Ideologien beherrschen viele Narrative. Das gilt insbesondere für Kriegsgebiete, wo neutraler Journalismus herausgefordert und oft unmöglich ist. Das widerspiegelt sich selbstverständlich auch in den gewählten Bildern.
Das Titelbild, das für diesen Beitrag ausgewählt wurde, bedarf mehr Kontext. Zusammen mit dem Titel «Bilder in Kriegszeiten» wird der Leser dazu verführt, das Bild im Sinne einer Kriegssituation zu interpretieren. Logisch, nicht wahr? Man sieht Soldaten, Explosionen und interpretiert das in diesem Sinne.
Bildnachweis: Envato/Addictive Stock. Original Bildbeschreibung: Ibi, Spain – December, 28 2018: People celebrating victory in flour and eggs battle».
Suggestive Bildwahl
Das Bild entspricht, anders als der Titel suggeriert, keinem aktuellen Kriegsgeschehen. In der spanischen Stadt Ibi wurde am 28. Dezember 2018 ein historischer Sieg nachgespielt und mit Mehl, (faulen) Eiern und viel Feuerwerk in Szene gesetzt. Mit heutigen Konflikten in Syrien, Gaza, Jemen oder Sudan hat das nichts zu tun.
Bildauswahl und Titel können also leicht für Verwirrung sorgen. Das passiert konstant. Geschichten werden erzählt, damit Menschen für eigene Standpunkte oder Ideologien aktiviert werden. Sie dienen der Radikalisierung und Ideologisierung von Massen. Fotos und Bilder helfen dabei. Ein Beispiel: Die «Free Palestine» Bewegung wird von den Narrativen der Terrororganisation Hamas geprägt. Es ist eine ideologische Prägung, die gerade im Westen zu einer massiven Wende in der westlichen politischen Meinung geführt hat.
Als Nebenprodukt wird Geschichte neu geschrieben und Antisemitismus ist wieder salonfähig geworden. Hamas, die Terrororganisation, die ein Genozid an Juden weltweit im eigenen Charta festhält und das am 7. Oktober 2023 unter Beweis stellte, wird heute als der Underdog betrachtet, während Israel, der sich verteidigt, davon bezichtigt wird, an Menschen in Gaza ein Genozid zu verüben. Eine typische Opfer-Täter-Umkehr und stark beunruhigend. Differenzierung und eine echte Auseinandersetzung tun Not. Zur Polarisierung tragen jedoch viele Fotos bei, die zur Manipulation bewusst gewählt werden. Über diesen Zusammenhang geht es hier.
Ähnliches passiert auch mit der Berichterstattung über Russland und die Ukraine. Auch zu diesem Konflikt gibt es bereits Untersuchungen, die die Rolle von Manipulation und falschen Bildern thematisiert (Evaluating the role of generative AI and color patterns in the dissemination of war imagery and disinformation on social media). Wer erinnert sich noch an Cambridge Analytica, die Firma, bekannt durch Manipulation von Social Media, die nach eigenen Aussagen Donald Trump 2016 zur ersten Präsidentschaft verhalf? Und wem fällt auf, dass China seit Jahren sehr aktiv darum bemüht ist, das eigene Bild in westlichen sozialen Medien aufzupolieren? Desinformation aus China bleibt ebenso aktuell. Manipulationsversuche sind allgegenwärtig.
Medienkrieg
Jeder Konflikt weltweit läuft die Gefahr, zu einem Medienspektakel umgewandelt zu werden. Überall, wo es um eine Weltmeinung und Einflussnahme geht, geschieht das. Ernsthafte Konflikte bleiben dabei oft unbeachtet. Besonders auffällig ist die Dämonisierung von Israel. Das basiert in der Regel nicht auf Fakten, sondern auf Emotionen. Diese werden manipuliert, unter anderem mit Bildern, die man für bestimmte Narrative nutzt. Damit wird weltweit in den Medien auf die Tränendrüse gedrückt. Man spricht etwa von «Genozid» und «Hungersnot», wobei beides bereits ausführlich dokumentiert und mittlerweile widerlegt sind.
Es sind jedoch diese Narrative von etwa Genozid oder Hungersnot, die mit einer selektiven Bildwahl auch nach der Widerlegung anhand von Fakten gefördert werden. Sich dessen bewusst zu sein, erlaubt eine bessere Differenzierung bei der Interpretation von etwa Nachrichten, dem Wahrheitsgehalt von Ideologien und dergleichen mehr.
Joey Hoffmann schreibt zu Krieg, Politik und Medien und hat einen interessanten Beitrag unter dem Titel «Ungefilterte Fotos aus Gaza» veröffentlicht. Darin zeigt er eine Vielfalt von Fotos, enthüllt, wie Nachrichtenagenturen Bilder auswählen und vermeidet gekonnt Polarisierungen, die sonst allgegenwärtig sind.
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