Der Aufmarsch von künstlicher Intelligenz scheint heute unaufhaltsam. Die Entwicklung wird voranschreiten und immer mehr Lebensbereiche und Arbeitsbereiche umfassen. Das krempelt die Erwartungen und kommerziellen Angebote um. Welchen Einfluss wird man da im Bildbereich sehen?
Wie sieht die künftige Entwicklung aus?
Bei der Entwicklung geht es nicht nur um Technik, sondern auch um deren Konsequenzen. Es geht um Privatsphäre, Konsumentenschutz, Copyright und viele Dinge mehr. Politik und Recht werden auf der Welt unterschiedlich eingesetzt. Das wird Unterschiede aufzeigen.
Eine aktuelle Frage ist, ob die künstliche Intelligenz ein Cloud-Phänomen bleibt, oder ob die lokale Anwendung auf eigenen Geräten die Zukunft hat. Apple hat gerade Core AI vorgestellt, und es gibt weitere Entwicklungen für eine lokale Anwendung von KI, wie Odysseus AI.
KI hat schon lange die Bildverarbeitung erobert. Auch die Bilderzeugung nimmt rasant zu. Damit Kunden für die neuen Möglichkeiten sensibilisiert werden, erscheinen in Abonnements neu auch KI-Angebote. Damit lassen sich etwa Bildvariationen erzeugen oder gleich neue Bilder kreieren.
Die Frage ist jedoch, ob künftig KI-Modelle in der Cloud laufen werden, oder ob jeder die eigenen Bildkreationen auf dem eigenen Computer macht?
Die beste Bildagentur hat nur einen Bildgenerator
Wird man mit der Zeit sehen, dass Bildagenturen nur noch Bilder generieren? Wie sieht das aus? Keine Millionen Fotos mehr, kein endloses Scrollen, um die richtigen Bilder zu finden, sondern ein Knopf zur Bildgenerierung? Leben wir bald von Prompts allein, von den Bildbeschreibungen und Versuchen, das zu treffen, was einem vorschwebt? Gibt es gar eine neue Berufsgattung, nämlich Prompt-Engineers für die Bilderzeugung?
Solche Überlegungen verweisen auf grosse Umwälzungen. Man kann die einmal als Möglichkeiten durchdenken.
Wenn Bilder von Bildgeneratoren ersetzt werden, was ändert sich? Heute stehen diese Möglichkeiten ergänzend zur Verfügung. Die Qualität wird immer besser, die Leistung ebenso. Wann wird das Verhältnis zwischen «Echt» und «Erzeugt» kippen? Endet man dann mit Bildagenturen, die sich nur noch in den Möglichkeiten der Bildgeneratoren unterscheiden? Oder werden Bilder künftig sogar meist lokal auf dem eigenen Rechner produziert, ganz ohne jede Vermittlung?
Marketing-Versprechen
Die Möglichkeiten von KI sind nicht für jeden. Die Umwälzung ist real, aber die Möglichkeiten werden nicht alle genutzt. Das ist vielleicht ähnlich wie eine Umwälzung vor etwa 30 Jahren, als die ersten Personal Computer erschienen. Bald darauf kamen sogenannte «Desktop-Publishing-Programme». Heute würde man sagen: «Design-Apps». Die Umwälzung war von dedizierten Satz-Computern zu Layout-Programmen, die «jede Sekretärin zu einem Layout-Profi» machen würde. Natürlich geschah das nicht.
Heute geschieht Ähnliches unter dem Begriff «Vibe Coding». Damit sollte jeder seine eigene Software basteln können. Weshalb also nicht gleich einen Bilderzeugungsgenerator bauen? So einfach ist es leider nicht. Es geht nicht nur um die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, dass etwa Fotos von Händen korrekt fünf Finger zeigen, sondern auch um das Know-how von Fotografen, die Erfahrung von Bildkäufern, die Anpassung an gewählte Anforderungen und dergleichen mehr.
Zwischen Marketing-Versprechen und Realität klaffen Bruchstellen, die heute nicht ganz überbrückbar sind. Werden sie es in Zukunft? Was denkst Du? Was benötigt es bis dahin?


