Im letzten Beitrag habe ich auf den Trend hingewiesen, wonach KI-generierte Bilder (generative Künstliche Intelligenz) möglicherweise viele Bildagenturen bald ersetzen werden. Es gibt jedoch auch Gründe, sich gegen den Einsatz von künstlichen Bilderwelten zu entscheiden.

Nicht jede Fotoagentur akzeptiert KI-generierte Bilder. Das hat mehrere Gründe. Es können ethische Gründe sein (womit wurde das Bild erstellt und mit welchen Bildern wurde die KI trainiert?). Auch gibt es technische Gründe, um KI-generierte Bilder abzuweisen. Die Bildqualität ist eine andere.

Hier sind einige Stimmen:

Es gibt demnach mehrere Gründe, KI-generierte Bilder bewusst abzuweisen. Sollte man Bilder einkaufen nach der Maxime «Billiger ist besser», spielt die Qualität nur eine untergeordnete Rolle. Sowohl Qualität als auch Originalität, Aussagekraft und unverwechselbare Identität kann man nicht ohne Kosten haben. Da geht es nicht nur um die Frage, ob Billigeinkäufer auch ihre eigene Arbeit zum Nulltarif anbieten würden (was ich bezweifle), sondern um ein Verständnis für den Wert von Bildern und Fotografen.

Während LLMs mit bestehenden Bildern trainiert werden, können Fotografen eigene Erzählstile entwickeln. «Storytelling» ist so bedeutsam wie die technische Ausführung. Während die Medien mit «AI-slop» überschwemmt werden, geht es nicht mehr um Bilder allein, sondern darum, was die Bilder aussagen und erzählen. Mit einem anderen Wort: Es geht um Authentizität.

Steckt der Teufel im Detail?

Es wird immer schwieriger, KI-Bilder von echten Fotos zu unterscheiden. Verwirrend wird es, wenn Menschen KI-generierte Bilder auf Fotoplattformen hochladen und dasselbe Bild einmal angenommen, ein andermal abgewiesen wird. Nicht jeder erkennt KI-generierte Bilder auf Anhieb. Oft geht es um Details, die nicht sauber konstruiert wurden. Logisch, dass viele Kritiker auf Details verweisen, auch wenn nicht jeder diese bemerkt. Das dürfte jedoch eine vorübergehende Sache sein. In fünf oder zehn Jahren sind solche Elemente vermutlich verschwunden.

Entscheidungen von Bildagenturen «für oder gegen KI» spiegeln deshalb einerseits technische Limitierungen, andererseits strategische Überlegungen. Es geht nicht nur um Technik oder Perfektion. Zu perfekt ist oft ein Hinweis auf eine künstliche Erzeugung. Offensichtliche Fehler sind jedoch auch Hinweise auf generative KI. Wenn Technik oder Perfektion allein kein Thema ist, worauf sollte man achten?

Datenklau?

LLMs müssen trainiert werden. Dafür werden Daten benötigt, sprich: Bilder. Diese Bilder werden häufig ohne Einverständnis oder Entschädigung genutzt. Dass man etwa einen Prompt generieren kann wie «Erstelle mir ein Bild im Stil von Robert Doisneau», ist nur möglich, weil seine Bilder analysiert wurden. Das nennt man Datenklau, wenn dafür keine Entschädigung stattgefunden hat.

Wir stehen am Anfang einer neuen Ära. Künstliche Intelligenz (KI, LLMs) besetzt immer mehr Bereiche. Allerdings gilt auch: Vieles ist noch ungeklärt. Es werden Milliarden in die Entwicklung von KI-Systemen investiert, die oft noch ausserhalb bestehender Gesetze operieren können. Das ist ganz ähnlich wie die rasante Verbreitung von Social Media und der Verlust der Privatsphäre. In diesem Sinne ist es ein Wettrennen mit der Zeit, bis die Gesetzgebung aufholt und die Arbeit realer Fotografen schützt. Parallel dazu müsste man auch definieren, was echte Fotografenarbeit bedeutet, wie Werte entstehen und was genau schützenswert ist.

Selbstverständlich gibt es viele Bemühungen in diese Richtung. Sie erhalten jedoch nicht die Milliarden, die grosse KI-Firmen für ihre Entwicklung erhalten.

Kritische Stimmen

Es gibt nicht nur Lob für KI. Es gibt auch Kritik. Kritische Stimmen verdienen es, gehört zu werden.

Echt oder unecht?

Das Stichwort «Authentizität» ist nicht aus der Luft gegriffen. Wie der letzte verlinkte Beitrag aufzeigt, wird «authentisch» von Betrachtern fast immer bevorzugt. Das erwähnte «Transparenz-Dilemma» bei der Offenlegung von KI-generierten Inhalten zeigt, wie stark Transparenz die Meinung beeinflussen kann, sogar dann, wenn Betrachter die KI‑generierten Inhalte zuerst nicht erkannten. Das zeigt, dass es mehrere Ebenen gibt, über die man als Bildanwender nachdenken sollte.

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Karsten Risseeuw

Niederländer, der lange in der Schweiz wohnte. Über 20 Jahren führte er eine eigene Bildagentur. Aktuell wohnt er in den Niederlanden. Beruflich liegt sein Fokus bei Softwareentwicklung . Auf diesem Blog schreibt er gelegentlich über die Entwicklungen und Herausforderungen der Bildindustrie.

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