellung identifizieren können?

Es ist durchaus möglich, dass einige Dinge durch Stockfotos abgedeckt werden können, während andere Themen am besten von einem Fotografen realisiert werden. Eventuell lohnt es sich, einmal verschiedene Vorteile und Nachteile aufzulisten. Ein einziges, nicht-exklusives Bild, kostet in hoher Auflösung bei Getty Images CHF 500. Es gibt herausragende Fotografie, aber heute braucht man viele Bilder. Braucht man 20 Bilder und nächstes Jahr erneut 20 Bilder, lässt sich schnell erahnen, dass hier Tausende Franken aufgewendet werden müssen. Das ist für viele KMU nicht möglich. Ein eigenes Fotoshoot jedoch ist dann viel günstiger und nachhaltiger und ausserdem unverwechselbar.

Jetzt kann man die anfängliche Frage noch einmal stellen: Wie teuer sind Fotos zum Einkaufen und was rechtfertigt einen Preis?

Bildnachweis: Amber Engle auf Unsplash.


Sind Bilder von Instagram vogelfrei?

Sind Bilder von Instagram vogelfrei?

Gibt man sämtliche Bildrechte ab, wenn man Bilder auf Social Media publiziert?


27/08/2020In RechtlichesBy Karsten Risseeuw1 Minutes

Auf der Website «The Fashion Law» erschien ein interessanter Beitrag zu Bildrechten. Es geht um eine Anklage, die gegen die Firma Volvo erhoben wurde. Volvo hat Bilder genutzt, die auf einem Instagram Konto gepostet waren, ohne dafür die Rechte einzuholen. Volvo geht davon aus, dass beim Posten von Bildern auf Instagram, der Benutzer sämtliche Verwertungsrechte an Instagram überträgt, der diese Rechte dann weiter verwerten darf. So können beispielsweise Bilder auf Instagram innerhalb des Netzwerkes geteilt werden.

Volvo jedoch hatte die Bilder für kommerzielle Werbekampagnen benutzt und dafür weder den Fotografen noch Instagram gefragt. Ausserdem wurden noch zwei Bilder direkt vom Website des Fotografen geklaut und ebenfalls verwendet. Man würde meinen, dass dies nicht nur unanständig ist, sondern auch gesetzeswidrig. Aber ist es das? Das soll nun beurteilt werden. Ein Gericht wird im September 2020 darüber urteilen.

Social Media Giganten nutzen schamlos die Daten der Benutzer aus. Das betrifft die Informationen, die Menschen posten, wozu auch Bilder gehören. Zwar wird immer wieder angegeben, dass die Rechten des Fotografen selbstverständlich beim Fotografen verbleiben, aber die Verwertungsrechte abgetreten werden. Nicht aber geschieht dies im Sinne einer Verwertungsgesellschaft, die Verwendungen in Rechnung stellt und dann dem Urheber auch einen Anteil daran gibt. Sind Fotos, die man auf Instagram & Co postet, dadurch völlig vogelfrei?

Man darf auf das Resultat dieses Gerichtsfalls gespannt sein.

Original Artikel: Volvo Argues That Its Use of Publicly-Shared Instagram Photos is Not Infringement


CLink ist ein neues WordPress Plug-in für die Lizenzierung von Inhalten

CLink ist ein neues WordPress Plug-in für die Lizenzierung von Inhalten

WordPress Plug-in für die Freigabe und Verwaltung von Lizenzen


16/07/2020In Rechtliches, SoftwareBy Karsten Risseeuw2 Minutes

CLink ist ein webbasiertes System, das unter WordPress läuft und das eine Lizenzierung von Inhalten erlaubt. Dabei kann es sich beispielsweise um Texte handeln (Blog-Posts) oder auch um Bilder. Weshalb ist das System erwähnenswert?

Es gab bislang kein einfaches System

Ein Problem mit Standards ist, dass sie auch genutzt werden müssen. Setzen sich Gremien zusammen und definieren dann einen neuen Standard, so ist das noch lange keine Erfolgsformel. Erst wenn Menschen das System nutzen, kann ein Standard sich durchsetzen. CLink will bekannte Standards zum realen Standard verhelfen, mit einem einfachen System, das von möglichst vielen Leuten genutzt werden kann. Ein solches System muss einfach bedienbar und leicht verständlich sein. Es sollte auf allgemein verfügbare Plattformen laufen und deshalb rasch Verbreitung finden können.

Ein weiteres Problem ist, dass das Internet für viele als «Fundgrube» für Bilder und Texte gilt, wo man sich einfach bedienen kann. CLink kommuniziert jedoch bei jedem Bild oder Beitrag, dass es sich um ein geschütztes Werk handelt und man dieses Werk «lizenzieren» kann. Alles, was es dazu benötigt, ist für den Benutzer leicht aufzufinden. Dazu gibt es eine Unterstützung von Standards wie IPTC, USEPLUS und dergleichen mehr.

WordPress als Basis

CLink ist ein Plug-In für WordPress, das die meistverwendete Plattform für Websites weltweit ist. Es bietet sich an, gerade für diese Plattform zu entwickeln. Das ist insbesondere wichtig, weil eine hohe Verbreitung erst zum Erfolg führen kann. Ein solches System muss nicht nur für Anbieter, sondern auch für Anwender attraktiv, sicher und informativ sein.

Mehr Information

Das CLink plug-in für WordPress kann einfach über das WordPress Repository direkt in jeder Website heruntergeladen werden. Weitere Informationen befinden sich auf verschiedene Websites:

Einerseits soll das Plug-In Vertrieb und Distribution, sowie Lizenzvergabe unterstützen, andererseits aber auch die Lizenzierung für den Endbenutzer vereinfachen. Für alle Beteiligten soll es Transparenz und eine einfache Handhabung ermöglichen.

Man darf gespannt sein, was hier entsteht.


Corona, die Krone

Corona, die Krone

Wortherkunft


17/03/2020By Karsten Risseeuw2 Minutes

Die Suche nach geeigneten Bildern zum Coronavirus

Sucht man nach Bildideen kann es hilfreich sein sich von der Etymologie eines Begriffes inspirieren zu lassen. Nach der Website Etymonline.com wird «corona» abgeleitet vom lateinischen Wort für Krone. Die ursprüngliche Bedeutung wird so verstanden:

1650er Jahre, “eine Krone”, von lateinisch corona “eine Krone, eine Girlande”, im alten Rom besonders “eine Krone oder Girlande, die für den hervorragenden Militärdienst verliehen wird”, von der angehängten Form der PIE-Wurzel *sker- (2) “zu drehen, zu biegen”.

Nach dieser Idee ist die Krone das, was um den Kopf herum gebogen wird, was insbesondere für einen Siegeskranz oder Kranz der Fall war. Diese wurde aus Pflanzen hergestellt.

Die ursprüngliche Bedeutung wird dann aber mit der Zeit erweitert. Corona ist auch Strahlenkranz und verweist auf die Strahlen oder Stacheln, die von einer Krone nach aussen herausragen.

Mit vielen erweiterten Begriffen der Botanik, Anatomie usw. Ein Coronavirus (bis 1969) wird so genannt wegen der Stacheln, die aus seinen Membranen herausragen und den Zacken einer Krone oder der Korona der Sonne ähneln. Die beiden “Kronen”-Konstellationen, Corona Borealis (laut Fabel die Krone der Ariadne) und Corona Australis, sind beide ptolemäisch. Der astronomische Sinn des “leuchtenden Kreises, der während totaler Finsternisse um die Sonne beobachtet wird”, stammt aus dem Jahr 1809. Als Marke einer kubanischen Zigarre, 1876. Die Marke des mexikanischen hellen Lagerbiers stammt aus dem Jahr 1925.

Die etymologische Bedeutung des Wortes Corona lässt vielseitige Anwendungen erkennen. Damit ist zwar das Virus nicht besiegt, aber die Kommunikation und Bebilderung des Themas lässt sich vielleicht etwas vielseitiger gestalten.


Kostenlose Bilder auf dem Vormarsch

Bild: © Karsten Risseeuw

Kostenlose Bilder auf dem Vormarsch

Wohin entwickelt sich der Bildmarkt?


Wie gut laufen eigentlich die Websites mit kostenlosen Bildern? Da gibt es beispielsweise unsplash.com, pexels.com und weitere. Dazu hat Jim Pickerell auf seiner Website selling-stock.com einen Beitrag verfasst. Die Zahlen, obwohl öffentlich zugänglich, lassen aufhorchen. Den Beitrag liest man hier.

Unsplash verzeichnet monatlich über 70 Millionen Downloads. Das ist eine unglaubliche Anzahl und ein Vielfaches von dem, was die führenden kommerziellen Bildagenturen wie Getty, Adobe Stock und andere zusammen (!) an Downloads verzeichnen. Natürlich verwundert es nicht, das «gratis» eine grosse Anziehungskraft hat. In fast jeder Tageszeitung gibt es heute Bilder dieser kostenlosen Websites. Man benutzt die Arbeit von Fotografen, die damit einverstanden sind, dass ihre Arbeit kostenlos verwendet wird.

Was wir hier sehen ist eine Umwälzung des Bildmarktes von enormem Ausmass. Es wird immer schwieriger mit Stockfotos oder gar mit Fotografie Geld zu verdienen. Während die Anzahl verfügbaren Bilder in schwindelerregende Höhe steigt, ist der Verdienst pro Bild immer geringer. Shutterstock hat per Ende 2019 etwa 314 Millionen Bilder online. Das erscheint eine grosse Anzahl zu sein, aber bereits in 2013 verzeichnete Facebook einen täglichen Upload von 350 Millionen Fotos. Wir leben in einer Welt in der Milliarden Bilder täglich hochgeladen werden. Die Differenzierung ist schwierig, davon zu leben noch viel schwieriger.

Websites wie Unsplash.com oder Pexels.com bieten zwar kostenlose Downloads an, aber damit ist die Verwendung noch nicht rechtlich einwandfrei. Die Modellfreigaben sind häufig nicht geregelt und auch rechte Dritter, etwa für Aufnahmen auf privatem Grund, von Marken und dergleichen mehr, sind selten geklärt. Im Kleingedruckten steht dann erwähnt, dass man sich selbst um diese Freigaben kümmern muss. Das wiederum gestaltet sich häufig schwierig. Für eine professionelle Bildverwendung lässt sich deshalb nicht einwandfrei klären, ob ein Foto problemlos genutzt werden kann. Das war jedoch einst die Domäne etablierter Bildagenturen. Das Zauberwort «gratis» ist ein Wunderwort, womit sich Hirn verschwinden lässt.

Wohin der Weg führt

Niemand kann mit Sicherheit sagen, wohin der Weg führt. Ein solcher Umbruch ist aber nicht neu. Ende der Neunziger Jahren kamen die ersten Bildkollektionen mit Pauschallizenz, die sogenannten «lizenzfreien» Bildern. Sie waren deutlich günstiger als alle andere Bilder, die es bis dahin gab. Ein weiterer Vorteil war, dass die Lizenz ähnlich wie eine Softwarelizenz funktionierte: Man durfte das Bild beliebig lange für beliebig viele Projekte verwenden.

Als lizenzfreie Bilder neu auf den Markt kamen, waren das häufig Ausschuss-Bilder. Die besten Bilder landeten direkt beim Kunde oder in lizenzpflichtigen Bildkollektionen. Logischerweise gab es Kritik der Bildagenturen auf die mangelnde Qualität, aber Preis und Bequemlichkeit sind auch Werte. Der Erfolg von lizenzfreien Bildern entstand durch den günstigen Preis und die einfache Verwendung. Das ist im heutigen Umbruch nicht anders. Der Preis ist nun «kostenlos», aber das Prinzip ist dasselbe. Hat das Modell Erfolg, setzt die Professionalisierung nach einigen Jahren durch.

Unterschiede gibt es auch. Während lizenzfreie Bilder oft mit Bildern geringerer Qualität starteten, hat Unsplash konsequent auf ein Editieren der Bilder gesetzt. Deshalb bietet die Unsplash Kollektion tatsächlich herausragende Fotos. Der Start von «kostenlos» ist deutlich besser als von «lizenzfrei». Immer mehr jedoch wird Fotografie ohne direkten Broterwerb gemacht werden. Das ist die Realität, die sich vor unseren Augen etabliert.

Kein Weg zurück

Es wird keinen Weg zurück geben. Mit Stockfotografie lässt sich nur selten noch Geld verdienen. Wer mit Fotografie verdienen will, darf Hochzeiten fotografieren oder andere Auftragsfotografie anstreben. Bei redaktionellen Bildern wird es auch noch hier und da einen Verdienst geben. Auch Kunstfotografie ist für die meisten keine Einnahmequelle.

Obwohl Fotos allgegenwärtig sind, kommen professionelle Fotografen und Arbeitsstrukturen der letzten 20-25 Jahre trotzdem unter Druck. Kostenlos ist auf dem Vormarsch, und mögliche Berufsbilder für Fotografen haben sich dramatisch geändert. Mithilfe künstlicher Intelligenz lassen sich immer mehr Bilder erstellen. Bis in 10 oder 20 Jahren dürften viele Bilder im Computer entstehen.

Wird mit Computer-Bildern das Ende der Möglichkeiten erreicht sein? Wohl kaum! Bilder entstehen letztendlich bei uns im Kopf. Ich vermute, dass man irgendwann Bilder auf andere Art direkt bei uns im Kopf generiert. Kopfkino, sozusagen. Ob das mit Gegenständen (Foto-Ausdrucke oder Publikationen), digitale Bilder (Bildschirme) oder auf andere Art geschieht, ist dann nebensächlich.