Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Künstliche Intelligenz (KI) die Stockfotografie nachhaltig verändern wird. Die Entwicklung von KI-generierten Bildern schreitet rasant voran. Besonders realistische Ergebnisse sind heute möglich. Dadurch muss man nicht mehr alles fotografieren, was an Bildern gewünscht ist. Das spart Kosten für Fotografen, Locations, Modellen und lässt sich jederzeit ausführen, anpassen und optimieren. Ist dies ein Ende oder ein Neubeginn?

Wenn die Bildmenge keine Rolle mehr spielt

Rund 2010 hatte ich eine Bildagentur mit rund 60 Millionen Bildern online. Das war für ein Einmannbetrieb sehr viel. Einmal waren digitale Bilder eine Garantie für den Verkauf. Als ich 60 Millionen Bildern in meiner Agentur zur Verfügung hatte, und täglich zwischen 30’000 und 80’000 neue Bilder hinzukamen, entsprach der Verkauf jedoch nicht der verfügbaren Bildmenge.

Es wurde immer anspruchsvoller, die richtigen Fotos zu finden und gute Fotos liessen sich kaum noch verkaufen, weil viele Kunden von Microstock-Preise geprägt waren und keine Erfahrung mit Kosten von Fotografen hatten. Die Umwälzungen waren riesig und 2018 habe ich meine Bildagentur stillgelegt, weil Aufwand und Ertrag trotz vielen Anpassungen im Vertrieb nicht mehr im Einklang waren.

Wie viele Bilder sollte eine Bildagentur haben?

Die optimale Bildmenge für eine Vertriebsagentur sah ich immer als 1 Bild, das sich besonders häufig zu guten Preisen verkaufen liesse. Das wäre das zwar keine realistische, aber theoretisch trotzdem eine optimale Situation. Die Bildmenge bei den Agenturen stieg, weil immer neue Themen, immer neue Bildstile gesucht wurden, mal mit jungen Kindern, mal mit arbeitenden Erwachsenen, mal mit Senioren im Pensionsalter. Endlos viele Themen wurden fotografiert und die Bildmenge wuchs unaufhaltsam.

Die ideale Bildmenge für eine Agentur kam immer mehr abhanden. Klotzen statt kleckern war die Devise. Klotzen mit Bildmengen, mit Bildstilen, mit Verkaufspersonal, mit Dumpingpreisen, mit unethischem Verhalten unter Bildzulieferer und Bilddistributoren. Der Pioniergeist, der um die Jahrtausendwende noch vorherrschte, war verflogen und es wurde mit harten Bandagen in einer immer unübersichtlichen Situation gekämpft.

Kann Künstliche Intelligenz eine neue Ära für Bildverkäufer und Bildeinkäufer einläuten?

Bilder generiert via flux1.ai/flux-realism

Bildagenturen im Umbruch

Wie kann man sich eine neue Art von Vertriebsagentur vorstellen? Die optimale Bildmenge hatte ich vorhin als «1 Bild» definiert. Was jedoch, wenn die optimale Bildmenge für eine Bildagentur «kein Bild» beträgt? Das könnte durch Künstliche Intelligenz schneller Realität werden, als so mancher glaubt.

Hier ist der Umbruch: Bildagenturen benötigen keine Archive mehr, wenn sie gute Bilder sozusagen auf Knopfdruck generieren können. Heute denke ich, dass die optimale Bildmenge keine Frage mehr ist. Keine Bilder sind viel effizienter als viele Bilder, weil mithilfe von künstlicher Intelligenz jetzt beliebige Bilder generiert werden können. Was gibt es dabei zu beachten?

Selbstredend gibt es mehrere Hürden:

  • Die Bildqualität muss immer hoch sein
  • Es muss einfacher werden, gute Prompts für die Bildgenerierung zu erzeugen
  • Für einen guten Service benötigt es Optionen, um Bildserien zu erzeugen
  • Kunden müssen mit einem neuen Angebot vertraut gemacht werden
  • Kunden müssen gute Resultate erzielen
  • Kunden müssen vielleicht eigene Modelle anlegen oder als Fotoreferenz hochladen können
  • Bildagenturbetreiber müssen professionelle Resultate als Dienstleistung anbieten können
  • Bildagenturbetreiber stellen sich von Bildarchiven auf Bilderzeugung um
  • Ethische Fragen müssen geklärt sein (unter anderem, mit welchem Material die KI trainiert wurde).

Vieles wird jedoch auch einfacher:

  • Die Bildmenge ist kein Thema mehr
  • Bildlizenzen können standardisiert werden
  • Modell-Freigaben spielen keine Rolle mehr.
  • Bildvariationen lassen sich nachträglich, sogar in letzter Minute erstellen.

Die neue Bildagentur ist keine mehr, sondern bietet vielleicht nur noch einen Bilderzeugungsdienst an. Grössere Agenturen haben dazu bereits entsprechende Module in ihren Websites eingebaut. Das ist aber erst der Anfang. Was heute noch belächelt wird, kann morgen der Standard sein.

Die neue Bildagentur generiert Bilder auf Knopfdruck

Statt einer Suchmaschine auf der Agenturseite, oder ein Team mit professionellen Bildsuchern im Hintergrund, gibt es nur noch die Möglichkeit Bilder zu generieren (etwa mithilfe von Replicate oder anderen Anbietern, die eine API-Schnittstelle anbieten, worüber man die eigene Website anschliessen kann). Eine innovative Bildagentur will diese Möglichkeit optimieren, etwa mit einfacher Promptgenerierung, Beispiel-Prompts, eine Hilfe zur Bildgenerierung vom Team, eine Möglichkeit, Bilder für Projekte generieren zu lassen und viele dieser Dinge mehr.

Die neue Bildagentur hat keine Bilder mehr, sondern generiert genau die Bilder, welche der Kunde will. Ist dies eine «schöne neue Welt»?

Neue Beiträge automatisch erhalten

Am 1. Dienstag im Monat werden, wenn vorhanden, Beiträge vom letzten Monat als Übersicht verschickt. Der Newsletter lässt sich jederzeit über einen Link unter jedem E-Mail abbestellen.

Wir senden keinen Spam. Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

2
0