Auflösung der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Bildagenturen und -Archive
Eine Ära endet
Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Bildagenturen und -Archive (SAB) wurde aufgehoben. Viele Jahre war ich Mitglied bei der SAB und in der Vereinsleitung aktiv, bis ich 2018 meine Bildagentur aufgab. Da war ich bereits knapp zwei Jahrzehnten Mitglied.
Auf der SAB-Website liest sich: «Die Entscheidung zur Auflösung wurde getroffen, weil sich die Situation der Bildagenturen durch die rasante technologische Entwicklung der Bildkommunikation so grundlegend verändert hat, dass die Mitgliederzahl stetig abnahm und deshalb ein Verband im kleinen Schweizer Markt offenbar überflüssig geworden ist.»
Das ist Oktober 2025. Die Bekanntmachung auf der Website erfolgte im Januar 2026.
Persönlicher Rückblick
Als ich der SAB beitrat, war ich die einzige Agentur in der Schweiz mit ausschliesslich digitalen Bildern. Ich wurde dadurch argwöhnisch betrachtet. Der damals neue Begriff «Royalty-free» war fast so etwas wie ein Schimpfwort. Es benötigte eine spezielle Abstimmung dazu, ob eine «Nur-digitale-Agentur» akzeptiert werden könnte. Natürlich ist das längst überwunden. Nach Royalty-Free kam Microstock, es erschienen Bildabonnemente und eine Übersättigung vom Bildmarkt mit Distributoren wurde von vielen Lieferanten aktiv gefördert. Das Umfeld wurde zunehmend problematischer.
Kontakte und Know-how waren für meine Zeit unerlässlich. Die erhielt ich unter anderem durch diese Arbeitsgemeinschaft. Dafür bin ich besonders dankbar. Also habe ich mich pragmatisch eingesetzt. In dieser Zeit habe ich etwa die Website mit Newsletter und Shop, die Überarbeitung der Gestaltungsgrundlagen sowie die Software, mit der die Preisliste erstellt wurde, beigetragen.
Auflösung und Zusammenschluss
Ebenso wie dieser Entschluss der Auflösung das Ende einer Ära darstellt, habe ich gute Dinge gelernt. Die meisten Bildagenturen sind Kleinunternehmen. Alle Kleinunternehmen gewinnen, wenn sie sich gemeinsam organisieren. Ist heute der Bedarf an nationalen Verbänden für eine zunehmend globale und digitale Welt immer weniger bedeutsam, dürfen weitere Länder über Zeit denselben Entschluss zur Auflösung finden. Es entstehen laufend neue Konzepte für neue Aufgaben, die Kleinunternehmer besetzen werden. Sie tun wahrscheinlich gut daran, sich ebenfalls gemeinschaftlich zu organisieren.
Wer etwas grösseres wünscht, kann einmal bei der cepic.org hereinschauen. Sie engagieren sich auf europäischer Ebene und haben eine weltweite Wirkung.
Grosse Bildmengen verwalten
Bei «Bildverarbeitung» denken viele an «Bildoptimierung». Es gibt jedoch eine weitere Ebene, die besonders bei vielen Bildern wichtig wird. Diese Ebene nennt man «Bildverwaltung», nämlich das Ordnen, Finden und Bereitstellen von Bildern. Wer schon einmal mit grösseren Bildarchiven gearbeitet hat, weiss, dass dies anspruchsvoll ist. Gleichzeitig ist die Bildverwaltung Schlüssel für eine effiziente Nutzung der Bildern.
Viele Softwarelösungen haben so etwas wie eine Katalog-Funktion. Softwarebasierte Katalogsysteme für Fotografen bieten oft mehr als Aufbewahrungsmöglichkeiten. Es können leicht Bilder umbenannt werden. Batch-Funktionen erleichtern die Bearbeitung von Metadaten. Diese und weitere Möglichkeiten sind sinnvoll. Man wird jedoch auch an die Software gebunden, was nicht in jedem Fall erwünscht ist.
Man stelle sich vor, dass die Daten in einem geschlossenen System, in einer Datenbank bestimmter Natur, aufbewahrt werden. Dann hat man nur Zugriff auf diese Daten über diese Datenbank. Eine andere Option wäre es, die Originaldaten in einer hierarchischen Struktur auf der Festplatte zu bewahren. Datenbanksysteme können oft auf solche Strukturen verweisen. Man sollte dann aber aufpassen, dass man die Dateipfade setzt und Änderungen an der Struktur nicht automatisch verwaltet werden. Auch sollte man die Software nicht verschieben, weil dann der relative Pfad von der Software zur Datenhierarchie nicht mehr stimmt.
Welche Struktur sieht man jetzt als hilfreich an? Wer schon einmal Bilder über längere Zeiten verwaltet hat, kennt das Problem: Systemupdates können vieles durcheinanderwerfen. Auch grosse Firmen neigen dazu, gelegentlich ihre Systeme zu aktualisieren oder gar auszutauschen. Mit einem neuen System kommen neue Anforderungen. Zwischen altem und neuem System muss man eine Brücke etablieren. Die Migration von einem System zum nächsten ist anspruchsvoll, weil Daten vielleicht neu bearbeitet, Metadaten überarbeitet und Strukturen neu gesetzt werden müssen.
Hilfreich ist es, wenn man immer auf die aktuellen Daten Bezug nehmen kann. Das heisst konkret: direkt mit den Fotobeständen arbeiten, und zwar auf Systemebene. Bildverzeichnisse einlesen, sortieren, umbenennen, sowie Daten filtern, finden und bereitstellen.

Publicspace.net
Frank Reiff von Publicspace.net erstellt Mac-Software, womit sich unter anderem Dateien besser verwalten lassen. Dabei werden keine Kataloge erstellt, sondern Dateien sind und bleiben in der Hierarchie des Betriebssystems. Seine Tools lösen Aufgaben wie: Dateien verschieben, Ordner zusammenführen oder aufteilen, Dateien umbenennen oder Bilder im System einfacher finden.
Insbesondere folgende Produkte verdienen Beachtung:
- Big Mean Folder Machine
- A Better Finder Rename
- A Better Finder Attributes
- Nifty File Lists.
Ich nutze diese Werkzeuge seit vielen Jahren. Sie sind einfach, funktionieren zuverlässig und helfen dabei, grosse Datenmengen zügig zu verarbeiten. Besonders wichtig: Die Tools bleiben getrennt von den Daten. Man wird nicht in einem Katalogsystem eingebunden, sondern kann Daten für Katalogsysteme, Websites oder Archivierung vorbereiten.
Wer auf Mac arbeitet, findet hier aussergewöhnliche Helfer für den Alltag.
Was wählst Du als Bildquelle?
Das Titelbild dieses Beitrags wurde mit KI generiert. Das war deutlich schneller und einfacher, als ein vergleichbares Bild unter Stockfotos zu suchen. Die Überlegung soll zeigen, weshalb Bildeinkäufer künftig KI-generierte-Bilder bevorzugen könnten. Zweifellos gibt es noch mehr Argumente dafür oder dagegen.
Es gibt neue Möglichkeiten durch Künstliche Intelligenz (KI). Die Resultate von KI treffen zuerst nur einen Mittelwert. Sie werden jedoch zunehmend realistischer. Lernt man damit umgehen, sind die Resultate nicht nur realistischer, sondern auch überzeugender. Wer heute vielleicht voller Stolz meint, er erkennt jedes künstlich generierte Foto oder Video, hat vermutlich nur die Hälfte gesehen.
Die Technologie ist mehr als interessant, wozu ich bereits einmal schrieb, dass die ideale Bildagentur nur ein einziges Bild besitzt, das immer wieder verkauft werden kann.
Die Umwälzung der Bildindustrie geht rasend schnell vor sich. Darüber berichtet etwa Richard Foster-Fletcher in einem Artikel im Sommer 2025.
Bildagenturen
Bildagenturen können sich mit vielen Kompetenzen brüsten. Wer sich auskennt, schätzt den Wert professioneller Agenturen. Sie kennen die Hürden, verstehen viel von Lizenzen, Bildstilen und dergleichen mehr. Sie sind Dienstleister im besten Sinne und können dabei helfen, die geeignete Bildsprache in geeigneten Quellen zu finden.
Viele Kunden dagegen sehen nur dies: Preis und Vereinfachung. Ich war erstaunt einmal zu merken, dass viele Bildanwender den Wert von Bildern nicht mehr kennen, mit (damals noch üblichen) Projektlizenzen (rights managed) nicht mehr vertraut waren und einen Preis von 2 Euro für ein Bild als Durchschnitt betrachteten. Binnen wenigen Jahren waren Fotoaufträge bei vielen unbekannt und wurden Qualitätsbilder mit Massenware verglichen. Bildlizenzen und Bildrechte wurden nur noch von wenigen grossen Firmen respektiert.
Es gibt noch eine weitere Stufe dieser Vereinfachung: Der Preis trieb Kunden von Projektlizenzen (RM) zu lizenzfreien Lizenzen (RF)und von dort in die Arme der Abonnemente. Wer jedoch heute Bilder nach Wunsch generieren kann, benötigt keine Abonnemente für die Bildkollektionen mehr, sondern eher solche für KI-Generatoren. Könnte es da vorerst spezialisierte Angebote geben, dürfte das auch wieder im Wandel begriffen sein und zu Modellen mit mehreren Komponenten für viele Anwendungen hinwachsen.
Ähnliches wird vermutlich die Verbreitung von KI-generierten Inhalten vorantreiben. Schnell und billig gewinnt von besser und sicher. Das haben mittlerweile auch die meisten Bildanbieter verstanden und bieten nebst original-fotografierten Stockfotos auch KI-generierte Bilder an. Das ist jedoch eine Wahl.
Alamy etwa versucht es wie folgt: Es werden keine KI-generierten Bilder erlaubt. Auch Ergänzungen mit KI werden missbilligt, es sei denn, es betrifft Filter für Bildretusche. Der Standpunkt ist differenziert und versucht, die neuen Herausforderungen mit Kompetenz zu navigieren. Man könnte heraushören, dass Alamy so viele Fotografen vertritt, dass es kaum Vorteile durch KI-generierte Bilder gibt. Ebenfalls ist es ein Plädoyer für Authentizität.
Authentizität
Kann Authentizität ein Qualitätskriterium der Zukunft sein? Damit wird dann gemeint: Ist die Arbeit eines Fotografen künftig höher einzuschätzen als die Generierung von Durchschnittseindrücken einer KI? Ich kann das nicht abschliessend beantworten aber schätze es so ein, dass die Masse der Bildanwender zu KI wechselt, während qualitätsbewusste Einkäufer auf immer weniger hochwertige Angebote von Bildagenturen ausgerichtet bleiben.
Ob diese Idee für eine Agentur wie Alamy mit deren heutigen Struktur noch möglich ist, kann ich ebenfalls nicht abschliessend einschätzen. Ich vermute jedoch, dass weitere Anpassungen dann nötig werden, etwa die konsequente Ausrichtung auf mehr Qualität und Authentizität. Dabei gilt es zu bedenken, dass Alamy keine eigene Bilder produziert, sondern eine Fotografenagentur ist. Sie vertreten Fotografen. Die Auswahl und Ausrichtung von Alamy und anderen Agenturen dürfte in Richtung von mehr Qualitätsfotografen führen, ähnlich wie es etwa die Agentur WestEnd61 etwa bereits macht.
Im Zuge der Veränderungen werden die austauschbaren Bilder typischer Microstockagenturen zuerst unter Druck geraten. Sie produzieren für die Masse und sind selbst dadurch zu einer austauschbaren Ware geworden. Qualitätsfotografie und Authentizität sind nicht auf Knopfdruck zu erreichen. Zumindest heute nicht. Dort liegt also die Zukunft für menschliche Fotografie.
Robert Doisneau
Robert Doisneau war ein berühmter Strassenfotograf. Er verstarb 1994. Sind seine Bilder jetzt vogelfrei? Das wird dann interessant, wenn man ein Bild generiert mit dem Prompt «Erstelle ein Strassenfoto im Stile von Robert Doisneau». Ist das legal? Darf man das? Dabei gilt es zu bedenken, dass etwa in Deutschland die Werke eines Fotografen erst 70 Jahre nach seinem Ableben freigegeben werden. Das ist jedoch keine international gültige Situation. Wie sollte KI die verschiedenen rechtlichen Grundlagen in jedem Land abbilden? Das sind rechtliche Fragen mit Konsequenzen.
Ich habe mit der Idee «Ein Foto im Stile von Robert Doisneau» getestet und erhielt folgende Resultate. Das erste Bild hat mir zu viele Menschen, das zweite Bild hat ein paar weitere Anweisungen benötigt und war schon viel besser. Allerdings hat das Bild (heute) noch nichts mit Robert Doisneau gemeinsam. Mit etwas Übung kommt man dem vermutlich viel näher. Sollte das von der KI verhindert werden?
Dies ist nur ein Beispiel. Es soll einige Aspekte beleuchten, die von Bedeutung sind. Man stelle sich vor, man ist noch nicht gestorben und KI nutzt deine Arbeit ohne Entschädigung. Deine Umsätze und dein Lebensunterhalt sind direkt tangiert. Wie reagierst du?
Websites für KI-Bilderzeugung
Bekannte Websites für die Erzeugung von KI-Bildern sind Midjourney, Dall-E, und Ableger wie artlist.io oder (die Ironie!) stockimg.ai. Es soll weitere solche Websites geben, die durch geeignete Vorgaben schneller zu brauchbaren Resultaten gelangen. Adobe hat mit dem Produkt Firefly eine Software geschaffen, womit Fotos und Videos erzeugt werden können. Und das soll alles erst der Anfang sein.
Die Frage ist also nicht, ob oder wann das kommt, sondern was man heute, morgen und übermorgen damit machen kann. Wie könnte das deine eigene Arbeit beeinflussen?
Professionalisierung
Die Professionalisierung liegt bestimmt nicht nur im Detailreichtum der generierten Inhalte (obwohl auch da). Es geht ebenfalls um die Klärung rechtlicher und ethischer Aspekte dieser Technologien. Eine Professionalisierung benötigt es im Umgang mit diesen Dingen, ebenso wie einst mit der Ankunft von «Desktop Computern» und «Desktop-Publishing» (DTP) vor knapp 30 Jahren. Die Umwälzungen sind da und werden sich durchsetzen.
Ebenso wie es einst hiess, dass «die Sekretärin jetzt die Druckvorstufe erledigen könnte», wird es hier Fehleinschätzungen geben. Weder unzureichende Qualität noch unzureichende Abklärungen werden die Entwicklung aufhalten. Euphorische Einschätzungen werden jedoch auch enttäuscht. Eine Professionalisierung wird auf allen Ebenen, von der Technologie bis zum Anwender, angestrebt werden müssen.
Soweit es eine Professionalisierung des eigenen Bildangebots eines Fotografen betrifft, geht es um den eigenen Bildstil, den es zu entwickeln gibt. Die KI wird immer bessere Resultate ergeben, durch mehr Detailreichtum und eine grössere Anlehnung an bekannte Namen. Das trifft jedoch für viele herausragende Fotografen nicht zu. Westend61 zeigt, wie eine hohe fotografische Qualität mit konsequenter kuratorischer Auswahl und hohen Einstiegshürden einmalig bleibt. Für Image-Kampagnen und eine unverwechselbare Identität müssen Bildeinkäufer vermehrt und sehr bewusst auf herausragende Fotografie setzen. Es reichen keine KI-generierten Inhalte, um diese Authentizität heute zu erreichen.
Für den Bildeinkäufer besteht die Professionalisierung darin, den Blick für echte Qualität zu schärfen. Bedingt durch den Aufmarsch von KI-gestützte Bildgeneratoren wird der Rahmen für Qualität neu gesteckt werden müssen. Wenn das gelingt, steht man in fünf Jahren an einem besseren Ort, mit mehr Möglichkeiten.
Bilder in Kriegszeiten
Ideologien beherrschen viele Narrative. Das gilt insbesondere für Kriegsgebiete, wo neutraler Journalismus herausgefordert und oft unmöglich ist. Das widerspiegelt sich selbstverständlich auch in den gewählten Bildern.
Das Titelbild, das für diesen Beitrag ausgewählt wurde, bedarf mehr Kontext. Zusammen mit dem Titel «Bilder in Kriegszeiten» wird der Leser dazu verführt, das Bild im Sinne einer Kriegssituation zu interpretieren. Logisch, nicht wahr? Man sieht Soldaten, Explosionen und interpretiert das in diesem Sinne.
Bildnachweis: Envato/Addictive Stock. Original Bildbeschreibung: Ibi, Spain – December, 28 2018: People celebrating victory in flour and eggs battle».
Suggestive Bildwahl
Das Bild entspricht, anders als der Titel suggeriert, keinem aktuellen Kriegsgeschehen. In der spanischen Stadt Ibi wurde am 28. Dezember 2018 ein historischer Sieg nachgespielt und mit Mehl, (faulen) Eiern und viel Feuerwerk in Szene gesetzt. Mit heutigen Konflikten in Syrien, Gaza, Jemen oder Sudan hat das nichts zu tun.
Bildauswahl und Titel können also leicht für Verwirrung sorgen. Das passiert konstant. Geschichten werden erzählt, damit Menschen für eigene Standpunkte oder Ideologien aktiviert werden. Sie dienen der Radikalisierung und Ideologisierung von Massen. Fotos und Bilder helfen dabei. Ein Beispiel: Die «Free Palestine» Bewegung wird von den Narrativen der Terrororganisation Hamas geprägt. Es ist eine ideologische Prägung, die gerade im Westen zu einer massiven Wende in der westlichen politischen Meinung geführt hat.
Als Nebenprodukt wird Geschichte neu geschrieben und Antisemitismus ist wieder salonfähig geworden. Hamas, die Terrororganisation, die ein Genozid an Juden weltweit im eigenen Charta festhält und das am 7. Oktober 2023 unter Beweis stellte, wird heute als der Underdog betrachtet, während Israel, der sich verteidigt, davon bezichtigt wird, an Menschen in Gaza ein Genozid zu verüben. Eine typische Opfer-Täter-Umkehr und stark beunruhigend. Differenzierung und eine echte Auseinandersetzung tun Not. Zur Polarisierung tragen jedoch viele Fotos bei, die zur Manipulation bewusst gewählt werden. Über diesen Zusammenhang geht es hier.
Ähnliches passiert auch mit der Berichterstattung über Russland und die Ukraine. Auch zu diesem Konflikt gibt es bereits Untersuchungen, die die Rolle von Manipulation und falschen Bildern thematisiert (Evaluating the role of generative AI and color patterns in the dissemination of war imagery and disinformation on social media). Wer erinnert sich noch an Cambridge Analytica, die Firma, bekannt durch Manipulation von Social Media, die nach eigenen Aussagen Donald Trump 2016 zur ersten Präsidentschaft verhalf? Und wem fällt auf, dass China seit Jahren sehr aktiv darum bemüht ist, das eigene Bild in westlichen sozialen Medien aufzupolieren? Desinformation aus China bleibt ebenso aktuell. Manipulationsversuche sind allgegenwärtig.
Medienkrieg
Jeder Konflikt weltweit läuft die Gefahr, zu einem Medienspektakel umgewandelt zu werden. Überall, wo es um eine Weltmeinung und Einflussnahme geht, geschieht das. Ernsthafte Konflikte bleiben dabei oft unbeachtet. Besonders auffällig ist die Dämonisierung von Israel. Das basiert in der Regel nicht auf Fakten, sondern auf Emotionen. Diese werden manipuliert, unter anderem mit Bildern, die man für bestimmte Narrative nutzt. Damit wird weltweit in den Medien auf die Tränendrüse gedrückt. Man spricht etwa von «Genozid» und «Hungersnot», wobei beides bereits ausführlich dokumentiert und mittlerweile widerlegt sind.
Es sind jedoch diese Narrative von etwa Genozid oder Hungersnot, die mit einer selektiven Bildwahl auch nach der Widerlegung anhand von Fakten gefördert werden. Sich dessen bewusst zu sein, erlaubt eine bessere Differenzierung bei der Interpretation von etwa Nachrichten, dem Wahrheitsgehalt von Ideologien und dergleichen mehr.
Joey Hoffmann schreibt zu Krieg, Politik und Medien und hat einen interessanten Beitrag unter dem Titel «Ungefilterte Fotos aus Gaza» veröffentlicht. Darin zeigt er eine Vielfalt von Fotos, enthüllt, wie Nachrichtenagenturen Bilder auswählen und vermeidet gekonnt Polarisierungen, die sonst allgegenwärtig sind.
Leseempfehlung:
Was sind Stockfotos?
Wie findet man Fotos oder Illustrationen für das nächste Projekt?
So kommt man zu Bildern
Hier einige bewährte Methoden, zu Bildern für das nächste kreative Projekt zu kommen:
- Selbst fotografieren oder zeichnen (beachte > rechtliche Einschränkungen)
- Einen Fotografen beauftragen
- Ein kostenloses Bild finden (lese auch > diesen Beitrag)
- Auf Stockfotografie zurückgreifen.
Was ist Stockfotografie?
Der Begriff Stockfotografie kommt von «Stock», Englisch für «Lager». Es sind Bilder, die bereits «auf Lager» liegen. Ein Fotograf erstellt vielleicht viele Fotos für einen Kunden. Im Zuge dieses Auftrags hat er vielleicht auch einige andere Fotos erstellen können, die dann in seinem Archiv landen. Dies war wohl die Ausgangslage. Irgendwann kam dann die Frage von anderen Kunden, ob der Fotograf nicht «diese oder jene» Sujets als Foto auf Lager hatte. Es wurde ein Bedarf signalisiert, worauf der Fotograf und später einmal Bildagenturen eingegangen sind.
Archivfotos können bei Bildkollektionen wieder auftauchen. Eine Bildkollektion ist nichts anderes als ein Archiv. Einige Fotografen produzieren Bilder für Kunden und parallel dazu auch für Bildarchive. Stockfotografie ist ein Begriff für Archivfotos. Es sind Fotos, die nicht im Auftrag, sondern auf Vorrat produziert werden. Wenn der Fotograf versteht, was Kunden immer wieder benötigen, kann er gezielt solche Fotos produzieren, die häufiger genutzt werden, und kann diese Bilder dann mehrfach lizenzieren.
Stockfotografie ist praktisch, denn so erhält man Zugriff auf Fotos, die man sonst in Auftrag hätte geben müssen. Ein Sommerbild im Winter zu produzieren, ist jedoch schwer. Könnte es ein Stockfoto vom letzten Sommer auch tun? So entsteht der Bedarf an Stockfotos.
Teuer, billig oder gratis?
Viele Bildanwender heute sind mit dem Wert guter Fotos nicht mehr vertraut. Es gibt herausragende gute Bildkollektionen, die selbstverständlich teurere Preise haben, und auch günstigere Alternativen für eine breitere Masse. Eine Auswahl an Fotos wird auch für kostenlose Downloads bereitgestellt, worauf sich einige Websites spezialisiert haben.
Als Bildanwender soll man sich bewusst sein, dass es grosse Unterschiede in der Qualität gibt. Wer nur auf kostenlose Bilder steht, weil sie eben «kostenlos» sind, der liefert dafür eine grössere Exklusivität ein. Wer etwa das visuelle Gesicht einer Firma gestalten will, tut das besser nicht mit kostenlosen Bildern oder aufgrund von Bildangeboten, sondern nutzt die Stärken exklusiver Bilder. Was dann extra kostet, wird sich in der Regel über Zeit als kluge Entscheidung entpuppen. Eine Identität lässt sich kaum mit kostenlosen Bildern oder Billigangeboten prägen.
Bilder für jeden Zweck
Es gibt viele verschiedene Bildarchive. Stockfotografie ist auf eine meist kommerzielle Verwendung der Bilder ausgelegt und bietet häufig allgemeine Themen an. Daneben gibt es spezialisierte Archive für Kunst und Kultur, historische Archive, medizinische Archive, Lokalarchive, botanische Archive und vieles mehr.
Wer an Stockfotografie denkt, also an Bilder für kommerzielle Zwecke, findet ebenso grosse Unterschiede. Es sind Unterschiede in der fotografischen Qualität, aber auch in der visuellen Kultur. Es gibt markante Unterschiede zwischen Bildern amerikanischer, asiatischer oder europäischer Anbieter. Europäische Bilder hoher Qualität findet man etwa bei Produzenten wie PhotoAlto, Westend61, oder anderen Anbietern. Fotografenverbände und Zusammenschlüsse anderer Anbieter sind auch so etwas wie Portale zu neuen Entdeckungen. In Deutschland gibt es etwa die BVPA, in der Schweiz die SAB, und die CEPIC ist ein grösserer Zusammenschluss.
Das beste Bild ist nicht immer nur das billigste Bild. Das beste Bild findet sich vielleicht bei einem spezialisierten Anbieter. Es lohnt sich, Anbieter für die eigenen Themen sorgfältig auszusuchen.
Sind Bilder im Internet vogelfrei?
Fotos sind nie vogelfrei. An jedem Bild, egal, wo man das findet, ob kostenlos oder kostenpflichtig angeboten, sind Rechte verbunden. Dass man ein Bild irgendwo herunterladet, heisst nicht, dass dieses Bild für ein nächstes Projekt verwendet werden kann.
Darf man Bilder, die man im Internet gesucht und gefunden hat, einfach so verwenden? Erstaunlich viele Menschen denken das. Die Realität ist jedoch ganz anders. Jedes Foto, jede Illustration, jede Audio-Datei und alles andere, was erzeugt wird, ist mit Rechten verknüpft. Da gibt es etwa Fotografenrechte, Künstler-Rechte, Vertriebsrechte, Personenrechte und vieles mehr. Details können von Land zu Land unterschiedlich sein. Nicht jedoch kann man davon ausgehen, dass alles «einfach zu haben ist», was man im Internet findet.
Was jeder Kreative benötigt, ist nicht nur ein Foto, sondern ein Foto inklusive geeigneter Nutzungsrechten.
6 Fragen für jede Verwendung
Stelle diese Fragen, bevor Du eine Datei verwendest:
- Urheberrechte: Wer hat die Datei erstellt?
- Personenrechte: Sind Menschen abgebildet, müssen Sie zur Verwendung ebenfalls eine Freigabe erteilen
- Rechte Dritter: Etwa Markennamen, Logos und dergleichen sind oft geschützt. Sie können nicht ohne Freigabe genutzt werden.
- Vertriebsrechte: Wo kann ich das Bild legal erwerben? Fotograf direkt, Vertriebspartner, Distributoren, usw.
- Nutzungsrechte: Diese werden in einer Lizenz zum Bild definiert. Hast Du eine Nutzungsrechte erworben, wird Dir eine Lizenz ausgestellt oder die Website hat online eine verbindliche Lizenz veröffentlicht, die für alle Downloads gilt.
- Stimmt die Lizenz mit meiner anvisierten Nutzung überein?
Die Klärung dieser Fragen soll dabei helfen, eine legale Nutzung zu ermöglichen. Nichts ist ärgerlicher, als ein Bild zu verwenden, und sich selbst oder den Kunden dadurch in rechtliche Probleme zu versetzen. Eine offizielle Lizenz ist für eine legale Nutzung essenziell.
Wie kläre ich das?
Finger weg von Bildern ohne Lizenzen. Hat man jedoch eine Bildquelle gefunden, schaue zuerst danach, ob es eine Lizenz gibt. Lese diese Lizenz sorgfältig durch und prüfe, was über eine private oder kommerzielle Verwendung gesagt wird. Manche Websites bieten kostenlose Downloads an, aber Download ist nicht dasselbe wie eine Lizenz. Werden etwa Menschen abgebildet, aber in der Lizenz darauf verwiesen, dass man die Personenrechte direkt mit dem Fotografen klären sollte, ist das keine zuverlässige Bildquelle.
Was sind zuverlässige Bildquellen? Bildagenturen. Sie haben sich auf den Vertrieb und die Rechteabklärung spezialisiert. Sie vermitteln und klären, damit sie Dir Nutzungsrechte verkaufen können. Ist es nicht genug, dass ein Fotograf mir das OK gibt? Für ein Bild ohne Menschen, ohne Marken und ohne Rechte Dritter mag das zutreffen. Verlange auf jeden Fall eine rechtlich verbindliche Lizenz. Speichere diese Lizenz zusammen mit den Bilddaten für eine spätere Referenz. Möchtest Du bei einem Fotografen Bilder mit Abbildungen von Menschen beziehen, lasse Dir auch unterschriebene «Modellreleases» geben, als Freigaben der abgebildeten Personen, dass man diese Bilder öffentlich, allenfalls auch für Werbezwecke, nutzen darf.
Für redaktionelle Bilder gelten leicht andere Regeln. Redaktionelle Bilder betreffen Fotos von aktuellen Ereignissen und Personen. Sie dürfen in der Regel nie für Werbezwecke genutzt werden, können aber zur Illustration von Presseartikeln eine Funktion erfüllen.
Sind «lizenzfreie Bilder» die Rettung?
Der Begriff «lizenzfrei» ist irreführend. Als der Begriff «lizenzfrei» eingeführt wurde, war dies ein Kontrast zu «lizenzpflichtigen» Bildern. Auf Englisch: «Royalty-Free» oder «Rights Managed», «RF» gegenüber «RM». Der Begriff «lizenzfrei» war eine andere Lizenz, als der Begriff «lizenzpflichtig» umschrieb. Beide waren Lizenzen, jedoch in der Ausprägung war eine «lizenzfreie Lizenz» eine unbegrenzte, persönliche Lizenz, während eine «lizenzpflichtige Lizenz» nur die Nutzungsrechte für ein klar definiertes Projekt erstellte.
Vogelfrei ist also nichts. Jedes Bild soll sorgfältig auf Nutzungsrechte geprüft werden. Der Erwerb von Nutzungsrechte ist ein Service, der Bildersteller und Bildnutzer beide dient und darf etwas kosten.
Wie ist das mit Bildern, die mithilfe von KI generiert werden?
Es gelten grundsätzlich die gleichen Fragen, aber die Antworten sind nicht immer klar. Künstliche Intelligenz (KI) basiert auf trainierten Daten. Dabei werden rechtliche und ethische Fragen oft unbeachtet gelassen. KI hat sich einen schlechten Ruf erarbeitet und erst allmählich werden Stimmen laut, rechtliche Schranken für die Datenkraken einzurichten.
Bis dahin bleibt vieles unklar. Kläre hier jedoch auch zuerst die Nutzungsrechte (ob privat, kommerziell, usw.). Dazu benötigt es ebenfalls eine Lizenz. Fragen, die heute meist ungeklärt sind:
- Wenn die KI das Bild erzeugt, wem gehören die Rechte? Demjenigen, der den Prompt erstellt? Der KI, die das möglich macht, bzw. der Firma, dem die KI gehört?
- Wird das Bild etwa in einem bestimmten Stil eines bekannten Künstlers erstellt, was bedeutet das rechtlich?
- Wenn man etwa KI dazu nutzt, ein bestehendes Bild zu variieren, wird das durch die Bildrechte, Fotografenrechte und Lizenz erlaubt? Das ist nicht überall der Fall.
Gratis ist kein Schutz vor «illegal». Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
WordPress Tools für die eigene Foto-Website
Welche Plattform sollte man nutzen, wenn man professionell mit Bildern arbeitet? Das hängt vielleicht davon ab, welche Ausrichtung man hat (Fotograf, Vertriebsagentur) und welches das Verdienmodell ist. Generell muss man entscheiden zwischen Plattformen und selbst gehosteten Websites. Es gibt keine Lösung für alle Aufgaben.
Vorteil von Plattformen
Wer seine Website auf einer grösseren Plattform erstellt, muss sich um die Technik im Hintergrund nicht gross mehr kümmern. Es gibt Plattformen für verschiedene Anforderungen.
Bildagenturen
Jahrelang hatte ich als Bildagentur meine Website via impactinit.com mit Bildern gefüllt. Das ist schon eine Weile her, aber ich hatte bis zu 60 Millionen Bilder online. Selbst musste ich dafür kaum etwas tun, denn die Plattform bediente viele Bildagenturen. Eine zentrale Datenbank mit den Bildern von vielen Lieferanten machte es möglich, dass Kollektionen, mit denen man einen Vertrag abgeschlossen hat, über Nacht für die eigene Website freigeschaltet werden konnten. Updates zur Kollektion wurden zentral verwaltet und erschienen «automatisch» bei mir auf der Website. Die Funktionalität war perfekt auf Bildagenturen abgestimmt, die ihre Bilder für Bildeinkäufer durchsuchbar und lizenzierbar machen möchten.
Portfolio
Wer bloss ein Portfolio mit einer Bildauswahl zur Verfügung stellen will, findet auf Plattformen eine Reihe mit Möglichkeiten. Es ist einfach, eine eigene Seite einzurichten: Man wählt ein Design, ergänzt Informationen und lädt seine Bilder hoch. Et voilà!
Auftragsfotografie mit einer gewünschten Funktionalität
Wer im Auftrag von Kunden fotografiert und auch Bilder liefern muss, kann auf mehrere Plattformen ausweichen. Sie helfen bei der Gestaltung der eigenen Website. Es lohnt sich, Unterschiede zwischen Plattformen frühzeitig zu klären.
- Einige bieten Möglichkeiten für eine Online-Bestellung von Fotoabzügen. Wenn es sich um eine amerikanische Website handelt, können Fotoabzüge auch in Europa verarbeitet werden? Welche Möglichkeiten gibt es für Foto-Alben?
- Gibt es geschützte Bereiche, wo man Fotos einer einzelnen Hochzeit etwa passwortgeschützt zeigen kann?
- Sollten hochaufgelöste Fotos heruntergeladen werden können? Kostenlos für Auftraggeber?
Wer sich für eine Plattform entscheidet, hat mit der Technik kaum etwas zu tun.
Vorteile von selbst gehosteten Websites
Manche Fotografen und Firmen sind mit Plattformen gut bedient. Andere jedoch haben gute Gründe, das nicht zu tun. Wer selbst hostet, muss sich um viele Fragen kümmern, die sich bei Plattformen nicht stellen. Wer eine private Website selbst hostet, muss dafür viele Dinge selbst wählen: Hosting, Technologie, Gestaltung, Funktionalität, Backups usw. Es ist von Vorteil, wenn man das gerne macht oder alternativ jemand dafür engagieren kann. Man gewinnt dadurch jedoch andere Vorteile:
- Alle Bilddaten auf eigenen Servern gehostet (oder beim Hoster des Vertrauens im eigenen Lande)
- Funktionalität 100 % in eigenen Händen
- Keine Abonnementsgebühren wie bei einer Plattform.
Während eine Plattform immer auch eine Abhängigkeit bedeutet, kann man sich mit selbst gehosteten Websites dafür entscheiden, mehr Unabhängigkeit zu behalten. Das bedeutet keineswegs, dass es teuer sein muss, aber man hat die Parameter besser im Griff.
WordPress-Werkzeuge
Das beliebteste Tool für Websites ist heute WordPress. Es gibt unzählige Erweiterungen und Themes für die Plattform, die aus einem Basis-System eine vollwertige Website bauen. Die Vielseitigkeit von WordPress bedeutet nicht automatisch Leistungsfähigkeit. Das gilt insbesondere für datenintensive Anwendungen wie Foto-Websites. Wer sich für eine grössere Website qua Datenmenge interessiert, soll sich über ein eigenes Hosting (gegenüber Shared Hosting) Gedanken machen.
Heute kann man für viele Bildanbieter Lösungen finden. Ich stelle hier drei solche Lösungen für WordPress vor, die ich selbst ausgiebig getestet habe.
Stockfotografie
Graph Paper Press
Graph Paper Press bietet eine bewährte Auswahl an Themes und Plug-ins für WordPress, womit man die eigene Bildagentur-Website aufbauen kann. Man denke etwa an einem Verkaufssystem, Downloads von Bildern und dergleichen mehr.

Auftragsfotografie
SunShine Photo Cart
SunShine Photo Cart richtet sich primär an Fotografen und hat viele nützliche Funktionen für Auftragsfotografie. Verschiedene Plug-ins gestatten es, die Funktionalität an eigenen Vorstellungen anzupassen.

Portfolio
Uncode
Wer nur ein Portfolio zeigen will, benötigt dafür in der Regel keine komplexen Lösungen. Es gibt jedoch dermassen viele Ansätze zur Erstellung ansprechender Websites, dass man sich leicht in den uferlosen Möglichkeiten verirren kann. Hier geht es um Gestaltungsmöglichkeiten. Einfache WordPress-Themes kann man mit Plug-ins aufpeppen. Für spezielle Effekte gibt es viele Lösungen. Es gibt jedoch auch immer mehr herausragende WordPress-Themes, die sich ohne weitere Plug-ins für die Erstellung von Portfolios eignen.
Eine Quelle solcher Themes ist etwa themeforest.net, worüber exzellente Themes angeboten werden. Eines dieser Themes möchte ich hier empfehlen: Uncode von Undsgn. Es brilliert mit guter Typografie, modernen Funktionen und fast unlimitierten Gestaltungsmöglichkeiten. Prüfe die Demo-Seiten.

Von den ersten Internet-Anfängen bis heute bin ich durch viele Entwicklungsstufen hindurchgegangen. Zuerst kamen die selbst programmierten Websites. Danach entstanden erste Plattformen, mit Websites in einem Miet-Modell. Webtechnologien änderten sich. WordPress kam und wurde besser. Technisch begabte Entwickler und Fotografen begannen damit, Lösungen für WordPress zu entwickeln. Wer nur ein paar Tausend Bilder hat, ist damit vielleicht bestens bedient.
Ein Hindernis für den Einsatz von WordPress sind schlecht optimierte Serverumgebungen. Wenn besonders grosse Bildmengen vorliegen, sind andere Technologien vielleicht die bessere Wahl. Wer jedoch als Kleinstbetrieb die eigene Website hosten will, kann das heute machen, auch für Bildvertrieb und Lizenzierung, für Fotoaufträge und vieles mehr. Ein ansprechendes Portfolio zu erstellen, ist schon gar kein Problem mehr. Es gibt verschiedene Lösungen für verschiedene Anforderungen.
Entwicklung von KI-Software für Bildretusche
In meiner Küche steht ein Kühlschrank, der mit künstlicher Intelligenz ausgerüstet ist. Diese hilft mir, Energie zu sparen. Mehr macht diese KI nicht. Eine einzige Funktionalität, gut implementiert, macht, dass ich mich im Alltag über diesen Kühlschrank gut fühle. Weitere KI-Implementationen erobern jedoch nicht nur den Haushalt, sondern auch Arbeitsprozesse. Reden wir etwas über automatisierte Bildretusche mithilfe von Künstlicher Intelligenz.
Zwischen absoluter Wahrheit und Wahrscheinlichkeit
Dieser Unterschied ist etwas philosophisch. Ich denke, dass das hilfreich ist. Wir stehen am Anfang einer Entwicklung. Aktuelle Systeme für künstliche Intelligenz entwickeln sich rasant. Neuronale Netzwerke sind lernfähig, weshalb sie trainiert werden können. Modelle werden für bestimmte Anwendungen entwickelt. Sie wurden für bestimmte Anwendungen optimiert, so wie die KI in meinem Kühlschrank nur eine einzige Aufgabe hat.
Lernfähig heisst auch, dass die Resultate nicht in Stein gemeisselt sind. Das ist gut so, denn wir haben es hier nicht mit absoluter Wahrheit, sondern eher mit erlernter Wahrscheinlichkeit und Optimierungsprozessen zu tun. Gerade eine Lernfähigkeit besagt, dass sich Dinge ändern können. Weil jedes Bild anders ist und die Interpretation und Bearbeitung sich ändern können. «Besser» bleibt der Feind von «Gut».
Verschiedene Ansätze
Grobweg gibt es von der Benutzerperspektive zwei verschiedene Arten von Software für eine Bildretusche mittels AI:
- Eine Software für alle Aufgaben
- Eine Software für jede einzelne Aufgabe.
Selbstredend scheint es einfacher, wenn es eine einzige Software gibt, welche alle Aufgaben möglichst mit einem Knopfdruck erledigt. «Einfacher ist besser», sagt die Benutzererfahrung. Wenn man mit einem Klick viele Aufgaben auf einmal lösen kann, ist das vermutlich schneller und deshalb besser. Weil man heute nicht weiss, welche Aufgaben man Morgen gegenübersteht, löst man mit einer Alleskönner-Software vielleicht alle heutigen und künftige Probleme auf einmal. In einem Vergleich: Man kauft eine Werkzeugkiste, keine einzelnen Werkzeuge.
Dagegen spricht natürlich, dass jede Aufgabe vielleicht etwas andere Parameter benötigt. Entwickelt man Software für einzelne Aufgaben, dürfte es auch leichter sein, nur einzelne Lösungen zu optimieren. In einem weiteren Vergleich: Man kauft genau die Tools, die man benötigt, und keine weiteren.
Es gibt selbstverständlich noch weitere unterschiedliche Kriterien: Einige arbeiten am liebsten mit allen Daten auf den eigenen Computersystemen. Viele Anbieter jedoch arbeiten mit Cloud-Lösungen. Die letzten sind oft nur im Abonnement oder allenfalls mit kostenpflichtigen Credits zugänglich. Was für solche Lösungen spricht: Online wird man immer die letzten Softwareoptionen haben. Die Softwarepflege ist einfacher. Auch spielt es keine Rolle, ob man einen starken oder schwachen Computer benutzt, denn die Bearbeitung wird sozusagen ausgelagert. Dagegen spricht allerdings, dass Bilder hochgeladen werden müssen. Das ist keine optimale Lösung, wenn man Sicherheit und Datenschutz eine hohe Priorität einräumt.
Sucht man heute also eine Softwarelösung, welche eine Bildretusche mittels künstlicher Intelligenz optimiert, hat man verschiedene Ansätze, zwischen denen man wählen muss.
- Cloudbasierte Lösungen
Etwa: evoto.ai. - Softwarebasierte Lösungen
Etwa: Photoshop. - Plug-in-basierte Lösungen
Etwa: Retouch4me.
Retouch4me
Bildretusche als Plug-in, cloudbasiert oder als eigenständige Lösung
Die Verarbeitung von Bildern mit künstlicher Intelligenz kann viele Aufgaben umfassen. Die Plug-ins von Retouch4me richten sich auf die Bildretusche, wie sie typischerweise bei Portraits, Beauty- und Fashion-Aufnahmen benötigt wird. Das ist ein hoch spezialisiertes Anwendungsgebiet. Innerhalb dieses Anwendungsgebiets gibt es viele Teilaufgaben. Für jede dieser Teilaufgaben gibt es eigene Plug-ins mit eigens trainierten AI-Modellen.
Retouch4me bietet für viele Aufgaben exzellente Resultate. Im Gegensatz zu so manchen Mitbewerbern ist die Retusche stets sehr dezent. Professionelle Resultate sind hier nicht nur prompt, sondern erscheinen stets natürlich.
Einige Beispiele:
Begonnen hat Retouch4me mit einzelnen Plug-ins. Der Grund dafür ist, dass spezialisierte Plug-ins nicht nur einfacher zu entwickeln sind, sondern auch besser an die Anforderungen angepasst werden können. Die Plug-ins funktionieren ganz ohne Internetverbindung direkt auf dem Rechner des Benutzers.
Mittlerweile gibt es jedoch zwei Lösungen, welche alle Plug-ins zusammenbringen: Es gibt ein Photoshop-Panel, worin die Plug-ins einzeln oder gemeinsam auf Bilder angewandt werden können. Die Bilder können direkt auf dem Rechner oder allenfalls auch in der Cloud verarbeitet werden. Ebenfalls gibt es Arams, eine Software, welche wahlweise mit erworbenen Plug-ins oder mit der eigenen Cloudlösung zusammenarbeitet. Arams lässt sich nicht nur dafür nutzen, mehrere Plug-ins auf ein Bild anzuwenden, sondern auch eine Batchverarbeitung über viele Bilder laufen zu lassen. Das ist ideal für Produktionsumgebungen wie Studios.
Natürliche Ergebnisse
An diesen Beispielen erkennt man leicht, dass nicht alle Probleme schlicht eliminiert werden. Vielmehr werden Ergebnisse verbessert, während einige Eigenschaften erhalten bleiben. Dadurch sind die Resultate nicht so extrem, wie sie manchmal von AI-Systemen überkorrigiert werden. Gerade deswegen sind nach meinem Verständnis die Resultate überzeugend.
Auch für Bildeinkäufer
Da ich diese Beispiele mit Stockfotos erstellt habe, soll auch ersichtlich werden, dass nicht nur Fotografen, sondern auch Bildeinkäufer, Agenturen und andere Bildverarbeiter von diesen Lösungen profitieren können.
Alle diese Beispiele wurden ohne weitere Anpassungen mit nur einem Klick via Arams / Cloud bearbeitet. Stellenweise liess sich das Resultat noch verbessern. Bewusst habe ich darauf verzichtet. Bearbeitet man die Bilder in Photoshop, werden für jeden Bearbeitungsschritt Ebenen angelegt. Diese lassen sich einzeln nachbearbeiten. Wird bei einer Verarbeitung via Arams das Endformat TIFF gewählt, werden die Resultate ebenfalls in Ebenen gespeichert.
Wie könnte die Zukunft bei der Softwareentwicklung aussehen?
Bei Retouch4me sieht man deutlich, dass man einerseits an den einzelnen Plug-ins festhält, diese jedoch auch durch eine gute Integration gesamthaft anwenden kann.
Die aussergewöhnliche Qualität wird andere Softwarelösungen dazu anhalten, mehr Aufmerksamkeit auf einzelne Bereiche zu legen. Die verschiedenen Ansätze (Einzelaufgaben lösen oder eine Alleskönner-Software) werden vermutlich zusammenwachsen.
Als Idealvorstellung treffen sich in der Zukunft die hervorragende Qualität separater Lösungen mit der einfachen Bedienbarkeit einer einzigen Software.
Face Make
Die Anpassung von Gesichtsform und Make-up
Neulich hat Retouch4me ein weiteres Plug-in lanciert, welches für die Gesichtskonturen und Make-up diverse dezente Korrekturen bietet. Die natürliche Ausstrahlung wird beibehalten, wie aus der nachfolgenden GIF-Animation ersichtlich ist:

Face Make korrigiert Dinge wie:
- Lippen, Nase und Augen anpassen
- Gesichtskonturen und Symmetrie
- Weibliche oder Männliche Gesichtsmerkmale hervorheben
- Make-up anwenden
Ich bin jedes Mal von Neuem begeistert darüber, wie einfach exzellente und natürliche Resultate in nur wenigen Sekunden zu erreichen sind. Das trifft insbesondere für mich selbst zu, der nicht täglich Bilder bearbeitet, aber mein Leben lang mit Fotos zu tun hatte.
Face Make ist jetzt eines der Plug-ins von Retouch4Me. Es reiht sich nahtlos in die anderen bestehenden Plug-ins ein und lässt sich zusammen mit den übrigen Teillösungen gemeinsam auf Bilder anwenden.
Keywording Strategien planen
Fotos und Illustrationen, die man nicht mehr finden kann, haben keinen Wert. Die Zuordnung von Suchbegriffen (Keywords) zu Bildern, sowie die Pflege der Metadaten, helfen dabei diese Werte zu erhalten und zu nutzen. Das ist jedoch einfacher gesagt als getan. Wie kann man die eigene Strategie für den Umgang mit Bildinformationen planen?
Begriffserklärungen
Metadaten sind Informationen über etwas anderes. Es sind Beschreibungen über Dinge, über Dateien, über Bilder. Verfügt man etwa über eine Bildkollektion, dann geht es um Informationen über die einzelnen Fotos und Illustrationen. Man kann dabei an den Namen des Fotografen oder den Tag der Aufnahme denken, jedoch ebenso an eine Beschreibung von dem, was auf dem Bild ersichtlich ist.
Metadaten werden oft in den Dateien selbst gespeichert, sofern das im Dateiformat vorgesehen ist. Das ist nicht immer der Fall und damit soll man umgehen können. Eine JPG-Datei kann ausführliche Informationen speichern, eine PNG-Datei dagegen nicht. Selbstverständlich kann man PNG-Dateien trotzdem beschreiben, aber die Information muss extern gespeichert werden, etwa in einer Datenbank, mit einer Referenz auf die Datei.
IPTC ist ein Standard in der Definition von Metadaten-Einheiten. Es sind so etwas wie Felder, worin man Informationen ablegen kann. Der Vorteil des IPTC-Standards ist auch, dass der Inhalt definiert ist. Es ist beschrieben, was in welchem Feld gehört. Damit ist der IPTC-Standard einmalig. (iptc.org)
EXIF ist ein Standard in der Definition von Metadaten-Einheiten, der von Kameraherstellern genutzt wird. Es werden vorwiegend technische Daten aufbewahrt. EXIF steht für «Exchangeable Image File Format» und ist ein Standard, der in der zweiten Hälfte der 1990-er Jahre populär wurde und sowohl für JPG als auch für TIFF-Dateien galt.
XML («Exchangeable Image File Format») ist ein strukturiertes Datenformat, in welchem Informationen abgelegt werden können. Dabei können Felder und deren Inhalt beliebig zugeordnet werden. XML ist flexibel und wird in vielen Varianten für Informationen genutzt. Es gibt jedoch einen wichtigen Unterschied zu einem Datenstandard wie IPTC: XML definiert keine Felder. Jeder kann also eigene Felder erzeugen und eigene Definitionen festlegen. Solange diese Informationen innerhalb derselben Firma genutzt werden, stellt das kein Problem dar. Für den Datenaustausch zwischen verschiedenen Plattformen ist das jedoch wenig optimal. IPTC-Felder sind standardisiert. XML-Felder können überall unterschiedlich genutzt werden.
XMP («Extensible Metadata Platform») ist ein Datenformat, das von Adobe entwickelt und genutzt wird. XMP ist eine Anwendung von XML und wird von Adobe als Standard vorgestellt. Adobe hat dieses Format und weitere Standardisierungen vorangetrieben. Es gibt viele Vorteile, wie eine fast universelle Anwendbarkeit. XMP hat als Firmenlösung angefangen und hat sich heute als Standard neben IPTC etabliert. Es gibt Überlappungen zwischen etwa IPTC, XMP und EXIF, für die es technische Lösungen benötigt. Wichtig ist dieser Umstand auch für das Keywording. Wenn etwa eine Bildbeschreibung in IPTC und XMP abgespeichert wird, soll man sicherstellen, dass entweder der andere Container ebenfalls aktualisiert oder gegebenenfalls gelöscht wird.
Unterschiedliche Informationen
Es darf einleuchtend sein, dass man Informationen über Bilder auch in den Bildern speichert. Dabei gibt es jedoch einige Dinge zu beachten. Das liegt primär daran, dass Informationen sich selbst nicht aktualisieren. Im Verlauf der Zeit können Änderungen deshalb verloren gehen. Hier ein paar Stolpersteine:
- Unterschiedliche Datenblocken
Viel genutzte Bildformate wie JPG können mehrere Datenformate beinhalten, etwa EXIF, IPTC und XMP. Informationen aus den jeweiligen Blöcken können dabei überlappend sein. Eine Bildbeschreibung kann etwa in den IPTC-Feldern, aber auch in den XMP-Feldern abgelegt werden. Ändert man jetzt die Bildbeschreibung im XMP-Container, was passiert mit demselben Informationsblock in den IPTC-Feldern? Leicht entstehen widersprüchliche Informationen. Sollte man sich etwa auf den Standard IPTC begrenzen oder doch lieber einen quasi-Standard wie XMP nutzen, weil dieser flexibler zu nutzen ist? - Mehrere Sprachen
Seit vielen Jahren versucht das IPTC-Konsortium, eine Mehrsprachigkeit für IPTC zu definieren. Das ist bislang nicht gelungen. Als Resultat gibt es für IPTC-Felder nur eine einzige Sprache. Dasselbe gilt für XMP-Container. Rein technisch könnte man in einer XML-Beschreibung (ähnlich XMP), Sprachen als zusätzliche Information zu Datenfeldern speichern. Man spricht dann über technische Lösungen. Wie sieht aber ein Datenstandard für Felddefinitionen aus, der weltweit gelten sollte? Da kann man keine technischen Lösungen voraussetzen, denn es geht um Felddefinitionen. Einsprachigkeit ist heute demnach der Standard. Man sollte sorgfältig überlegen, welche Informationen in welcher Sprache in den Dateien gespeichert werden sollen. - Überlappungen
Bildinformationen (EXIF, IPTC, XMP) werden häufig in verschiedenen Datenblocken abgelegt. Einige Felder werden von einigen Softwarelösungen automatisch abgeglichen. Dabei ist es auf den ersten Blick nicht immer klar, welche Felder aktualisiert werden und welche Hierarchie dabei gilt. Das kann viel Verwirrung stiften. Es scheint hilfreich zu sein, sich für einen Datenblock (IPTC/XMP) zu entscheiden und alle Alternativen sorgfältig zu eliminieren. Geschieht das nicht, können alte Metadaten erhalten bleiben, die bei späteren Uploads und Verarbeitungen für Verwirrung sorgen. Was passiert etwa mit den Informationen zur Bildgrösse, die von der Kamera in EXIF-Feldern abgelegt werden, wenn das Bild neu skaliert wird? Was passiert mit dem Copyright-Verweis, wenn ein Kunde eine Lizenz zur Bildnutzung erhält? - Bilddatenbanken
Heute werden Fotos und Illustrationen häufig auf (firmeninternen) Websites bereitgestellt. Lädt man ein Bild hoch, werden Informationen vom System dieser Website häufig extrahiert, um danach für Bildsuchen genutzt zu werden. Welche Information wird von diesem System bevorzugt? Erwartet die Website Bilder als JPG mit IPTC-Daten? Oder werden XMP-Daten vorgezogen, wenn beide vorhanden sind? Was passiert mit Informationen, die auf Deutsch erfasst wurden, aber die Website ist auf Englisch? Für welche Informationen gibt es Behälter auf der Website, jedoch nicht in den Bilddaten selbst? Was passiert, wenn man auf der Website eine Information korrigiert – werden die Korrekturen in die Bilddaten zurückgeschrieben?
Diese und weitere Fragen bedürfen sorgfältige Abklärungen.
Metadaten pflegen
Damit Bilder genutzt werden können, müssen sie gefunden werden. Die aktuelle Bilderflut wird kaum abreissen. Es ist deshalb absehbar, dass jede Bildkollektion wachsen wird. Bei einer wachsenden Menge an Bildern ergeben sich automatisch steigende Anforderungen. Hat man 20 Business-Bilder, reicht vielleicht ein Stichwort wie «Business», um diese Bilder zu finden. Was aber bei 20’000 Business-Bildern? Dann benötigt es zusätzliche Begriffe, damit man diese in kleinere Kategorien aufsplitten kann. Nur so werden grosse Bildbestände nutzbar. Spezifische Informationen zur Eingrenzung von Suchresultaten werden immer bedeutsamer, je grösser die Konkurrenz von anderen Bildern ist.
Suchbegriffe sind ein Teil der Metadaten. Zu allgemeinen Metadaten gehören Informationen zur Bildgrösse, des Fotografen, Aufnahmedatum und vieles mehr. Die allgemeinen Metadaten können ebenso hilfreich sein wie die Bildbeschreibung und Suchbegriffe (Keywords). Welche Informationen genutzt werden können, ist auch von der Software oder der Website abhängig, womit man arbeitet.
Zur Vorbereitung einer guten Keywording-Strategie hilft es, den gesamten Arbeitsablauf vom Fotografen bis zum Endbenutzer vorzustellen. Auf jeder Stufe wird Software genutzt. Wie greifen diese Software-Bausteine ineinander? Was geht verloren, was bleibt unbeantwortet, was wird benötigt?
Metadaten sind essenzielle Informationen darüber, was ein Bild ausmacht. Diese Informationen können bewusst aufgebaut und ausgebaut werden, damit die Nutzung und Auffindbarkeit gewährleistet ist. Eine Strategie zur Nutzung der Bildinformationen muss dafür sorgen, dass die benötigten Informationen den Bildern auch hinzugefügt werden.
Keywording von Fotos
Der Begriff «Keywording» meint in unserem Kontext das Hinzufügen von Suchbegriffen zu Bildern, damit diese gefunden werden. Dabei stellt man sich jemanden als Endbenutzer vor, der vor einer Website oder Datenbanksoftware sitzt und Bilder sucht. Diese Person schreibt Suchbegriffe in einem Suchformular, um bei der Suche eine Auswahl an Bildern zu erhalten. Das funktioniert selbstverständlich nur, wenn diese Suchbegriffe vorrangig den Bildern zugeordnet werden.
Bei der Planung einer geeigneten Keywording-Strategie muss man die Eigenschaften der Bildkollektion kennen, die Möglichkeiten der Software oder Website sowie die Anforderungen der Bildbenutzer. Man stelle sich etwa vor, dass man von einer Bildkollektion eines Museums spricht. Es gibt ausführliche Fotos von allen Objekten, die bestimmten Länder und Orte, Stilperioden, Objektgruppen und Eigenschaften abbilden. Diese Dinge dürften alle wichtig sein, müssen also erfasst werden, damit sie genutzt werden können.
Nicht unerheblich ist auch die Suchmaschine, über die gesucht wird. Werden etwa automatisch Synonyme bereitgestellt? Wird Einzahl und Mehrzahl erkannt? Werden Keywords in einer Sprache automatisch übersetzt? Ist das unerwünscht oder gar Pflicht?
Keywordanforderungen
Die Anforderungen an Suchbegriffen sind für jede Firma unterschiedlich. Es gibt allgemeine Bildwelten und sehr spezifische Anforderungen. Wissenschaftliche Beschreibungen sind nur für bestimmte Benutzer bedeutsam, für andere jedoch irrelevant. Wie beschreibt man etwa Pflanzen und Tiere? Mit lateinischen Beschreibungen? In der jeweiligen Landessprache? Werden lokale Namen für Kräuter oder Blumen aufgeführt?
Was sachlich richtig ist, hilft nicht immer weiter. Eine Umfrage der CEPIC hat einmal ergeben, dass bei Stockfotografie die Bildeinkäufer häufig nur mit einem einfachen Begriff suchen. Damit sogar professionelle Benutzer gute Suchresultate erhalten, müssen nicht nur die Keywords sorgfältig definiert, sondern vielleicht auch die Anwender geschult werden.
Bei der Bildsuche sind Einschlusskriterien (Mann, Frau, Kind) manchmal ebenso wichtig wie Ausschlusskriterien (niemand). Bildeigenschaften (lowkey, highkey), Bildtyp (Foto, Illustration), Lizenztyp (Royalty-Free, Public Domain, Lizenzpflichtig), drinnen oder draussen, Jahreszeit, Tageszeit, und viele Dinge mehr können für eine effiziente Bildsuche sehr hilfreich sein.
Firmenintern
Keywording kann sehr allgemein sein. Werden Bildserien etwa für bestimmte Werbekampagnen genutzt, kann ein Stichwort zur Kampagne dabei helfen, alle Bilder dieser Kampagne zu finden. Firmen nutzen häufig interne Begriffe für bestimmte Abläufe oder Produkte. Diese Begriffe sollten als Suchbegriff hinzugefügt werden.
Fotos und Illustrationen neigen dazu, nach einigen Jahren weniger genutzt zu werden. Autos auf Strassenbildern erscheinen plötzlich alt, so auch der Haarstil, die Mode und viele andere Dinge. Bilder als «neu» zu beschreiben, ist bald veraltet und überholt. Ähnliches kann für die Kennzeichnung bestimmter Konzepte gelten. Begriffe wie «Pensionierung» oder «Wellness» lassen sich zwar bebildern, aber die Bildwelten können in 5 Jahren komplett anders aussehen. Solche Meta-begriffe sind wichtig, aber wie führt man sie auf?
Hier ist eine Möglichkeit, wie man mit konzeptuellen Begriffen umgeht: Manche Firmen kommen dazu, die Bilder nur mit Wörtern zu beschreiben, die man tatsächlich auf dem Bild sieht. Beispiel: Ein Bild von einem Senior wird nicht mit Pensionierung beschrieben, weil ältere Menschen nicht immer pensioniert sind und «Pensionierung» kein sichtbares, sondern nur ein angenommenes Merkmal darstellt. Das letzte beschreibt nicht das Bild, sondern lediglich die Gedanken der Person, die das Bild verschlagwortet.
Macht man diesen Unterschied zwischen «was sichtbar ist» und «was vielleicht auch noch zutrifft», kann man sich eine Zwischenebene vorstellen, in der reale Begriffe mit Konzepten zusammengebracht werden. Etwa so: In einer separaten Tabelle, die man für die Suche als «Zwischenebene» nutzt, lassen sich konzeptuelle Begriffe aufführen, die mit den konkreten Bildern über vorhandene Keywords verknüpft werden. In der Zwischenebene wird etwa «Grüne Energie» aufgeführt, mit den heute dafür zutreffenden Begriffen wie «Windpark, Mobilität, Sonnenenergie, Batterie» und so weiter. Wenn jetzt der Begriff «Grüne Energie» in einigen Jahren leicht umdefiniert wird, mit neuen Bildwelten, lassen sich in der Zwischenebene Begriffe ergänzen, ohne sämtliche Bilder neu verschlagworten zu müssen.
Hoch spezialisierte Bildkollektionen werden manchmal auf Basis von bestehenden Taxonomien verarbeitet. Ist dies der Fall, sollte man prüfen, wie man die Taxonomien in eigenen Softwarelösungen implementiert und wie man sie korrekt und konsistent anwendet.
Strategie entwickeln und planen
Eine Keywording-Strategie wird man nicht einmalig entwickeln, sondern öfter anpassen müssen. In der Planung hilft es deshalb, sich künftige Entwicklungen vorzustellen, sich den aktuellen und künftigen Technologien vorzustellen und dafür in der Planung Raum zu schaffen. Wie kann etwa künstliche Intelligenz bei der Bildbeschreibung helfen? Unterstützen unsere Server etwa Synonyme oder müssen wir diese manuell hinzufügen? Steht ein Serverwechsel an und ergeben sich dadurch neue Möglichkeiten? Was passiert bei einem Systemwechsel?
Wie man ein Bild beschreiben kann oder muss, ist von vielen Faktoren abhängig. Eine Planung berücksichtigt so viele Faktoren wie möglich und skizziert gleichzeitig, in welchen Abständen aktuelle Abläufe aktualisiert werden sollten.
Consulting
Hast Du bei diesen Ausführungen nützliche Hinweise entdeckt? Benötigst Du oder Deine Firma Hilfe bei der Evaluation neuer Keywording-Strategien? Dann helfe ich gerne. Nutze die Kontaktseite, mit mir in Kontakt zu kommen.
Verzerrt Künstliche Intelligenz die Wirklichkeit?
Fotografie ohne Kamera: Künstliche Intelligenz (KI) macht es möglich. Bilder entstehen mithilfe von «Prompts», und die Resultate fluten immer mehr Kanäle und das Internet. Kann das gut gehen?
Hollywood, Bollywood, und Pallywood
Wer von Hollywood redet, spricht von der Filmindustrie, von diesem Traumgenerator der Unterhaltungsindustrie. Die Begriffe Bollywood und Pallywood sind davon abgeleitet. Bollywood steht für die Filmindustrie in Indien mit einer ganz eigenen Prägung. Kritischer wird es bei Pallywood, die Manipulation von Tatsachen im Lieblingskonflikt von Israel-Kritikern. Seit Jahr und Tag werden Fotos manipuliert und heute gar generiert. Darauf wurde bereits in einem anderen Beitrag hingewiesen (hier).
Das Problem entsteht für den Betrachter, der sich nicht mehr auf die Zuverlässigkeit der gezeigten Bilder abstützen kann. Für politische und ideologische Zwecke werden Inhalte manipuliert. Es entsteht «Fake News». Dem gehen heute viele auf den Leim. Die Herausforderung liegt nicht nur bei der Erstellung der Inhalte, ob Foto, Video oder Text, sondern auch bei der Interpretation der Inhalte von dem Leser und Konsumenten. Können wir authentisch und inszeniert noch unterscheiden? Müssen dafür neue Fähigkeiten erworben werden? Reicht es etwa, wenn Bilder, die mit KI generiert werden, als solche gekennzeichnet werden? Oder müssten wir auch lernen, damit umzugehen?
Kunst oder Kunstgriff?
Neue technologische Möglichkeiten werden ausgelotet. Das ist selbstredend. Ist das immer positiv? Nein. Es gibt diese alte Formel von «Sex ’n Drugs ’n Rock ’n’ Roll», die eher problematische Antriebsformel liefern. Dagegen stehen auch positive Entwürfe wie Kunst und die Verbesserung der Lebensumstände vieler Menschen.
Malik Afeqbua ist etwa ein Künstler, der die Möglichkeiten von KI auslotet (hier). Er kann damit Dinge zeigen, die vorher nicht möglich waren. Das kann man visionär einsetzen. Seine Bilder und Projekte erschaffen eine wunderbare neue Welt der Inklusivität und Wertschätzung.
Der Missbrauch neuer technologischer Möglichkeiten ist jedoch nicht weit zu suchen. Wer manipulieren will, nutzt dafür auch KI. Es sieht täuschend echt aus und ist häufig nicht mehr von realen Situationen, Bildern und Videos zu unterscheiden. Wenn Technologie als Kunstgriff zur Manipulation eingesetzt wird, haben wir ein Problem in unserer Gesellschaft. Da stehen wir heute bereits. Die Erkenntnis dabei: Wo wollen wir als Gesellschaft hin? Das sind ethische Fragen, die auch politische Antworten verlangen, weil der Missbrauch bereits stattfindet.
Wenn Fotografen neuerdings auch KI einsetzen
Auf PetaPixel erschien ein interessanter Bericht über den Magnum-Fotografen Carl De Keyzer, der vorhatte, eine neue Serie in Russland zu fotografieren, als der Krieg dazwischenkam. Bereits hatte er in Russland fotografiert, jedoch war das geraume Zeit her. Der Krieg von Russland gegen die Ukraine hat ein Besuch an Russland vorerst unmöglich gemacht. Carl de Keyzer hat daraufhin mithilfe von KI eine neue Serie von Bildern über Russland gemacht.
Der Beitrag ist interessant, weil verschiedene Erwartungen aufeinanderprallen. Einerseits gibt es den Fotografen, der die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz einmal ausloten will und darüber ganz klar ist. Andererseits gibt es Menschen, die den Mann als Fotografen kennen und die künstliche Welt als «falsch» ablehnen. Hat der Fotograf die Wirklichkeit manipuliert? Man könnte das verneinen, weil gar keine Wirklichkeit abgelichtet wurde. Man kann es auch ablehnen, weil der Fotograf klar deklariert hat, dass seine Bilder mithilfe von künstlicher Intelligenz erstellt wurden.
Hier könnte auch argumentieren, dass der Fotograf wie ein Autor eine Geschichte erfunden hat, einen Roman geschrieben, respektive einen Bildband erstellt hat. Das ist eine frei erfundene Geschichte. Romanautoren werden dafür nicht geächtet, aber der Fotograf wird dafür geächtet. Natürlich gelten ähnliche Überlegungen auch für Autoren, die KI ganze Bücher schreiben lassen.
Interessant ist diese Auseinandersetzung auch dadurch, dass der Fotograf angibt, diese Bilder nur erstellt haben zu können, weil er Fotograf ist, also etwas mit bestimmten Merkmalen sich vorstellen könnte. Kritiker heben hervor, dass einige Bilder so realitätsnah sind, dass sie leicht für falsche Zwecke missbraucht werden können.
Wir sind als Gesellschaft in einer Zeit des Umbruchs. Welche Fragen sollten wir uns stellen? Geht es um den Unterschied zwischen Pallywood und Kunst? Verzerrt künstliche Intelligenz die Wirklichkeit? Darf es das? Die Antworte hängen von unserer Perspektive ab. Die Auseinandersetzung über relevante Perspektiven dürfte uns noch eine Weile beschäftigen.
















