Das Titelbild dieses Beitrags wurde mit KI generiert. Das war deutlich schneller und einfacher, als ein vergleichbares Bild unter Stockfotos zu suchen. Die Überlegung soll zeigen, weshalb Bildeinkäufer künftig KI-generierte-Bilder bevorzugen könnten. Zweifellos gibt es noch mehr Argumente dafür oder dagegen.

Es gibt neue Möglichkeiten durch Künstliche Intelligenz (KI). Die Resultate von KI treffen zuerst nur einen Mittelwert. Sie werden jedoch zunehmend realistischer. Lernt man damit umgehen, sind die Resultate nicht nur realistischer, sondern auch überzeugender. Wer heute vielleicht voller Stolz meint, er erkennt jedes künstlich generierte Foto oder Video, hat vermutlich nur die Hälfte gesehen.

Die Technologie ist mehr als interessant, wozu ich bereits einmal schrieb, dass die ideale Bildagentur nur ein einziges Bild besitzt, das immer wieder verkauft werden kann.

Bildagenturen ohne Bilder

Die Umwälzung der Bildindustrie geht rasend schnell vor sich. Darüber berichtet etwa Richard Foster-Fletcher in einem Artikel im Sommer 2025.

Under Siege: Can Getty and Shutterstock Survive the Rise of Generative AI?

Bildagenturen

Bildagenturen können sich mit vielen Kompetenzen brüsten. Wer sich auskennt, schätzt den Wert professioneller Agenturen. Sie kennen die Hürden, verstehen viel von Lizenzen, Bildstilen und dergleichen mehr. Sie sind Dienstleister im besten Sinne und können dabei helfen, die geeignete Bildsprache in geeigneten Quellen zu finden.

Viele Kunden dagegen sehen nur dies: Preis und Vereinfachung. Ich war erstaunt einmal zu merken, dass viele Bildanwender den Wert von Bildern nicht mehr kennen, mit (damals noch üblichen) Projektlizenzen (rights managed) nicht mehr vertraut waren und einen Preis von 2 Euro für ein Bild als Durchschnitt betrachteten. Binnen wenigen Jahren waren Fotoaufträge bei vielen unbekannt und wurden Qualitätsbilder mit Massenware verglichen. Bildlizenzen und Bildrechte wurden nur noch von wenigen grossen Firmen respektiert.

Es gibt noch eine weitere Stufe dieser Vereinfachung: Der Preis trieb Kunden von Projektlizenzen (RM) zu lizenzfreien Lizenzen (RF)und von dort in die Arme der Abonnemente. Wer jedoch heute Bilder nach Wunsch generieren kann, benötigt keine Abonnemente für die Bildkollektionen mehr, sondern eher solche für KI-Generatoren. Könnte es da vorerst spezialisierte Angebote geben, dürfte das auch wieder im Wandel begriffen sein und zu Modellen mit mehreren Komponenten für viele Anwendungen hinwachsen.

Ähnliches wird vermutlich die Verbreitung von KI-generierten Inhalten vorantreiben. Schnell und billig gewinnt von besser und sicher. Das haben mittlerweile auch die meisten Bildanbieter verstanden und bieten nebst original-fotografierten Stockfotos auch KI-generierte Bilder an. Das ist jedoch eine Wahl.

Alamy etwa versucht es wie folgt: Es werden keine KI-generierten Bilder erlaubt. Auch Ergänzungen mit KI werden missbilligt, es sei denn, es betrifft Filter für Bildretusche. Der Standpunkt ist differenziert und versucht, die neuen Herausforderungen mit Kompetenz zu navigieren. Man könnte heraushören, dass Alamy so viele Fotografen vertritt, dass es kaum Vorteile durch KI-generierte Bilder gibt. Ebenfalls ist es ein Plädoyer für Authentizität.

Alamy and AI

Authentizität

Kann Authentizität ein Qualitätskriterium der Zukunft sein? Damit wird dann gemeint: Ist die Arbeit eines Fotografen künftig höher einzuschätzen als die Generierung von Durchschnittseindrücken einer KI? Ich kann das nicht abschliessend beantworten aber schätze es so ein, dass die Masse der Bildanwender zu KI wechselt, während qualitätsbewusste Einkäufer auf immer weniger hochwertige Angebote von Bildagenturen ausgerichtet bleiben.

Ob diese Idee für eine Agentur wie Alamy mit deren heutigen Struktur noch möglich ist, kann ich ebenfalls nicht abschliessend einschätzen. Ich vermute jedoch, dass weitere Anpassungen dann nötig werden, etwa die konsequente Ausrichtung auf mehr Qualität und Authentizität. Dabei gilt es zu bedenken, dass Alamy keine eigene Bilder produziert, sondern eine Fotografenagentur ist. Sie vertreten Fotografen. Die Auswahl und Ausrichtung von Alamy und anderen Agenturen dürfte in Richtung von mehr Qualitätsfotografen führen, ähnlich wie es etwa die Agentur WestEnd61 etwa bereits macht.

Im Zuge der Veränderungen werden die austauschbaren Bilder typischer Microstockagenturen zuerst unter Druck geraten. Sie produzieren für die Masse und sind selbst dadurch zu einer austauschbaren Ware geworden. Qualitätsfotografie und Authentizität sind nicht auf Knopfdruck zu erreichen. Zumindest heute nicht. Dort liegt also die Zukunft für menschliche Fotografie.

Robert Doisneau

Robert Doisneau war ein berühmter Strassenfotograf. Er verstarb 1994. Sind seine Bilder jetzt vogelfrei? Das wird dann interessant, wenn man ein Bild generiert mit dem Prompt «Erstelle ein Strassenfoto im Stile von Robert Doisneau». Ist das legal? Darf man das? Dabei gilt es zu bedenken, dass etwa in Deutschland die Werke eines Fotografen erst 70 Jahre nach seinem Ableben freigegeben werden. Das ist jedoch keine international gültige Situation. Wie sollte KI die verschiedenen rechtlichen Grundlagen in jedem Land abbilden? Das sind rechtliche Fragen mit Konsequenzen.

Ich habe mit der Idee «Ein Foto im Stile von Robert Doisneau» getestet und erhielt folgende Resultate. Das erste Bild hat mir zu viele Menschen, das zweite Bild hat ein paar weitere Anweisungen benötigt und war schon viel besser. Allerdings hat das Bild (heute) noch nichts mit Robert Doisneau gemeinsam. Mit etwas Übung kommt man dem vermutlich viel näher. Sollte das von der KI verhindert werden?

Bild im Stile von Robert Doisneau (Envato Labs AI). Version 1.

Bild im Stile von Robert Doisneau (Envato Labs AI). Version 2.

Dies ist nur ein Beispiel. Es soll einige Aspekte beleuchten, die von Bedeutung sind. Man stelle sich vor, man ist noch nicht gestorben und KI nutzt deine Arbeit ohne Entschädigung. Deine Umsätze und dein Lebensunterhalt sind direkt tangiert. Wie reagierst du?

Websites für KI-Bilderzeugung

Bekannte Websites für die Erzeugung von KI-Bildern sind Midjourney, Dall-E, und Ableger wie artlist.io oder (die Ironie!) stockimg.ai. Es soll weitere solche Websites geben, die durch geeignete Vorgaben schneller zu brauchbaren Resultaten gelangen. Adobe hat mit dem Produkt Firefly eine Software geschaffen, womit Fotos und Videos erzeugt werden können. Und das soll alles erst der Anfang sein.

Die Frage ist also nicht, ob oder wann das kommt, sondern was man heute, morgen und übermorgen damit machen kann. Wie könnte das deine eigene Arbeit beeinflussen?

Professionalisierung

Die Professionalisierung liegt bestimmt nicht nur im Detailreichtum der generierten Inhalte (obwohl auch da). Es geht ebenfalls um die Klärung rechtlicher und ethischer Aspekte dieser Technologien. Eine Professionalisierung benötigt es im Umgang mit diesen Dingen, ebenso wie einst mit der Ankunft von «Desktop Computern» und «Desktop-Publishing» (DTP) vor knapp 30 Jahren. Die Umwälzungen sind da und werden sich durchsetzen.

Ebenso wie es einst hiess, dass «die Sekretärin jetzt die Druckvorstufe erledigen könnte», wird es hier Fehleinschätzungen geben. Weder unzureichende Qualität noch unzureichende Abklärungen werden die Entwicklung aufhalten. Euphorische Einschätzungen werden jedoch auch enttäuscht. Eine Professionalisierung wird auf allen Ebenen, von der Technologie bis zum Anwender, angestrebt werden müssen.

Soweit es eine Professionalisierung des eigenen Bildangebots eines Fotografen betrifft, geht es um den eigenen Bildstil, den es zu entwickeln gibt. Die KI wird immer bessere Resultate ergeben, durch mehr Detailreichtum und eine grössere Anlehnung an bekannte Namen. Das trifft jedoch für viele herausragende Fotografen nicht zu. Westend61 zeigt, wie eine hohe fotografische Qualität mit konsequenter kuratorischer Auswahl und hohen Einstiegshürden einmalig bleibt. Für Image-Kampagnen und eine unverwechselbare Identität müssen Bildeinkäufer vermehrt und sehr bewusst auf herausragende Fotografie setzen. Es reichen keine KI-generierten Inhalte, um diese Authentizität heute zu erreichen.

Für den Bildeinkäufer besteht die Professionalisierung darin, den Blick für echte Qualität zu schärfen. Bedingt durch den Aufmarsch von KI-gestützte Bildgeneratoren wird der Rahmen für Qualität neu gesteckt werden müssen. Wenn das gelingt, steht man in fünf Jahren an einem besseren Ort, mit mehr Möglichkeiten.

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Karsten Risseeuw

Niederländer, der lange in der Schweiz wohnte. Über 20 Jahren führte er eine eigene Bildagentur. Aktuell wohnt er in den Niederlanden. Beruflich liegt sein Fokus bei Softwareentwicklung und -vertrieb ( fmstarter.com) und bei Kunstfotografie (karstenrisseeuw.ch). Auf diesem Blog schreibt er gelegentlich über die Entwicklungen und Herausforderungen der Bildindustrie.

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