Ist dies ein Scam? Vielleicht nicht. Sauber erscheint es trotzdem nicht. Hier ein Beispiel und persönliche Einschätzung aufgrund von Behauptungen ohne Beweise. Das Ziel scheint es zu sein, unbedarfte Website-Betreiber durch Einschüchterung zu einer Zahlung zu bewegen.

Bildlizenzen sind wichtig. Ich nutze kein Bild ohne Lizenz, es sei denn, ich erstelle das Bild selbst. Ich handhabte das bereits privat so. 1998, als ich erstmals Photodisc vertrat, noch bevor es von Getty Images erworben wurde, wurde es selbstverständlich zum Leitfaden für jede geschäftliche und private Verwendung.

Eine E-Mail von CopyTrack

Diese Woche flatterte eine E-Mail der deutschen Firma CopyTrack ins Haus. In dieser E-Mail wurde ich bezichtigt, ein Bild zu nutzen, wofür Lizenzrechte gelten. CopyTrack erwähnte (ohne Beweis), dass die Firma YayImages der Rechteinhaber sein sollte, und ich wurde aufgefordert, die Lizenz vorzulegen.

Diese E-Mail scheint automatisch erzeugt zu sein. Vermutlich werden Tausende E-Mails dieser Art erstellt und weder vorher geprüft noch das Copyright tatsächlich geklärt. Dazu gleich mehr.

Weiter fällt auf, dass YAY Images lediglich eine Marke (Brand) ist. Dies entspricht den Angaben auf der YAY Images-Website per heute. Es gibt keine genannte Firma im Hintergrund. Alles bleibt undurchsichtig.

Bildlizenzen

Wer ein Bild nutzen will, erwirbt dafür am besten eine Lizenz. Dafür bezahlt man einen Preis, erhält jedoch auch ein Nutzungsrecht. Beides wird geregelt, oft zwischen Bildagentur und Bildanwender. Dabei gilt die Lizenzbeschreibung, die häufig in einem Standardtext beschrieben wird. Das sind die eingeräumten und erworbenen Nutzungsrechte.

Bildagenturen vertreten häufig Fotografen. Nicht alle Bildagenturen besitzen ein Eigentumsrecht (meist als «Copyright») bezeichnet. Sie können diese Rechte jedoch für Fotografen vertreten. Bildagenturen selbst haben oft kein Copyright an den Bildern, sondern ein Vertriebsrecht. Es gibt viele Arten von Rechten an einem Foto, je nachdem, in welchem Land das Bild erstellt wurde, wer es besitzt, ob Menschen, Marken oder geschützte Objekte abgebildet sind und für welche Zwecke ein Bild genutzt werden kann.

Es gibt demnach nicht einfach ein «Copyright». Der Ausdruck deutet bloss in eine Richtung, aber klärt nicht, welche Rechte verletzt wurden oder ob es (!) zu einer Verletzung kam. Die Beweislast liegt hier nicht bei CopyTrack, sondern sie wird auf ahnungslose Webbesitzer abgewälzt. Unsauber.

Die Prüfung

CopyTrack verzeichnete, dass ich das Bild seit 2021 nutze. Das stimmt nicht. Ich nutzte das Bild bereits seit 2019, entsprechend dem Datum des Beitrages, wofür das Bild genutzt wurde. Das ist nicht die einzige Ungereimtheit. CopyTrack hat diese E-Mail geschickt, offenbar nachdem ein Bild auf einer meiner Websites gefunden wurde, das auch von YayImages vertrieben wird. Die E-Mail wurde offenbar automatisch verschickt, ohne weitere Prüfung und Differenzierung.

Da ich grundsätzlich nur lizenzierte Bilder verwende, ging es lediglich darum, woher diese Aufforderung stammt, denn ich habe noch nie Bilder via YayImages erworben. Die Herkunft und damit die Lizenz waren schnell geklärt. Was CopyTrack jedoch forderte, war eine schriftliche Lizenz für spezifisch dieses eine Bild. Eine solche Lizenz gab es damals nicht für die Quelle, die ich nutzte. Es galt eine allgemeine Lizenzerklärung, gültig für alle Downloads. Das ist für diese Quelle bis heute noch so.

Als nächsten Schritt habe ich eine Reverse-Image-Search gemacht, also nach ähnlichen Bildern im Internet gesucht (etwa via Google Images oder TinEye). Dabei erschienen sofort acht (8!) Agenturen, die das Bild vertrieben. Darunter war nicht einmal die Quelle, die ich benutzt hatte. Es war also mitnichten so, dass YayImages alleiniger Rechteinhaber war. Zumindest Vertriebsrechte gab es für viele weitere andere Agenturen.

In diesem Sinne kann YayImages bzw. CopyTrack nicht vorgeben, als hätten sie ein Alleinrecht, dass sie Belege einfordern können. YayImages ist einfach eine unter vielen Agenturen, die dasselbe Bild vertrieben und bis heute vertreiben.

Falle für arglose Webbesitzer

Das ganze E-Mail erschien jetzt in einem anderen Licht. Hier versuchte YayImages bzw. CopyTrack aus einer automatischen Suche Geld zu generieren und damit zu rechnen, dass viele in die Falle tappen. Ja, dies scheint eine Falle für arglose Website-Besitzer zu sein, die zwar irgendwann das Bild bezogen haben, aber von einer solchen E-Mail überrumpelt werden. Das scheint jetzt die Masche zu sein, wonach CopyTrack vorgeht. Dieselbe Erfahrung haben auch andere gemacht. Dass sie dabei haarscharf an einer sauberen rechtlichen Verarbeitung entlangschlittern kann, kann man etwa aus diesem Textabschnitt aus ihrem E-Mail ablesen (Hervorhebung von mir):

«Alternatively, please reply to this e-mail and attach appropriate proof (e.g. licence agreement, invoice, etc.). If you do not have a licence, please also contact us so that we can clarify the next steps together.
This enquiry is expressly made without any accusation of a legal infringement and initially only serves to clarify the facts of the case.»

Dies ist also keine offizielle Abmahnung. Das darf CopyTrack nicht tun, denn es ist keine Anwaltskanzlei. Hier geht es um ein Einschüchterungsversuch ohne Belege. Seriös erscheint es nicht. Rechtlich ist dies nicht haltbar. Hier ist die Differenzierung: Dürfen sie nachhaken? Ja. Ist dies eine Abmahnung? Nein. Ergibt dies einen Sinn? Nein, sie versuchen durch blosse Einschüchterung einfach zu Geld zu kommen.

Hier ein Vergleich: Es gibt echten Bilddiebstahl. Es gab von Getty massenhaft exklusive Bilder, die einst nur für eine klar definierte Projektverwendung lizenziert wurden. Als Getty dann anfing in den USA alle Magazines monatlich scannen zu lassen konnten sie (laut Aussage von TinEye in einem Vortrag an einer CEPIC Konferenz vor vielen Jahren) etwa 30% mehr Rechnungen verschicken. Es wurde eindeutig nachgewiesen, dass exklusive Bilder ausserhalb der Getty-Lizenz genutzt wurden. Solches ist bei CopyTrack und YayImages jedoch meist nicht der Fall. Es gibt weder Exklusivität bei den Vertriebsrechten, noch einen Beleg dafür, dass CopyTrack und YayImages sauber vorgehen. Das tun sie nämlich nicht.

Für das vorliegende Bild, das an vielen Orten bezogen werden kann, gibt es eine lizenzfreie Lizenz, wonach das Bild für wenige Euro, einmalige bezahlt, endlos für fast beliebige Projekte verwendet werden kann. Eine solche Lizenz liegt vor. Der Preis steht in krassem Widerspruch zur Forderung von vielen Hundert Euro für ein Bild aus einer Microstock-Agentur.

Negatives Feedback

Auf TrustPilot haben beide Firmen eine zweifelhafte Reputation aufgebaut:

Lizenzabklärungen

Selbstverständlich sollte man stets mit sauberen Lizenzen arbeiten. Das heisst jedoch noch lange nicht, dass man sich von den Machenschaften von YayImages oder CopyTrack einschüchtern lassen soll. Wenn nötig einfach nachfragen, begründen lassen, anzweifeln, wenn etwas nicht logisch erscheint. Das nennt sich gesunde Vernunft.

Verlauf

Hier skizziere ich ohne exakte Angaben den Verlauf. Dieser Teil wird aktualisiert, wenn neue Entwicklungen stattfinden.

Email von CopyTrack

  1. Automatische Bezichtigung und Forderung, die Unschuld zu beweisen.
  2. Keine Reaktion auf meine erste Nachricht, sondern eine Forderung, dies online auf ihrer Website zu belegen oder eine Lizenz zu erwerben. Hinweise auf einfache Zahlungsmöglichkeiten.

Email an CopyTrack

  1. Rückmeldung, dass mit einer Reverse-Image-Search viele Vertriebskanäle gefunden werden und keine Exklusivität scheint vorzuliegen. Es wurde ebenfalls vermerkt, dass eine Lizenz vorhanden ist, wo diese erworben wurde und wie die aussah.
  2. Keine Belege von mir, keine weiteren Angaben als nur Verweis auf erste E-Mail plus die Aufforderung, die rechtliche Situation zu klären. Das erste E-Mail war im Auftrag der «Firma YAY Images», obwohl die entsprechende Website keine Firma listet und ausdrücklich angibt, dass YAY Images lediglich eine Marke sei.

Weitere Emails trafen ein

Diese wurden von mir nicht mehr beantwortet, da auf meine ersten E-Mails nicht eingegangen wurde.

  1. Bestätigung, dass die verlangten Belege beim Eigentümer angefordert wurden. (Seltsam, dass keine Verträge und Belege bei CopyTrack vorhanden sind. Unprofessionell.)
  2. Eine neue E-Mail traf ein, ohne Antwort auf meine Fragen. Keine Details, keine Begründung, kein Bezug auf frühere E-Mails von mir. Eine automatisierte Antwort mit erneut falscher Anschrift. Jetzt erschien auch die ominöse Forderung über 350 €, wie in vielen anderen Beiträgen zu CopyTrack erwähnt wird. Ebenfalls wird ein Datum erwähnt, bis wann ich reagieren müsste. Alles scheint standardisiert zu sein. Eine automatisierte Verarbeitung. Es wird mit Anwälten gedroht. Auch wird ihr Einflussbereich auf Deutschland begrenzt. Weder Hosting für die Website noch meine Firma sind jedoch in Deutschland registriert. Keine Reaktion auf meinen Hinweis, dass dasselbe Bild bei vielen anderen Agenturen auftaucht und ich eine Lizenz besitze. Aus ihrer E-Mail:

«If you do not have a licence or do not respond to this e-mail within the deadline, we must initially assume that your use of the image may constitute a copyright infringement in the territory of the Federal Republic of Germany and you could then be legally obliged to compensate our customer for any damage resulting from such use. Our local legal partners abroad will review this.»

Man beweist keine Schuld, wie das üblich wäre, sondern setzt diese voraus und erwartet, dass man seine Unschuld beweist oder bezahlt. Ein seltsames Vorgehen. Wer auf einer Website ein Bild veröffentlicht und dafür eine Lizenz hat, kann nicht für Deutschland belastet werden. Das ist alles Humbug. Es handelt sich in diesem Fall um eine «lizenzfreie» Lizenz, die weltweit gültig ist. Wer anderes behauptet, ist nicht seriös.

  1. Ein neues E-Mail traf ein, am Tag, der beim letzten E-Mail erwähnt wurde. Jetzt ist die Sprache etwas schärfer, der Betrag ist klar erwähnt und man wird aufgefordert, was bereits oft gesagt wurde. Ein endgültiges Verfalldatum wird genannt. Ohne explizite Erwähnung wird indirekt mit rechtlichen Konsequenzen gedroht, indem man auf andere Partner verweist. Was nicht stimmt, ist nach wie vor: keine Antwort auf meine Fragen, obwohl die versprochen wurde. Automatisierte Verarbeitung, wie es scheint. Eine falsche Anrede, falsche Daten, die Übertretung soll jetzt in Deutschland liegen, wo weder meine Residenz (damals und heute) noch das Hosting meiner Website ist. Ungereimtheiten türmen sich auf. Ich hatte bereits klar kommuniziert. Darauf wird nicht eingegangen. Es geht demnach nicht um Kommunikation und im Klartext auch nicht um eine rechtliche Regelung. Es geht lediglich um das Geld. Ich warte mal weiter ab. Wir sind jetzt in der ersten Hälfte vom August 2026.
  2. Erneut ist eine E-Mail eingetroffen, angeblich mit den Antworten auf meinen Fragen. Punktweise:
    1. Ein beigefügtes Dokument ergibt keinen Sinn, klärt keine meiner Fragen, sondern lebt von vagen Behauptungen. Meine Fragen wurden nicht beantwortet.
    2. Bis hierhin hatte man eine falsche, aus der Domainname abgeleitete Anrede genutzt. In diesem E-Mail erscheint lediglich eine neutrale Anrede („Dear Sir or Madam“), als hätte man sich nicht bereits längst persönlich gemeldet.
    3. Man hätte von mir längst Hinweise erhalten, inklusive einen Hinweis auf eine vorhandene Lizenz, aber das wird in automatisierten Antworten erneut übergangen. Man wird auf die Website geleitet, worin eine Firma in Hong Kong gelistet wird (Doublesix Ltd.), ohne Verbindung zu YAY Images oder zum eigentlichen Bild, bzw. den Rechten für das Bild. Die Firma hinter Copytrack hat bereits mehrfach den Namen gewechselt.
      Siehe auch: Irleaks.com, Allisonmortonauthor.com sowie viele weiteren Erfahrungen.
    4. Die Verknüpfungen mit YAY Images werden nicht geklärt. YAY Images wird gar nicht mehr erwähnt.
    5. Die Angabe, dass es um eine Verletzung in Deutschland geht, bleibt gänzlich unbeachtet.
    6. Es wird jetzt eine weitere Kollektion oder Firma mit Namen Julialine introduziert. Zwar wird auf dem angeblich Originaldokument das Bild eingeblendet, aber alles bleibt letztlich undefiniert. Aus nichts wird deutlich, dass ich etwa verpflichtet wäre, die Lizenz dieser Firma zu zeigen.
    7. Es geht nach wie vor nur um Einschüchterung und letztlich einer Zahlung. Das ist ja das Verdienmodell.
  3. Zwei Erinnerungen sind eingetroffen. Die Erwartung ist klar: Bezahlen oder das System nutzen, um eine Lizenz hochzuladen. Für beide Dinge besteht keinen Grund, da CopyTrack keine Rechtskanzlei ist. Ausserdem wurden die Angaben bereits in meiner ersten Anwort-E-Mail gegeben. Darauf wurde nie eingegangen. Die rechtliche Situation wurde nie geklärt. Die Behauptung, es betreffe Rechte für Deutschland trifft in keiner Weise zu. Man erhöht einfach nur den Druck, ohne Berechtigung, ohne Beweise von Übertretung. Es ist ein Einschüchterungsversuch. Das sieht etwa so aus:

Dear Sir or Madam,

This is a second reminder regarding the use of our client’s copyrighted image. Despite our previous notice, we have yet to receive payment or a valid, dated license proving authorized use.

If the matter is not resolved promptly, our client may instruct one of our partner law firms in your jurisdiction to pursue the matter further. To avoid this, the outstanding claim may still be settled via https://portal.copytrack.com using your case ID

Best regards,

Legal Department

RD Legal GmbH (COPYTRACK)

(es folgen dann Adresse sowie Kontaktdetails, Registrierungsnummer bei der Handelskammer und dergleichen Dinge mehr)

Legal?

Nun wird mit Begriffen gespielt. Das E-Mail scheint vom «Legal Department» zu stammen und die Firma heisst schon seit einigen Jahren nicht mehr CopyTrack, sondern „RD Legal GmbH“. Das täuscht darüber hinweg, dass diese Firma keine Rechtskanzlei ist. Sie kann rechtlich nichts ausführen und muss deshalb auf Partnerfirmen verweisen.

Siehe auch: Copytrack: Alles, was Sie wissen müssen, um sich zu verteidigen (intotheminds.com)

Weitere Erinnerungen

Es folgen weitere Erinnerungen. Keine beantwortet die ursprünglichen Fragen, keine nimmt meine erste Mitteilung ernst, dass eine Lizenz vorliegt. Es ist nach wie vor nicht klar, wer die Rechte besitzt und für wen die Firma nun eigentlich arbeitet. Die Verknüpfung mit YAY Images (ursprünglich als Auftraggeber erwähnt) wurde nirgendwo erklärt.

«This communication constitutes a final opportunity to resolve the matter amicably.»

Der Druck wird aufgebaut, nicht durch Argumente, sondern in der steigenden Frequenz der E‑Mails und durch erneute Verweise auf Partner, die Dinge rechtlich einfordern können. Immer deutlicher geht hervor, dass eine Zahlung für eine freundschaftliche Lösung sorgen würde. Damit wird eine Schuld vorausgeschickt, die nie bewiesen wurde. Es sind Drohgebärden, die zur Zahlung nötigen müssten.

Rechtlich zuverlässig in diesem Vorgang ist bislang gar nichts. Man möchte zu einer Zahlung nötigen, noch vor einer rechtlichen Prüfung (!). Das heisst konkret, dass man noch nie Beweise hervorgebracht hat, auf Anfragen nicht ernsthaft eingeht, aber eine Zahlung fordert, obwohl nachweislich keine exklusiven Vertragsrechte für das Bild vorliegen. Der Beweis wurde bereits bei der ersten Antwort geliefert, was jetzt schon mehrere Wochen zurückliegt. Dies ist auch ein Hinweis darauf, dass man sich nur auf ein System abstützt, nicht auf eine tatsächliche und persönliche Prüfung der Sache.

Es gibt immer noch keinen triftigen Grund, irgendetwas auf ihre Systeme hochzuladen oder eine Antwort zu formulieren.

Neue Beiträge automatisch erhalten

Am 1. Dienstag im Monat werden, wenn vorhanden, Beiträge vom letzten Monat als Übersicht verschickt. Der Newsletter lässt sich jederzeit über einen Link unter jedem E-Mail abbestellen.

Wir senden keinen Spam. Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

0
0

Karsten Risseeuw

Niederländer, der lange in der Schweiz wohnte. Über 20 Jahren führte er eine eigene Bildagentur. Aktuell wohnt er in den Niederlanden. Beruflich liegt sein Fokus bei Softwareentwicklung . Auf diesem Blog schreibt er gelegentlich über die Entwicklungen und Herausforderungen der Bildindustrie.

Translate »

Privacy Preference Center