Fotos sind nie vogelfrei. An jedem Bild, egal, wo man das findet, ob kostenlos oder kostenpflichtig angeboten, sind Rechte verbunden. Dass man ein Bild irgendwo herunterladet, heisst nicht, dass dieses Bild für ein nächstes Projekt verwendet werden kann.
Darf man Bilder, die man im Internet gesucht und gefunden hat, einfach so verwenden? Erstaunlich viele Menschen denken das. Die Realität ist jedoch ganz anders. Jedes Foto, jede Illustration, jede Audio-Datei und alles andere, was erzeugt wird, ist mit Rechten verknüpft. Da gibt es etwa Fotografenrechte, Künstler-Rechte, Vertriebsrechte, Personenrechte und vieles mehr. Details können von Land zu Land unterschiedlich sein. Nicht jedoch kann man davon ausgehen, dass alles «einfach zu haben ist», was man im Internet findet.
Was jeder Kreative benötigt, ist nicht nur ein Foto, sondern ein Foto inklusive geeigneter Nutzungsrechten.
6 Fragen für jede Verwendung
Stelle diese Fragen, bevor Du eine Datei verwendest:
- Urheberrechte: Wer hat die Datei erstellt?
- Personenrechte: Sind Menschen abgebildet, müssen Sie zur Verwendung ebenfalls eine Freigabe erteilen
- Rechte Dritter: Etwa Markennamen, Logos und dergleichen sind oft geschützt. Sie können nicht ohne Freigabe genutzt werden.
- Vertriebsrechte: Wo kann ich das Bild legal erwerben? Fotograf direkt, Vertriebspartner, Distributoren, usw.
- Nutzungsrechte: Diese werden in einer Lizenz zum Bild definiert. Hast Du eine Nutzungsrechte erworben, wird Dir eine Lizenz ausgestellt oder die Website hat online eine verbindliche Lizenz veröffentlicht, die für alle Downloads gilt.
- Stimmt die Lizenz mit meiner anvisierten Nutzung überein?
Die Klärung dieser Fragen soll dabei helfen, eine legale Nutzung zu ermöglichen. Nichts ist ärgerlicher, als ein Bild zu verwenden, und sich selbst oder den Kunden dadurch in rechtliche Probleme zu versetzen. Eine offizielle Lizenz ist für eine legale Nutzung essenziell.
Wie kläre ich das?
Finger weg von Bildern ohne Lizenzen. Hat man jedoch eine Bildquelle gefunden, schaue zuerst danach, ob es eine Lizenz gibt. Lese diese Lizenz sorgfältig durch und prüfe, was über eine private oder kommerzielle Verwendung gesagt wird. Manche Websites bieten kostenlose Downloads an, aber Download ist nicht dasselbe wie eine Lizenz. Werden etwa Menschen abgebildet, aber in der Lizenz darauf verwiesen, dass man die Personenrechte direkt mit dem Fotografen klären sollte, ist das keine zuverlässige Bildquelle.
Was sind zuverlässige Bildquellen? Bildagenturen. Sie haben sich auf den Vertrieb und die Rechteabklärung spezialisiert. Sie vermitteln und klären, damit sie Dir Nutzungsrechte verkaufen können. Ist es nicht genug, dass ein Fotograf mir das OK gibt? Für ein Bild ohne Menschen, ohne Marken und ohne Rechte Dritter mag das zutreffen. Verlange auf jeden Fall eine rechtlich verbindliche Lizenz. Speichere diese Lizenz zusammen mit den Bilddaten für eine spätere Referenz. Möchtest Du bei einem Fotografen Bilder mit Abbildungen von Menschen beziehen, lasse Dir auch unterschriebene «Modellreleases» geben, als Freigaben der abgebildeten Personen, dass man diese Bilder öffentlich, allenfalls auch für Werbezwecke, nutzen darf.
Für redaktionelle Bilder gelten leicht andere Regeln. Redaktionelle Bilder betreffen Fotos von aktuellen Ereignissen und Personen. Sie dürfen in der Regel nie für Werbezwecke genutzt werden, können aber zur Illustration von Presseartikeln eine Funktion erfüllen.
Sind «lizenzfreie Bilder» die Rettung?
Der Begriff «lizenzfrei» ist irreführend. Als der Begriff «lizenzfrei» eingeführt wurde, war dies ein Kontrast zu «lizenzpflichtigen» Bildern. Auf Englisch: «Royalty-Free» oder «Rights Managed», «RF» gegenüber «RM». Der Begriff «lizenzfrei» war eine andere Lizenz, als der Begriff «lizenzpflichtig» umschrieb. Beide waren Lizenzen, jedoch in der Ausprägung war eine «lizenzfreie Lizenz» eine unbegrenzte, persönliche Lizenz, während eine «lizenzpflichtige Lizenz» nur die Nutzungsrechte für ein klar definiertes Projekt erstellte.
Vogelfrei ist also nichts. Jedes Bild soll sorgfältig auf Nutzungsrechte geprüft werden. Der Erwerb von Nutzungsrechte ist ein Service, der Bildersteller und Bildnutzer beide dient und darf etwas kosten.
Wie ist das mit Bildern, die mithilfe von KI generiert werden?
Es gelten grundsätzlich die gleichen Fragen, aber die Antworten sind nicht immer klar. Künstliche Intelligenz (KI) basiert auf trainierten Daten. Dabei werden rechtliche und ethische Fragen oft unbeachtet gelassen. KI hat sich einen schlechten Ruf erarbeitet und erst allmählich werden Stimmen laut, rechtliche Schranken für die Datenkraken einzurichten.
Bis dahin bleibt vieles unklar. Kläre hier jedoch auch zuerst die Nutzungsrechte (ob privat, kommerziell, usw.). Dazu benötigt es ebenfalls eine Lizenz. Fragen, die heute meist ungeklärt sind:
- Wenn die KI das Bild erzeugt, wem gehören die Rechte? Demjenigen, der den Prompt erstellt? Der KI, die das möglich macht, bzw. der Firma, dem die KI gehört?
- Wird das Bild etwa in einem bestimmten Stil eines bekannten Künstlers erstellt, was bedeutet das rechtlich?
- Wenn man etwa KI dazu nutzt, ein bestehendes Bild zu variieren, wird das durch die Bildrechte, Fotografenrechte und Lizenz erlaubt? Das ist nicht überall der Fall.
Gratis ist kein Schutz vor «illegal». Es ist nicht alles Gold, was glänzt.


