Bild: © Karsten Risseeuw

Kostenlose Bilder auf dem Vormarsch

Wohin entwickelt sich der Bildmarkt?


Wie gut laufen eigentlich die Websites mit kostenlosen Bildern? Da gibt es beispielsweise unsplash.com, pexels.com und weitere. Dazu hat Jim Pickerell auf seiner Website selling-stock.com einen Beitrag verfasst. Die Zahlen, obwohl öffentlich zugänglich, lassen aufhorchen. Den Beitrag liest man hier.

Unsplash verzeichnet monatlich über 70 Millionen Downloads. Das ist eine unglaubliche Anzahl und ein Vielfaches von dem, was die führenden kommerziellen Bildagenturen wie Getty, Adobe Stock und andere zusammen (!) an Downloads verzeichnen. Natürlich verwundert es nicht, das «gratis» eine grosse Anziehungskraft hat. In fast jeder Tageszeitung gibt es heute Bilder dieser kostenlosen Websites. Man benutzt die Arbeit von Fotografen, die damit einverstanden sind, dass ihre Arbeit kostenlos verwendet wird.

Was wir hier sehen ist eine Umwälzung des Bildmarktes von enormem Ausmass. Es wird immer schwieriger mit Stockfotos oder gar mit Fotografie Geld zu verdienen. Während die Anzahl verfügbaren Bilder in schwindelerregende Höhe steigt, ist der Verdienst pro Bild immer geringer. Shutterstock hat per Ende 2019 etwa 314 Millionen Bilder online. Das erscheint eine grosse Anzahl zu sein, aber bereits in 2013 verzeichnete Facebook einen täglichen Upload von 350 Millionen Fotos. Wir leben in einer Welt in der Milliarden Bilder täglich hochgeladen werden. Die Differenzierung ist schwierig, davon zu leben noch viel schwieriger.

Websites wie Unsplash.com oder Pexels.com bieten zwar kostenlose Downloads an, aber damit ist die Verwendung noch nicht rechtlich einwandfrei. Die Modellfreigaben sind häufig nicht geregelt und auch rechte Dritter, etwa für Aufnahmen auf privatem Grund, von Marken und dergleichen mehr, sind selten geklärt. Im Kleingedruckten steht dann erwähnt, dass man sich selbst um diese Freigaben kümmern muss. Das wiederum gestaltet sich häufig schwierig. Für eine professionelle Bildverwendung lässt sich deshalb nicht einwandfrei klären, ob ein Foto problemlos genutzt werden kann. Das war jedoch einst die Domäne etablierter Bildagenturen. Das Zauberwort «gratis» ist ein Wunderwort, womit sich Hirn verschwinden lässt.

Wohin der Weg führt

Niemand kann mit Sicherheit sagen, wohin der Weg führt. Ein solcher Umbruch ist aber nicht neu. Ende der Neunziger Jahren kamen die ersten Bildkollektionen mit Pauschallizenz, die sogenannten «lizenzfreien» Bildern. Sie waren deutlich günstiger als alle andere Bilder, die es bis dahin gab. Ein weiterer Vorteil war, dass die Lizenz ähnlich wie eine Softwarelizenz funktionierte: Man durfte das Bild beliebig lange für beliebig viele Projekte verwenden.

Als lizenzfreie Bilder neu auf den Markt kamen, waren das häufig Ausschuss-Bilder. Die besten Bilder landeten direkt beim Kunde oder in lizenzpflichtigen Bildkollektionen. Logischerweise gab es Kritik der Bildagenturen auf die mangelnde Qualität, aber Preis und Bequemlichkeit sind auch Werte. Der Erfolg von lizenzfreien Bildern entstand durch den günstigen Preis und die einfache Verwendung. Das ist im heutigen Umbruch nicht anders. Der Preis ist nun «kostenlos», aber das Prinzip ist dasselbe. Hat das Modell Erfolg, setzt die Professionalisierung nach einigen Jahren durch.

Unterschiede gibt es auch. Während lizenzfreie Bilder oft mit Bildern geringerer Qualität starteten, hat Unsplash konsequent auf ein Editieren der Bilder gesetzt. Deshalb bietet die Unsplash Kollektion tatsächlich herausragende Fotos. Der Start von «kostenlos» ist deutlich besser als von «lizenzfrei». Immer mehr jedoch wird Fotografie ohne direkten Broterwerb gemacht werden. Das ist die Realität, die sich vor unseren Augen etabliert.

Kein Weg zurück

Es wird keinen Weg zurück geben. Mit Stockfotografie lässt sich nur selten noch Geld verdienen. Wer mit Fotografie verdienen will, darf Hochzeiten fotografieren oder andere Auftragsfotografie anstreben. Bei redaktionellen Bildern wird es auch noch hier und da einen Verdienst geben. Auch Kunstfotografie ist für die meisten keine Einnahmequelle.

Obwohl Fotos allgegenwärtig sind, kommen professionelle Fotografen und Arbeitsstrukturen der letzten 20-25 Jahre trotzdem unter Druck. Kostenlos ist auf dem Vormarsch, und mögliche Berufsbilder für Fotografen haben sich dramatisch geändert. Mithilfe künstlicher Intelligenz lassen sich immer mehr Bilder erstellen. Bis in 10 oder 20 Jahren dürften viele Bilder im Computer entstehen.

Wird mit Computer-Bildern das Ende der Möglichkeiten erreicht sein? Wohl kaum! Bilder entstehen letztendlich bei uns im Kopf. Ich vermute, dass man irgendwann Bilder auf andere Art direkt bei uns im Kopf generiert. Kopfkino, sozusagen. Ob das mit Gegenständen (Foto-Ausdrucke oder Publikationen), digitale Bilder (Bildschirme) oder auf andere Art geschieht, ist dann nebensächlich.