Getty Images hat bekannt gegeben (hier), dass es 2020 die Rights-managed Lizenzierung aus dem Angebot streicht. Alle kreative Bilder bei Getty Images wandern zum Royalty-free (RF) Lizenzmodell. Redaktionelle Bilder sind nicht betroffen. Diese bleiben, zusammen mit Rights-ready Videos, im Moment beibehalten. Die Firma spricht von einem «sukzessiven Rückzug» aus dem lizenzpflichtigen RM-Lizenzmodell.

Die kreativen Bilder zuerst

Getty gibt zwei Gründe für den Wechsel an: Kunden wollen einfachere Lizenzen und sie wandern zu anderen Anbietern ab. Nach eigenen Angaben hat man ausführlich die Marktmechanismen untersucht und sieht einen Wechsel als unausweichlich. Rights-managed («lizenzpflichtige») Lizenzen haben ausgedient. Die Umstellung erfolgt in Phasen und beginnt in 2020. Bereits 2019 gab es für Fotografen ein letztes Datum, wonach noch Bilder für das RM-System geliefert werden konnten.

In einem ersten Schritt geht es um die kreativen Bilder. Sie werden alle «lizenzfrei» und wandern in das Royalty-Free Modell. Redaktionelle Bilder und einige weiteren Angebote bleiben vorerst noch lizenzpflichtig. Damit der Wechsel sauber funktioniert, hat Getty Kunden noch einen Termin gegeben, bis dahin sie bestehende Lizenzen verlängern und exklusive Lizenzierungen noch bestimmen können. Danach sind diese Anpassungen nicht mehr möglich.

Was zeigt der Wechsel über die Industrie?

Es ist unüberhörbar: Getty wird zu diesen Massnahmen gezwungen. Der Markt läuft davon. Die Rechteverwaltung von Bilder war bislang eine Trumpfkarte. Diese Verwaltung von Bildrechten ermöglichte es den Käufern über jede bisherige Bildverwendung eine Auskunft zu erhalten oder auch exklusive Nutzungsrechte zu erwerben. Offenbar spielen diese Stärken heute keine so grosse Rolle mehr und Kunden wandern zu ungesicherten günstigeren Varianten ab.

Preis ist demnach ein wichtiges Argument. Vielleicht jedoch hat sich auch eine Schere aufgetan, wonach die Mehrheit der Bilder günstiger sein soll, während exklusive Bilder eher von den Nutzern selbst erstellt werden. Einerseits also wandern die Kunden nach «billig» ab, andererseits werden Bedürfnisse nach exklusiven Lizenzen nicht mehr angefragt. Aus dieser letzten Beobachtung lässt sich folgern, dass entweder keine solchen Bedürfnisse mehr vorhanden sind, oder Kunden eher eigene Fotoproduktionen starten, wie ich das selbst auch bei meinen Kunden sehe. Stockfotografie ist nicht mehr das geeignete Mittel für Exklusivität. Selbst produzieren ist günstiger und oft besser.

Soweit es die Stockfotografie betrifft, befindet man sich auf einem «Race to the Bottom», ein «Rennen nach unten». Immer mehr Bilder und immer weniger Verdienst pro Bild. Seit eh und je kämpft Getty mit harten Bandagen ein Verdrängungswettbewerb. Es ist deutlich, dass der Marktführer auch bei diesem Schachzug nicht das Wohl der Industrie, sondern nur das Wohl der Shareholders im Blickfeld hat. Das Business-Modell hat mit Fotografie nur am Rande etwas zu tun, wie das bereits in > diesem Beitrag gezeigt wurde.

Auswirkungen auf europäische Märkte

Zweifellos wird Getty’s Entscheid sich auf die Märkte hier in Europa auswirken. Die «Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Bildagenturen und -Archive» (SAB) hat 2019 noch eine Preisempfehlung für RM-Lizenzierungen herausgebracht. Die Relevanz solcher Preisangaben dürfte nun rapide abnehmen. Dasselbe gilt für die Preisliste der BVPA in Deutschland. Bildanbieter in der Schweiz und in Deutschland dürften dadurch weiter unter Druck geraten. Wenn auch redaktionelle Bilder für den Moment noch nicht betroffen sind, so kündigt sich auch dort einen Wechsel an. Getty hat angegeben den Wechsel «in Phasen» anzugehen. Die kreativen Bilder sind nur der Anfang.

Getty Images hat richtig formuliert, dass ein Angebot Relevanz für den Kunden haben muss. Weil die Märkte sich ändern sind Änderungen unausweichlich. Wer jedoch nur im Windschatten der Giganten sein Bildgeschäft aufbaut, steht demnächst allein in einer steifen Brise, wenn man selbst die Richtung nicht ebenfalls ändert. Das ist zwar nichts Neues, aber die neue Ausrichtung von Getty dürfte weite Kreise ziehen.

Oder müsste man es anders sehen, dass man ein alternatives Angebot, eine alternative Lizenzierung anbieten möchte? Dafür gäbe es genügend Beispiele, wie Bildabonnemente, Pauschalpreise und dergleichen mehr. Erschwerend in diesem Lizenzgeschäft ist, dass bereits ausgelieferte Bildlizenzen nur mit grossem Aufwand auf eine begrenzte Verwendung hin geprüft werden können. Bilder lassen sich nicht einfach «abstellen» und ein JPG hat kein Verfalldatum.

In diesem Sinne ist es für Anbieter und Anwender gleichermassen interessant, wenn keine grossen Begrenzungen mehr gelten. Es reduziert Aufwand und Kosten an allen Seiten. Zulieferer der Bildagenturen jedoch müssen mit vermutlich immer weniger Verdienst auskommen.

Fotografen und Kunden

Welche Änderungen dürfen auf die Bildmärkte zukommen? Ist die Zeit der Bildagenturen am Ende, und gibt es bald nur noch Fotografen-Netzwerke, die exklusiven Content produzieren? Ist das Rennen um immer günstigere Preise bald abgeschlossen oder müssen Kunden noch ausbezahlt werden, damit sie ein Bild herunterladen und nutzen? An verschiedenen Orten wurden Versuche gestartet, die Bildverwendung über Werbung zu finanzieren. Irgendwann ist aber die Luft raus und geht es für diese Art von Vertriebskonzepten nicht weiter.

Was bleibt sind die Fotografen und die Kunden. Zwischen beide gibt es gute Möglichkeiten. Bildagenturen, die Fotografen und Kunden zusammenbringen, dürften ebenfalls gewinnen. Es geht um Know-How und Erfahrung in verschiedenen Bereichen. Um dies zur Blüte zu bringen braucht es jedoch ein vernetztes Denken und Handeln. Konzepte sind vorhanden, denn es gibt bereits Fotografen-Netzwerke. Vielleicht jedoch müsste man sich noch einmal anders organisieren?

Die Frage ist jetzt: Wohin bewegen sich Fotografen und Kunden demnächst, und welche Rolle werden Bildagenturen übernehmen?

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