Die Zeiten, in denen Stockfotografie in Millionen Bildern gemessen wird, sind vorbei. Bildagenturen integrieren KI-Funktionen, womit Bilder abgewandelt oder neu generiert zu werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Bildarchive mit Millionen Bildern umstrukturiert werden.

Wie es beginnt

Neuerungen beginnen häufig leise. Es gibt eine Erweiterung der Möglichkeiten, eine neue Option vielleicht. Diese wird von vielen belächelt, von anderen ausprobiert. So geschah es etwa mit lizenzfreien Bildern (RF oder «Royalty Free») in einer Welt von projektgebundenen Lizenzen (RM oder «Rights Managed»). Zuerst war es ein seltsames Konzept. Anwender liebten die einfache Lizenzierung und der Rest ist Geschichte.

Mit Microstock-Agenturen hat sich dann erneut vieles geändert. RF-Bilder wurden extrem viel günstiger. Abonnemente erschienen. Billig wurde ein Massstab, den viele verwenden. Die Erkenntnis, dass gute Fotografie etwas kostet, scheint bei vielen verloren gegangen zu sein. Die Einschätzung wird durch die alltägliche Erfahrung, weniger von der Realität geprägt.

Als Vergleich: Als die ersten digitalen Bilder erschienen, gab es bei den Bildagenturen noch viele analoge Fotos, die zuerst digitalisiert werden mussten. Die älteren Fotos basierten auf Filmmaterial und hatten logischerweise das Filmkorn als sichtbares Element. Bei den Bildagenturen bestellten jüngere Kunden Bilder, die ursprünglich auf Film fotografiert wurden. Sie reklamierten, dass diese Bilder «verpixelt» waren, als wäre die Auflösung ungenügend. Die Auflösung war zwar richtig, aber das Filmkorn blieb natürlich sichtbar, wie das seit Jahrzehnten der Fall war. Tatsächlich änderte sich die Erwartung, als eine neue Technologie Einzug hielt.

Ähnliches passiert heute erneut. Künstliche Intelligenz wird günstige Stockfotografie ersetzen. Das geschieht nicht über Nacht, sondern über viele kleine Zwischenschritte. Zuerst gibt es nützliche Bearbeitungsmöglichkeiten für Bilder, wie etwa das Entfernen oder Ersetzen eines Hintergrundes oder bestimmter Objekte. Praktisch!

Mittlerweile können Bilder auch mit Prompts generiert werden. Man kann sogar eine Bildreferenz für den Stil mitgeben, um das Resultat zu beeinflussen. Mit immer mehr und immer besseren Modellen wird das Erzeugen von Bildern immer einfacher. Dasselbe gilt natürlich auch für Video. Es ist erstaunlich, wieviel Werbung bereits mit KI erzeugt wird. Bei Videos werden die Soundeffekte und die Musik auf Wunsch gleich mitgeliefert. Die Untertitelung kann generiert, die Stimme und Sprache geändert werden. Nicht alles ist über jeden Zweifel erhaben, aber was heute geht, war gestern noch unmöglich. Die Entwicklung ist rasant.

Die Qual der Wahl

Wer KI-Modelle einzeln abonniert, kann schnell entdecken, dass mit einem Modell nicht alles getan ist. Ebenso wie Bildagenturen die Arbeit von vielen Fotografen oder Kollektionen bündelten, entstehen heute Portale, über die Nutzer gleich mehrere Modelle auswählen können. Als Benutzer sollte man die jeweiligen Stärken der Portale berücksichtigen, denn sowohl die einzelnen Modelle, als auch die gebündelten Angebote zielen auf eine primäre Zielgruppe. Für Video etwa gibt es Portale wie higgsfield.ai und für Bilder gibt es etwa Portale wie openart.ai. Diese Unterscheidung scheint willkürlich, weil beide sowohl Generatoren für Videos als auch für Bilder anbieten. Es lohnt sich deshalb, genauer hinzuschauen, um die jeweiligen Stärken und Kosten vergleichen zu können.

Bei der Menge der Möglichkeiten möchten einige lieber keine Abonnemente abschliessen und zuerst einmal nur mit Credits arbeiten. Das ist etwa möglich mit einer Website wie promtedit.com, die sich selbst als «Grocery Store for AI Tools» präsentiert. Es gibt selbstverständlich weit mehr Websites und es lohnt sich auf jeden Fall, Vergleiche zu machen. Die Qual der Wahl kann nur durch Erfahrungen strukturiert werden. Dabei geht es um die Möglichkeiten der Modelle, aber auch um die gewünschte Ästhetik, die gewünschte Bild- oder Videoauflösung, die Realitätsnähe und mehr solcher Parameter.

Hier ist der Unterschied: Während man bei Bildagenturen bislang verfügbare Bilder durchstöberte, um die besten für das aktuelle Projekt zu finden, geht es bei AI-Lösungen um etwas anderes: Kann ich das generieren, was ich benötige? Hier soll man nicht einfach auf Zufallstreffer hoffen, sondern fähig sein, die eigene Vorstellung so genau wie möglich zu beschreiben, damit eine KI aus der Vision die gewünschte Elemente erzeugen kann.

In der Cloud oder lokal?

Aktuell leben die meisten KI-Angebote in der Cloud. Sie leben auf anderen Computersystemen als dem eigenen. Der Gegensatz dazu wäre eine lokale Anwendung. Wo läuft KI am besten heute und wo in Zukunft? Heute findet fast alles in der Cloud statt. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass sich diese Situation künftig ändert, wenn KI-Lösungen auch lokal arbeiten können.

Angebote für Designer

KI ist mehr als ein Chatbot. Welche sind die Anforderungen für Gestalter? Bilder sind nur ein Teil der täglichen Bedürfnisse. Vielleicht gehören Bildbearbeitung oder Video dazu. Andere Aufgaben sind vielleicht Logo-Entwurf, die Erstellung von Websites, Werbung für Print und Internet und vieles mehr. Alle diese Aufgaben können heute von KI unterstützt werden.

Eine Website wie recraft.ai richtet sich speziell an Gestalter. Mockups, Bilder, Werbung und vieles mehr lassen sich hier auf Knopfdruck erstellen. Recraft hat aber noch eine Spezialität: Es können Stockfotos generiert werden.

Stockfotos kostenlos generieren

Ziemlich frech, könnte man meinen. Recraft wirbt damit, dass man bei ihnen Stockfotos kostenlos generieren kann. Kann das gut sein? Die Auflösung ist begrenzt, aber wem stört das, wenn man nur gelegentlich für das Internet Elemente benötigt?

Bildkollektion oder KI?

Hier ist die aktuelle Frage: Könnte ein Bild-Abonnement durch eine KI-Lösung ausgetauscht werden? Das ist eine Frage, die vermutlich für viele Menschen interessant sein wird. Die Generierung von Bildern mit KI ist nicht einfach, sondern muss erlernt werden. Im Gegenzug könnte man statt Bildsuche Zeit in eine Bildgenerierung investieren. Sind die Resultate gleich gut oder besser, einst vielleicht einfacher, könnte das eine Bildindustrie umkrempeln.

Das ist, was sich gerade vor unseren Augen abspielt. Bist Du noch Bild-Einkäufer oder schon KI-Anwender?

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Karsten Risseeuw

Niederländer, der lange in der Schweiz wohnte. Über 20 Jahren führte er eine eigene Bildagentur. Aktuell wohnt er in den Niederlanden. Beruflich liegt sein Fokus bei Softwareentwicklung . Auf diesem Blog schreibt er gelegentlich über die Entwicklungen und Herausforderungen der Bildindustrie.

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