Ist dies ein Scam? Vielleicht nicht. Sauber erscheint es trotzdem nicht. Hier ein Beispiel von Behauptungen ohne Beweise und einem unlauteren und meines Erachtens auch unprofessionellen Vorgehen bei Bildlizenzen.
Bildlizenzen sind wichtig. Ich nutze kein Bild ohne Lizenz, es sei denn, ich erstelle das Bild selbst. Ich handhabe das so, seit 1998, als ich erstmals Photodisc vertrat, noch bevor es von Getty Images erworben wurde.
Eine E-Mail von CopyTrack
Diese Woche flatterte eine E-Mail der deutschen Firma CopyTrack ins Haus. In dieser E-Mail wurde ich bezichtigt, ein Bild zu nutzen, wofür Lizenzrechte gelten. CopyTrack erwähnte (ohne Beweis), dass sie die Firma YayImages vertreten, der Rechteinhaber sein sollte und ich wurde aufgefordert, die Lizenz vorzulegen.
Bildlizenzen
Wer ein Bild nutzen will, erwirbt dafür am besten eine Lizenz. Dafür bezahlt man einen Preis, erhält jedoch auch ein Nutzungsrecht. Beides wird geregelt, oft zwischen Bildagentur und Bildanwender. Dabei gilt die Lizenzbeschreibung, die häufig in einem Standardtext beschrieben wird. Das sind die eingeräumten und erworbenen Nutzungsrechte.
Bildagenturen vertreten häufig Fotografen. Nicht alle Bildagenturen besitzen ein Eigentumsrecht (meist als «Copyright») bezeichnet. Sie können diese Rechte jedoch für Fotografen vertreten. Bildagenturen selbst haben oft kein Copyright an den Bildern, sondern ein Vertriebsrecht. Es gibt viele Arten von Rechten an einem Foto, je nachdem, in welchem Land das Bild erstellt wurde, wer es besitzt, ob Menschen abgebildet sind und für welche Zwecke ein Bild genutzt werden kann.
Die Prüfung
CopyTrack verzeichnete, dass ich das Bild seit 2021 nutze. Das stimmt nicht. Ich nutzte das Bild bereits seit 2019. Das ist nicht die einzige Ungereimtheit. CopyTrack hat diese E-Mail geschickt, offenbar nachdem ein Bild auf einer meiner Websites gefunden wurde, das auch von YayImages vertrieben wird. Die E-Mail wurde offenbar automatisch verschickt, ohne weitere Prüfung und Differenzierung.
Da ich grundsätzlich nur lizenzierte Bilder verwende, ging es lediglich darum, woher diese Aufforderung stammt, denn ich habe noch nie Bilder via YayImages erworben. Die Herkunft und damit die Lizenz waren schnell geklärt. Was CopyTrack jedoch forderte war eine schriftliche Lizenz für spezifisch dieses eine Bild. Eine solche Lizenz gab es damals nicht für die Quelle, die ich nutzte. Es galt eine allgemeine Lizenzerklärung, gültig für alle Downloads.
Als nächsten Schritt habe ich eine Reverse-Image-Search gemacht, also nach ähnlichen Bildern im Internet gesucht (etwa via Google Images oder TinEye). Dabei erschienen sofort acht (8!) Agenturen, die das Bild vertrieben. Darunter war nicht einmal die Quelle, die ich benutzt hatte. Es war also mitnichten so, dass YayImages alleiniger Rechteinhaber war. Zumindest Vertriebsrechte gab es für viele weitere andere Agenturen.
In diesem Sinne kann YayImages bzw. CopyTrack nicht vorgeben, als hätten sie ein Alleinrecht, dass sie Belege einfordern können. YayImages ist einfach eine unter vielen Agenturen, die dasselbe Bild vertrieben und bis heute vertreiben.
Falle für arglose Webbesitzer
Das ganze E-Mail erschien jetzt in einem anderen Licht. Hier versuchte YayImages bzw. CopyTrack aus einer automatischen Suche Geld zu generieren und damit zu rechnen, dass viele in die Falle tappen. Ja, dies scheint eine Falle für arglose Website-Besitzer zu sein, die zwar irgendwann das Bild bezogen haben, aber von einer solchen E-Mail überrumpelt werden. Das erscheint jetzt die Masche zu sein, wonach CopyTrack vorgeht. Dieselbe Erfahrung haben auch andere gemacht. Dass sie dabei haarscharf an einer sauberen rechtlichen Verarbeitung entlang schlittern kann, kann man etwa aus diesem Textabschnitt aus ihrem E-Mail ablesen (Hervorhebung von mir):
«Alternatively, please reply to this e-mail and attach appropriate proof (e.g. licence agreement, invoice, etc.). If you do not have a licence, please also contact us so that we can clarify the next steps together.
This enquiry is expressly made without any accusation of a legal infringement and initially only serves to clarify the facts of the case.»
Dies ist also keine offizielle Abmahnung. Das darf CopyTrack nicht tun, denn es ist keine Anwaltskanzlei. Hier geht es um ein Einschüchterungsversuch ohne Belege. Seriös erscheint es nicht. Rechtlich ist dies nicht haltbar. Hier ist die Differenzierung: Dürfen sie nachhaken? Ja. Ist dies eine Abmahnung? Nein. Ergibt dies einen Sinn? Nein, sie versuchen durch blosse Einschüchterung einfach zu Geld zu kommen.
Hier ein Vergleich: Es gibt echten Bilddiebstahl. Es gab von Getty massenhaft Bilder, die einst nur für eine bestimmte Projektverwendung lizenziert wurden. Als Getty dann anfing in den USA alle Magazines monatlich scannen zu lassen konnten sie laut Aussage von TinEye etwa 30% mehr Rechnungen verschicken. Es wurde eindeutig nachgewiesen, dass exklusive Bilder ausserhalb der Getty-Lizenz genutzt wurden. Solches ist bei CopyTrack und YayImages jedoch meist nicht der Fall. Es gibt weder Exklusivität bei den Vertriebsrechten, noch einen Beleg dafür, dass CopyTrack und YayImages sauber vorgehen. Das tun sie nämlich nicht.
Weitere Erfahrungen
Der dubiose Charakter dieser Aufforderung haben auch andere wahrgenommen. Hier etwa:
Negatives Feedback
Auf TrustPilot haben beide Firmen eine zweifelhafte Reputation aufgebaut:
Lizenzabklärungen
Selbstverständlich sollte man stets mit sauberen Lizenzen arbeiten. Das heisst jedoch noch lange nicht, dass man sich von den Machenschaften von YayImages oder CopyTrack einschüchtern lassen soll. Wenn nötig einfach nachfragen, begründen lassen, anzweifeln, wenn etwas nicht logisch erscheint. Das nennt sich gesunde Vernunft.


